Sie sind nur etwa 90 Tage in der Erde und gelten danach als Delikatesse: Frühkartoffeln. Wer die Knollen zeitig ernten möchte, muss jetzt mit dem Vorkeimen beginnen. Wichtig ist die Wahl der richtigen Sorte.

Bad Kreuznach/Bonn (dapd). "Berber, Christa, Gloria, Lady Christl oder Annabelle können manchmal schon im Mai oder Juni geerntet werden", sagt Bernhard Rüb von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. Weil sie sich nicht lagern lassen, müssen Frühkartoffeln kurz nach der Ernte gegessen werden.

Doch vor dem Genuss steht die Pflanzarbeit: Ab Ende Februar legt man die Pflanzkartoffeln zum Vorkeimen in flache Holzkisten oder Saatschalen. Für kleinere Mengen eignen sich auch Eierkartons. "Wichtig ist, dass die Knollen mit den Augen nach oben in flache Kisten gelegt und an einem hellen und kühlen Ort ohne direkte Sonne aufgestellt werden", sagt Rüb. Die Temperatur sollte circa 15 Grad betragen. Innerhalb von drei Wochen entwickeln sich ein bis drei Zentimeter lange Keime.

Durch das Vorkeimen haben die Knollen einen Entwicklungsvorsprung von etwa zwei Wochen. "Das hat nicht nur den Vorteil, dass man früher ernten kann, auch sind die Knollen schon weiter entwickelt, wenn eventuell die Krautfäule einsetzt", erläutert Pflanzenexperte Rüb. Damit die Knollen nicht austrocknen, können sie beim Vorkeimen mit einer transparenten Folie abgedeckt oder ab und zu leicht mit Wasser besprüht werden.

Bei einer Bodentemperatur von mindestens sechs bis sieben Grad Celsius kommen die vorgekeimten Frühkartoffeln ins Beet. In vielen Regionen brauchen Hobbygärtner daher etwas Geduld und können die Knollen nicht vor April auspflanzen. Anbauen kann man Kartoffeln fast überall. Nur nasse und schwere Böden sind ungeeignet, da die Pflanzen dort schneller von Krankheiten befallen werden. "Am besten sind sandige Lehm- oder lehmige Sandböden, die eine gleichmäßige Wasserversorgung sichern. Dies ist insbesondere für die Knollenentwicklung wichtig", sagt Bernhard Rüb von der Landwirtschaftskammer NRW.

Kartoffeln sind Starkzehrer und sollten in der Fruchtfolge am besten nach einer Gründüngung oder nach Schwachzehrern im Beet stehen. Günstig ist es zudem, wenn im Vorjahr Leguminosen wie Bitterlupinen, Sommerwicken, Erbsen oder Bohnen als Stickstoffsammler auf der Stelle standen. Wie viel Dünger Kartoffeln brauchen, richtet sich nach der Nährstoffversorgung des Bodens, die man durch eine Bodenprobe ermitteln lassen kann. Die Landwirtschaftskammer NRW empfiehlt generell eine organische Düngung mit 3,5 Kilogramm Kompost je Quadratmeter im sehr zeitigen Frühjahr, weil Kartoffeln keinen frischen organischen Dünger vertragen. Gepflanzt werden die Knollen in Reihen, etwa sieben Zentimeter tief. Je nach Dicke des Pflanzgutes beträgt der Abstand in der Reihe 25 bis 40 Zentimeter, der Reihenabstand 50 bis 70 Zentimeter. Anschließend häufelt man die Erde um die Knolle etwas an.

Der aid-Infodienst Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz in Bonn empfiehlt, die Frühkartoffelreihen mit Folie oder Vlies abzudecken. Damit erhöhe sich die Bodentemperatur um zwei bis drei Grad. "Besonders Vliesabdeckungen haben den Vorteil, dass sie die frostempfindlichen Kartoffelkeime zusätzlich vor Spätfrösten bis minus fünf Grad schützen. Die Abdeckung sollte daher so lange auf dem Beet bleiben, bis die Spätfrostgefahr vorüber ist", raten die aid-Experten.

Anders als spätreifende Sorten haben Frühkartoffeln eine sehr dünne Schale. "Frühkartoffeln sind zwar frischer als gelagerte Kartoffeln, haben aber aufgrund ihrer relativ kurzen Vegetationsperiode von 90 bis 130 Tagen weniger Mineralstoffe, sind weniger ausgereift und deshalb auch nicht so aromatisch wie gelagerte Kartoffeln", sagt Hildegard Schleßmann-Fister vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinhessen-Nahe-Hunsrück in Bad Kreuznach. "Sie werden geerntet, wenn das Kraut noch grün ist. Dadurch ist die Schale nicht fest genug, um vor Wasserabgabe und Welken zu schützen", erläutert die Ernährungsberaterin. Sehr frühe Sorten können stärker mit Nitrat belastet sein.

Frühkartoffeln sind meist festkochende und vorwiegend festkochende Sorten, also gute Salat-, Backofen- und Pellkartoffeln. Wegen ihres vergleichsweise geringen Stärkegehalts müssen sie aber etwas länger gekocht oder gebacken werden. "Die frühen Sorten haben den Vorteil, dass sie mit der Schale verzehrt werden können und so neben Ballaststoffen die direkt unter der Schale konzentrierten Inhaltsstoffe, insbesondere die Mineralstoffe, liefern", sagt Hildegard Schleßmann-Fister. Die Frühkartoffel-Saison endet etwa Ende August. Von September bis Mitte Oktober werden dann festschalige Kartoffelsorten geerntet, die sich auch als Wintervorrat einlagern lassen.