Magdeburg l Wenn die Verdauung aus dem Gleichgewicht gerät, kann das die Lebensqualität beeinträchtigen. Über Darmbeschwerden informierten sich viele Leser im Telefonforum. Uwe Seidenfaden notierte Fragen und Antworten.

Mein Schwiegersohn klagt seit mehreren Wochen über Oberbauchschmerzen. Er führt es auf starken beruflichen Stress zurück. Deshalb will er im Job etwas kürzer treten. Aber reicht das aus?
Wenn Magenschmerzen, Verdauungs- und Darmprobleme über Wochen anhalten oder wiederholt ohne ersichtlichen Grund auftreten, sollte man den Arzt aufsuchen. Dieser wird zunächst nach organischen Erkrankungen wie beispielsweise Magengeschwüre, chronische Darmentzündungen oder Krebs suchen. Möglich ist das u.a. mit Blut- und Ultraschalluntersuchungen des Bauchraumes und der Speiseröhre sowie Magen- und Darmspiegelungen. Bei Verdacht auf eine Milch-, oder Fruchtzuckerunverträglichkeit kann der Arzt einen Atemtest durchführen. Eine Gluten-Unverträglichkeit kann durch eine Blutuntersuchung festgestellt werden. Lässt sich keine eindeutige organische Ursache feststellen, lautet die Diagnose Reizmagen bzw. Reizdarm.

Ich habe regelmäßig Magenschmerzen. Bei einer endoskopischen Untersuchung konnte keine Ursache festgestellt werden. Was hilft?
Nicht immer kann eine organische Ursache für Magenprobleme gefunden werden. Dazu gehört auch die Infektion mit dem Magenbakterium Helikobacter pylori. Wenn keine organische Ursache im Magenbereich gefunden werden kann, sprechen wir von einem Reizmagen. Die Symptome können durch Ernährung und auch psychischen Stress beeinflusst werden. Die Behandlung hängt davon ab, welche individuellen Beschwerden überwiegen. Hilfreich kann eine Verhaltenstherapie bei Psychotherapeuten sein. Sie unterstützt Patienten darin, Konflikt- oder Stress-Situationen besser zu meistern.

Was kann man selbst für eine gesunde Darmtätigkeit und einen regelmäßigen Stuhlgang tun?
Für einen regelmäßigen Stuhlgang wichtig sind eine ballaststoffreiche Ernährung und eine ausreichende Trinkmenge. Vorsicht bei dauerhafter Einnahme frei verkäuflicher Abführmittel. Bei längerer Anwendung kann sich der Darm daran gewöhnen. Nach dem Weglassen treten dann erneut die Probleme auf.

Mein Mann (72 Jahre) hat im vergangenen halben Jahr sehr stark abgenommen. Dennoch isst er normal. Was kann die Ursache sein?
Die Ursache für einen starken Gewichtsverlust ohne ersichtlichen Grund sollte immer ärztlich abgeklärt werden, um als Ursache einen Tumor auszuschließen. Menschen über 55 Jahren wird generell eine Darmspiegelung zur Krebsvorsorge empfohlen. Bei Darmbeschwerden oder früh aufgetretenen Tumorerkrankungen in der Familie ist eine Darmspiegelung auch in jüngeren Jahren ratsam.

Seit einiger Zeit plagen mich Verstopfungen im Wechsel mit Durchfällen. Was kann die Ursache sein?
Die Ursache sollte mit einer Darmspiegelung abgeklärt werden. Die Darmspiegelung kann, falls Sie es wünschen, auch in einer Kurznarkose durchgeführt werden. Zur genauen Beurteilung des Darmes ist es notwendig, dass Sie am Vortag der Untersuchung Ihren Darm mit Hilfe von Abführmitteln reinigen. Eine gute Darmvorbereitung ist Voraussetzung für die Untersuchung.

Ich bin 25 Jahre alt und habe von Zeit zu Zeit einen blutigen Durchfall. Muss ich mir Sorgen machen?
Sie sollten einen Arzt aufsuchen. Mit einer Darmspiegelung lässt sich die Ursache, z.B. entzündliche bzw. bösartige Erkrankungen, feststellen.

Ich bin 68 Jahre alt und leide mehrmals im Jahr unter Unterbauchschmerzen. Mein Stuhlgang ist oft sehr fest. Bei einer Darmspiegelung wurden entzündete Darmausstülpungen (Divertikel) festgestellt und behandelt. Was sollte ich tun, um Entzündungen der Darmdivertikel zu verhindern und die Beschwerden beim Stuhlgang erträglicher zu machen?
Wichtig ist es, erneute Entzündungen der Divertikel zu verhindern. Wenn Sie zu einem harten Stuhlgang neigen, sollten Sie mehr Flüssigkeit zu sich nehmen, sich täglich viel bewegen und zusätzlich ggf. Medikamente einnehmen, die die Darmtätigkeit beeinflussen und den Stuhl weich machen.

Kann man Laktulose dauerhaft einnehmen?
Laktulose ist ein Zuckerstoff, der die Darmbeweglichkeit anregt und der von Darmbakterien teilweise abgebaut wird. Sie können das Mittel über einen längeren Zeitraum einnehmen - maximal drei Messbecher über den Tag verteilt.

Ich habe einen empfindlichen Darm und reagiere auf Gemüse mit Blähungen und Krämpfen. Ärzte diagnostizierten einen Reizdarm. Was kann ich tun?
Gemüse ist zwar gesund, aber nicht leicht verdaulich. Es enthält viele Ballaststoffe. Sie führen zu Dehnungsreizen im Darm. Für Menschen, die einen sogenannten Reizdarm haben, kann das mit Schmerzen verbunden sein. Man kann versuchen, mit Probiotika die Blähungen zu reduzieren. Bei Bauchkrämpfen können krampflösende Mittel wie Pfefferminzöl helfen. Auch sogenannter Flosamen kann helfen, um die Stuhlbeschaffenheit zu regulieren.

Mir wurde vor einem halben Jahr der Magen entfernt. Seither habe ich oft Durchfälle und Krämpfe. Können sich die Symptome noch bessern?
Die von Ihnen geschilderten Probleme nach einer Magenentfernung sind leider nicht selten. Weil das Reservoir für den Nahrungsbrei fehlt, wird es schneller in den Darm geleitet. Sie sollten mehrmals täglich kleinere Mahlzeiten zu sich nehmen. Wichtig sind außerdem die Einnahme von Pankreas-Enzymen in richtiger Dosierung und regelmäßige Vitamin B12-Injektionen durch Ihren behandelnden Arzt. In jüngster Zeit mehren sich auch die Hinweise darauf, dass durch die Magenentfernung es zu Fehlbesiedlungen des Dünndarms mit Bakterien kommen kann. Diese bilden dann Gase, die schwer abgehen. Ob das bei Ihnen der Fall ist, kann man testen und im Fall eines positiven Nachweises behandeln.

 

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