Wer Steuern zahlt, unterstützt das Gemeinwohl. Zugleich offeriert der Staat Steuerzahlern diverse Entlastungen. Leserfragen dazu beantworteten Steuerberater aus Sachsen-Anhalt.

Frage: Wegen einer Krankheit habe ich im vergangenen Jahr nur vier Monate gearbeitet. Muss ich dennoch eine Einkommensteuererklärung abgeben?

Antwort: Selbstständige und Freiberufler sind zur Abgabe der Einkommensteuererklärung verpflichtet. Arbeitnehmer hingegen sind nur dann zur Abgabe der Erklärung verpflichtet, wenn Einkünfte erzielt werden, die dem sogenannten Progressionsvorbehalt unterliegen. Dazu gehört Arbeitslosengeld ebenso wie Krankengeld, Elterngeld und Kurzarbeitergeld. Eine Steuererklärung muss unter anderem auch dann abgegeben werden, wenn neben dem Haupteinkommen weitere Einkünfte erzielt werden und wenn Ehegatten die Steuerklassenkombination III/V gewählt haben.

Muss ich in jedem Fall bis zum 31. Mai die Steuererklärung abgeben? Ich befürchte, nicht alle Quittungen rechtzeitig vorweisen zu können. Kann ich die Quittungen später nachreichen?

Sie sollten dem Finanzamt schriftlich mitteilen, dass Sie fehlende Belege noch nachliefern werden. Die Nachreichung ist auch noch innerhalb der einmonatigen Einspruchsfrist nach Erhalt des Steuerbescheides möglich.

Was geschieht, wenn ich die Steuererklärung nicht fristgemäß abgebe?

Sie erhalten eine Erinnerung, verbunden mit einer neuen Fristsetzung von etwa vier Wochen. Fall Sie darauf auch nicht reagieren, droht Ihnen ein Zwangsgeld und ein Verspätungszuschlag von bis zu zehn Prozent der fälligen Einkommensteuer. Diesen Verspätungszuschlag müssen Sie selbst dann zahlen, falls die eigentliche Steuerberechnung auf Grundlage der von Ihnen zu spät eingereichten Einkommensteuererklärung keine Steuerlast ergibt.

Ich will in diesem Jahr erstmals die Steuererklärung elektronisch übermitteln. Muss ich dann die gesammelten Belege für Sonderausgaben zusätzlich per Post beim Finanzamt einreichen?

Elektronische Steuererklärungen können das ganze Verfahren beschleunigen. Soweit Sie nicht aufgrund gesetzlicher Vorschriften eingereicht werdern müssen, sind Belege und Bescheinigungen nur noch auf Anforderung des Finanzamtes vorzulegen. Die verpflichtende Einreichung von Belegen betrifft vor allem die Kapitalertragsteuerbescheinigungen und Spendenbescheinigungen. Beide sind, wenn vorhanden, im Original vorzulegen. Im Internet können Sie unter www.elster.de die erforderlichen Schritte nachlesen.

Muss ich Kirchensteuer bezahlen, wenn ich keine Einkommensteuer entrichten muss?

Die Kirchensteuer ist an die Einkommensteuer gekoppelt. Wenn Sie also unter die Einkommensteuergrenze fallen, müssen Sie auch keine Kirchensteuer zahlen.

Müssen jetzt alle Rentner eine Steuererklärung abgeben? Bis zu welcher Rentenhöhe besteht Steuerfreiheit?

Wie hoch der steuerfreie Anteil der Rente ist, hängt vom Rentenbeginn ab. Wer bereits seit 2005 oder früher eine Rente bezieht, braucht bis zu einer Bruttojahresrente von bis zu circa 18 000 Euro nicht mit einer Steuer zu rechnen. Wenn aber die Rente im Jahr 2014 begann, ist bereits oberhalb einer Bruttojahresrente von ca. 14 700 Euro mit einer Steuerverpflichtung zu rechnen. Für die anderen Jahre liegen die Werte dazwischen. Für Ehegatten, die beide Rentner sind, verdoppeln sich die Beträge. Diese pauschale Aussage gilt allerdings nur für die gesetzliche Rente und auch nur dann, wenn keine weiteren Einkünfte bezogen werden. Wenn außer den Beiträgen zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung noch weitere Aufwendungen, beispielsweise für haushaltsnahe Dienstleistungen oder ärztlich verordnete Heilmittel und Medikamente, geltend gemacht werden können, erhöht sich ggf. die Grenze, bei der eine Steuerbelastung beginnt. Das muss geprüft werden. Wenn sich eine Steuerbelastung ergibt, ist jeder selbst und per Gesetz zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet.

Wie hoch kann mein jährliches Einkommen maximal sein, um keine Einkommensteuer zu zahlen?

2014 beträgt der Grundfreibetrag 8354 Euro. Bis zur Höhe dieses zu versteuernden Einkommens fällt in der Regel keine Einkommensteuer an.

Im vergangenen Jahr waren in meinem Haus viele Handwerkerarbeiten notwendig. Bis zu welcher Höhe kann ich Handwerkerkosten in der Steuererklärung geltend machen? Was ist, wenn ich keinen Bankbeleg vorweisen kann, weil ich die Rechnung bar beglichen habe?

Für Handwerkerarbeiten können Steuerzahler Arbeitsleistungen bis zu 6000 Euro geltend machen. Dabei erkennt das Finanzamt nur alles an, was mit Renovierung, Erhaltung oder Modernisierung im Privathaushalt zusammenhängt. Materialkosten werden nicht anerkannt. Um die Zahlungen zu belegen, benötigen Steuerzahler einen Bankbeleg - eine Barbezahlung wird das Finanzamt nicht anerkennen.

Ich bin fortwährend auf Baustellen tätig. Hat sich hier etwas für die Steuererklärung 2014 geändert?

Bei einer beruflich bedingten Abwesenheit von mehr als acht Stunden können zwölf Euro für Mehraufwendungen geltend gemacht werden. Das ist doppelt soviel wie noch 2013. Die Abwesenheitszeit gilt ab dem Verlassen der Wohnung. Eine weitere Änderung gilt, wenn der Arbeitgeber Mahlzeiten zur Verfügung stellt. Dann sind die Verpflegungspauschalen zu kürzen: für Frühstück um 4,80 Euro und für Mittag und Abendbrot um je 9,60 Euro. Eigene Zuzahlungen sind wieder gegenzurechnen.

Ich bin eine alleinerziehende Mutter und habe einen Sohn. Er studiert. Kann ich dessen Studienheimkosten usw. steuerlich geltend machen?

Solange Sie Kindergeld erhalten, bekommen Sie nur einen Ausbildungfreibeitrag in Höhe von 924 Euro pro Jahr. Allerdings ändert sich die Situation, wenn Ihr Sohn über 25 Jahre alt ist und weiter studiert. Das Kindergeld fällt weg und Sie können die Aufwendungen als Unterhaltsaufwendungen geltend machen. Die Höhe ist abhängig von den Einkünften Ihres Sohnes.

   

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