Berlin (dpa) l "Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker." Doch auch der Beipackzettel gibt zu Medikamenten Auskunft - eigentlich. Dieses klein bedruckte Stück Papier hinterlässt aber oft mehr Fragen als Antworten.

Die Aufzählungen der Nebenwirkungen etwa sind so lang, weil die Hersteller jede bekannte Nebenwirkung aufführen müssen. Der Beipackzettel diene in erster Linie zur juristischen Absicherung, sagt Hans-Michael Mühlenfeld, Vorsitzender des Hausärzteverbands Bremen. Deshalb sind Missverständnisse oft vorprogrammiert. Etwa bei Nebenwirkungen oder Faktoren, die gegen die Einnahme sprechen: "Die Angaben dazu beziehen sich auf die Substanz, nicht auf deren Dosierung oder Form."

Das Verhältnis von Nutzen und Risiko wird abgewogen
Und es kommt vor, dass bei Wirkung und Nebenwirkung dieselben Sachen stehen, wie etwa bei Aspirin-Tabletten. Das kann verunsichern. Hier hilft tatsächlich nur Aufklärung durch den Arzt oder den Apotheker. Sie kennen die individuellen Voraussetzungen der Patienten und können so mögliche Risiken einschätzen.

Generell werde bei Arzneimitteln das Nutzen-Risiko-Verhältnis abgewogen. Bei einem Medikament gegen Krebs könnten als Nebenwirkung die Haare ausfallen, erläutert Sellerberg. Die Gefahr der Krankheit mache das Risiko tolerierbar. "Kopfschmerz-Mittel mit dieser Nebenwirkung würden nie auf den Markt kommen."

Trotz Anweisung vom Arzt bei Dosierung nachschauen
Auch bei den angegebenen Wahrscheinlichkeiten von Nebenwirkungen drohen Missverständnisse. Tritt eine Nebenwirkung "häufig" auf, betrifft das höchstens zehn Prozent der Patienten. Selten heiße, dass von 10 000 Menschen im Schnitt bis zu 10 betroffen sind.

Die Angaben zur Anwendung und Dosierung der Medikamente sei hingegen auch für Patienten verständlich, sagt Kahnt. Zwar schreiben Ärzte die Angaben meist auf das Rezept, nachschauen schadet trotzdem nicht, denn gerade Details geraten in Vergessenheit. "Hier liefert der Zettel richtige und verlässliche Antworten", versichert Kahnt.

Auch Allgemeinmediziner Mühlenfeld empfiehlt, bei der Dosis noch mal selbst nachzulesen. "Die ist oft von Faktoren wie dem Gewicht abhängig und deshalb sehr individuell." Eine weitere Fehlerquelle: Säfte. Ist im Beipackzettel von der Gabe eines Löffels Medizin die Rede, sei nicht der Esslöffel aus dem Geschirrkasten gemeint, sagt Sellerberg. Die Angaben gelten stattdessen für den mitgelieferten Messbecher.