Eine Massage tut gut bei Stress und lindert Schmerzen zum Beispiel bei Verspannungen im Rücken. Kein Wunder also, dass Physiotherapie-Praxen und Wellness-Oasen regen Zulauf haben: 73 Prozent der Deutschen, so ergab vor einiger Zeit eine Forsa-Umfrage, entspannen gerne bei einer Massage. Doch bei der Auswahl kann der Kunde viel falsch machen.

München/Düsseldorf (dapd). Schon die Wahl des Masseurs ist entscheidend. "Masseur" ist kein geschützter Begriff; auf dem Markt tummeln sich viele Anbieter, die höchstens einen Wochenendkurs belegt haben. Die einzigen Berufsbezeichnungen, die fundierte Kenntnisse aus jahrelangen Ausbildungen garantieren, sind "Staatlich geprüfter Masseur und Medizinischer Bademeister" oder "Staatlich geprüfter Physiotherapeut".

Wenn es dann darum geht, im unüberschaubaren Bereich der Wellness-Massagen eine passende auszuwählen, sei es Shiatsu oder Thai, Lomi Lomi oder Hot Stone, ist der Laie auf den Rat eines ebensolchen Experten angewiesen: "Nur ein ausgebildeter Profi weiß, welche Griffe man anwenden darf und welche nicht, welche Stellen man lieber auslässt und wann man den Gang zum Arzt rät", sagt Bruno Blum, Präsident des Verbands Physikalische Therapie - Vereinigung für die physiotherapeutischen Berufe (VPT).

Doch woran erkennt man einen guten Wellness-Masseur, abgesehen vom Abschlusszeugnis an der Wand? Laut Deutschem Wellness Verband dürfe ein guter Masseur vor der Massage auf einige Dinge nicht verzichten: Er sollte nach den Erwartungen und Wünschen fragen und danach, ob der Kunde an Beschwerden leidet, die behandelt werden müssen. "Ich bin der Meinung, dass therapeutische Behandlungen im Wellnessbereich nichts zu suchen zu haben", sagt Lutz Hertel, der Vorsitzende des Verbands.

Bei Beschwerden sollte man also zunächst zum Arzt gehen und nur in Absprache mit ihm Massagen von einem Profi in Anspruch nehmen. Wellnessmassagen sollten also reine Wohlfühl-Anwendungen sein. Auch die Frage, ob der Kunde an Allergien leidet, beispielsweise gegen Inhaltsstoffe der Massageöle, müsse geklärt werden. Danach sollte der Masseur kurz Ablauf und Wirkungsweise erläutern.

Auch bei der Anwendung selbst könne der Kunde laut Wellness Verband die Qualität an einigen Merkmalen erkennen: So sollten die Techniken sicher, professionell und in Ruhe durchgeführt wirken, es sollte eine Behandlungsstruktur erkennbar sein, zum Beispiel von sanft nach intensiv, dann wieder sanft, dann ausklingend, es sollte eine Ruhephase folgen und zum Schluss sollte der Masseur noch einige Tipps zum weiteren Verhalten geben.

Bei speziellen Massageformen sollte der Masseur eine entsprechende Zusatzqualifikation nachweisen können, inklusive der Ausbildungsdauer und -inhalte sowie der Prüfungsinstitution: Vertrauenswürdig, so Lutz Hertel, seien wiederum staatliche Institutionen und anerkannte Verbände wie der VPT oder der Deutsche Verband für Physiotherapie ZVK. Beide bieten entsprechende Fortbildungen an.

Wolle ein Wellnesskunde nur Stress oder normale zeitweilige Muskelverspannungen abbauen, könne der Masseur keine großen Fehler machen, egal bei welcher Massageform, erklärt VPT-Präsident Blum, selbst Masseur und Medizinischer Bademeister mit jahrzehntelanger Berufserfahrung. So wirkten etwa die indischen Ayurveda-Massagen ähnlich wie andere ursprüngliche Massageformen sehr sanft und sehr punktuell, auch die hawaiianische Lomi-Lomi-Massage sei sehr flächig und rein wohltuend. Voraussetzung sei natürlich, dass Erkrankungen ausgeschlossen werden können.

Gefahren könnten bei "groberen Griffen" lauern: Shiatsu etwa ähnele der westlichen Triggerpunktmassage - dabei bearbeitet der Masseur winzige verhärtete Muskeltriggerpunkte, die Schmerzen auslösen, mit seinen Fingerkuppen - und ist für Patienten mit Blutgerinnungsstörungen ungeeignet. "Da kann man schnell einen Bluterguss auslösen." Nach solchen Störungen frage ein Profi aber.

Generell steht Bruno Blum asiatischen Massageformen wie Shiatsu oder der Ayurveda-Massage, die Ursache und Therapie von Erkrankungen vor einem spirituellen Hintergrund erklären, eher skeptisch gegenüber. Anders als westliche Formen - allen voran die klassische oder schwedische Massage, laut Blum die weitaus am häufigsten benutzte Form - seien sie wissenschaftlich nicht untermauert. "Bei Beschwerden wäre ich da vorsichtig." Auch halte er die klassische Massage für die vielseitigste. Als Wellness-Anwendung bei einem weitgehend gesunden Kunden sehe er aber kein Problem mit Techniken nach asiatischer Tradition.

Blums Fazit: "Eine gute Wellnessmassage tut jedem Menschen gut. Die Berührung der Haut und die psychovegetative Wirkung sind eine wunderbare Sache bei Stress." Vorausgesetzt, der Masseur weiß, was er tut.