Magdeburg l "Wer sein Rad aus dem Keller holt, sollte erst einmal schauen, ob noch alles dran ist", sagt Carsten Neugebauer, Werkstattmeister beim Fahrradladen Eldorado in Magdeburg. So banal dies klinge, in Mehrfamilienhäusern sei es seiner Erfahrung nach Usus, dass sich Nachbarn an fremden Rädern mit Ersatzteilen versorgten. Besonders beliebt seien Lampen, Sättel und Vorderräder. Fehlt nichts, sollte das gecheckt werden:

Kette
Läuft die Kette noch leicht und ist sie geschmeidig, oder ist sie leicht angerostet? Wenn ja, dann sollte zunächst mit Fahrradreiniger, Bürste und warmem Wasser der Dreck runtergeschrubbt werden. Ist die Kette wieder sauber und trocken, dann muss sie mit einem speziellen Kettenöl wieder geschmiert werden. "Auf keinen Fall aber mit dem Hochdruckreiniger rangehen", warnt Neugebauer. Die Geräte seien für die Fahrradreinigung absolut ungeeignet. Der Druck ist zu hoch, vorhandene Fette und Schmiermittel werden entfernt und Lagerschäden sind somit vorprogrammiert.

Reifen
Ist nur wenig Druck in den Reifen, lässt sich gut sehen, ob der Mantel schon Risse aufweist, weil der Gummi langsam porös wird. Dann sollte er ausgetauscht werden. Wer in der Vergangenheit öfters einen platten Reifen durch Scherben oder Nägel hatte, kann überlegen, einen Mantel mit besonderem Pannenschutz zu kaufen. Diese kosten in der Regel 40 Euro, etwa doppelt so viel wie einfache. Diese verfügen über eine fünf Millimeter dicke Kautschukschicht, die den Schlauch vor dem Eindringen von spitzen Gegenständen schützt. "Der Pannenschutz liegt bei 95 Prozent", so Neugebauer. Aber Sportfahrer müssten bedenken, dass das Rad dadurch etwas schwerer werde. Von Reparaturgels oder Schäumen gegen platte Reifen hält der Werkstattmeister überhaupt nichts.

Luftdruck
Ist zu wenig Luft im Reifen, rollt er schwerer und wird schneller rissig. Je dünner der Reifen ist, desto höher sollte der Luftdruck sein. Bei Rennrädern liegt dieser bei acht bis zehn Bar, bei Trekking-, Alltags- und Kinderrädern bei 3,8 bis sechs Bar, bei Mountainbikes bei 2,3 bis 3,5 Bar. Der richtige Luftdruckbereich steht außen auf dem Reifen.

Speichen
Läuft das Rad rund oder schlägt es? Werden zwei benachbarte Speichen mit Zeigefinger und Daumen zusammengedrückt, dann merkt man, ob die Spannung gleichmäßig ist. Sind Speichen locker, müssen sie wieder gespannt und ins Gleichgewicht gebracht werden. Wer darin keine Übung hat, sollte damit besser in die Werkstatt fahren.

Bremsen
Wird der Bremshebel gezogen, sollte das leicht gehen. Sonst müssen die Bremsarme gefettet bzw. der Bowdenzug rausgezogen und geölt werden. Denn über den Winter kann Wasser in die Zughüllen eindringen und für Rost sorgen. Bei modernen Rädern mit hydraulischer Bremse kann das nicht passieren, weil sie ein geschlossenes System haben. "Hier sollte man nur tätig werden, wenn Ölaustritt erkennbar ist", so Neugebauer. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) empfiehlt, hydraulische Bremsen zu entlüften, wenn bei maximaler Handkraft weniger als ein Finger zwischen Bremshebel und Griff passt.

Auch die Abnutzung der Bremsklötze sollte kontrolliert werden. Neuere Bremsklötze haben den Vorteil, dass eine tiefe Einkerbung anzeigt, wann ein Austausch erforderlich ist. Zieht man die Bremse, müssen die Klötze gleichmäßig auf der Felge liegen, sonst an den Bowdenzügen nachspannen. Scheibenbremsen sollten ab einer Abnutzung von 20 Prozent ausgetauscht weden.

Lampe
Leuchtet die Lampe noch? Wenn nicht, alle Kabel prüfen, ob sie noch feststecken oder eventuell gerissen sind. Ansonsten muss eventuell das Glühlämpchen ausgetauscht werden. Der Lichtstrahl sollte außerdem leicht nach unten führen, damit er Gegenverkehr nicht blenden kann. Auch Reflektoren sollten vom Dreck befreit werden, damit sie wieder leuchten und somit jeder sehen kann.

Schrauben
Alle Schrauben am Rad sollten von Hand angezogen werden, rostige ersetzt werden. Die richtigen Schraubenschlüssel am besten direkt in eine kleine Reparaturtasche stecken und für größere Fahrradtouren bereit halten.

Klingel
Klingelt sie noch? Wenn nicht, hilft eventuell ein Tropfen Öl.

Termin
Weil im Frühjahr Hochbetrieb in den Fahrradwerkstätten herrscht, sollte man zuvor einen Termin für die Reparatur ausmachen. "24 Stunden braucht die Werkstatt in der Regel für einen Frühjahrs-check, wenn keine Ersatzteile bestellt werden müssen", so Neugebauer.

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