Die Vorstellung klingt verlockend: Zuhause vor dem Bildschirm Tennis, Golf oder einen anderen Sport trainieren, ohne Club-Mitgliedschaften, Anfahrtswege und Terminplanung. Theoretisch ist dies möglich, seit die Hersteller von Spielkonsolen ihre Geräte mit Bewegungssensoren ausgestattet und eine Vielzahl von Sportübungen ins Programm genommen haben. Doch funktioniert diese Art des Fitnesstrainings auch in der Praxis?

Köln (dapd). Boris Feodoroff von der Deutschen Sporthochschule in Köln hat mit einer Versuchsperson Tennis, Golf und Boxen auf der Konsole getestet und mit realem Training verglichen. Das Ergebnis: Bei allen drei Sportarten lag der Kalorienverbrauch der virtuellen Übungen etwa zwei bis dreimal unter dem des realen Sports.

Beim Tennis beispielsweise verbrannte die Probandin im echten Spiel etwa 285 Kilokalorien in einer Stunde. Vor dem Bildschirm waren es dreimal weniger. Ihr Puls stieg auf dem echten Court auf etwa 170 Schläge pro Minute. Vor dem Schirm erreichte er nur einen Wert von knapp 110. Denn während die Frau beim realen Tennis über den Platz lief, stand sie beim virtuellen Spiel weitgehend auf der Stelle. "Der Konsolensport ist immer noch besser, als nur auf der Couch zu sitzen", resümiert Feodoroff, "doch ein gleichwertiger Ersatz für echten Sport ist er nicht".

Negativ ins Gewicht fällt dem Sportwissenschaftler zufolge auch, dass die elektronischen Geräte weit weniger Kontrolle bieten als ein menschlicher Trainer. "Die Konsolen geben zumindest derzeit nur ein geringes Feedback über die Bewegungen des Trainierenden", sagt Feodoroff. Sie messen etwa beim Tennis allein die Flugrichtung des virtuellen Balles, nicht aber, mit welcher Stärke und vor allem mit welcher Technik er in Schwung gesetzt wird. Damit steige das Risiko, dass Heimsportler ungewohnte und potenziell ungesunde Bewegungen ausführen - und dies mitunter über Stunden, da sie beim Konsolensport im Allgemeinen kaum ermüden und kein Trainer ihnen Einhalt gebietet. Werden solche Bewegungen ständig wiederholt, reagiert der Körper immer ähnlich, sagt die Orthopädin Benita Kuni von der Universitätsklinik in Heidelberg. "Sehnenscheiden füllen sich mit entzündlicher Flüssigkeit, Schmerzrezeptoren werden gereizt, die geringste Bewegung, besonders nach einer Ruhephase, löst heftigste Beschwerden aus".

Was solche Überlastungsreaktionen angeht, können die Spielekonsolen es durchaus mit dem realen Sport aufnehmen: Die Medizin kennt längst nicht mehr nur den Tennis- oder Golfellbogen, sondern auch sein virtuelles Pendant: die Wiiitis. Sie wurde 2007 erstmals beschrieben, noch nicht einmal ein Jahr, nachdem die Spielekonsole Wii auf den Markt kam. Ein 29-Jähriger US-Amerikaner hatte über starke Schulterschmerzen geklagt, nachdem er stundenlang an seiner Konsole Tennis gespielt hatte. Er blieb kein Einzelfall.