Ob überhängende Halme, flaumige Blütenähren, aufrechte Stängel oder borstige Halbkugeln: Mit ihren filigranen Strukturen passen Ziergräser in fast jeden Garten. Die robusten und pflegeleichten Pflanzen sind gute Begleiter für Stauden und können auch als Solitäre eindrucksvolle Akzente setzen.

Linnich (dapd). "Gräser wirken immer vermittelnd, nie aufdringlich und sind dadurch die perfekten Partner für eine harmonische Beetbepflanzung", sagt Katharina Adams, erste stellvertretende Präsidentin der Gesellschaft der Staudenfreunde. Vor allem im Herbst, wenn die Halme sich schon gelb oder braun färben, geben Gräser ein attraktives Bild ab. Im Winter verleihen sie dem Garten zusammen mit den Gehölzen Struktur.

"Gräser sind unkompliziert, verlangen auffallend wenig Pflege und zeigen sich äußerst resistent gegenüber Krankheiten und Schädlingen", sagt Nobert Hensen, Inhaber von Ziergräser Hensen im nordrhein-westfälischen Linnich-Boslar. Zwar fielen sie meist nicht durch imposante Blüten auf, ihr Zierwert überdauere aber immer die Blütezeit von Stauden und Gehölzen. "Gräser wirken durch ihre Struktur und ihre oft farbigen Blätter. Sie bringen unsere Gärten in Bewegung", sagt der Gärtnermeister.

Sichtschutz durch Höhe

Der Trend gehe weg von steifen, eher langweiligen Bodendeckerflächen wie Pachysandra, Cotoneaster, Vinca oder Hedera. "Im Kommen sind belebende, oft windumspielte Gräserlandschaften, in denen die Solitärgehölze noch besser zum Tragen kommen", sagt Hensen. Ziergräser, ob straff aufrecht, bogig überhängend oder flach aufliegend, bewegten sich permanent im Wind. Das vermittle Lebendigkeit und werde als wichtiges Element gerade in kleinen Gärten eingeplant.

Durch starkes Wachstum und oft durch eine sehr schöne Blüte ab August bezauberten großgewachsene Gräserarten wie Miscanthus oder Arundadonax. "Sie stehen am besten zwischen Ziergehölzen an Teichrändern und Bachläufen, bieten Sichtschutz und wirken auch im winterlichen Garten immer noch sehr apart", berichtet der auf Ziergräser spezialisierte Gärtnermeister.

Gräser gibt es für alle Gartenstandorte. Auch für Schattenplätze ist die Auswahl groß. Zu Astilben, Wiesenrauten, Schaumblüten, Schattenglockenblumen und Farnen bieten sich zum Beispiel die zahlreichen Seggen (Carex) an. "Am auffälligsten ist sicherlich die Riesensegge, deren Halme bis zu einen Meter hoch werden und die mit ihren langen hängenden Ähren gleichzeitig elegant und naturnah wirkt", sagt Katharina Adams, Co-Autorin des preisgekrönten Fachbuchs "Gräser im Garten" (Callwey Verlag, 2009).

Aber auch kleinere Vertreter wie die Vogelfußsegge oder die Breitblattsegge gelten als schöne und zuverlässige Partner. Alle genannten Seggen zeichnen sich durch eine frische grüne Laubfarbe aus. Auch die wintergrüne Waldmarbel (Luzulasylvatica) ist ein attraktives Gras und steht am besten im Vordergrund.

Die meisten Gräser benötigen einen sonnigen Standort mit durchlässigem Boden. Sie sind damit optimale Partner für Stauden, die auf sonnigen Freiflächen und am sonnigen Gehölzrand wachsen. "Ein Gras, das sich hier zur Kombination anbietet, ist beispielsweise das Diamantgras (Achnatherum brachytrichum) mit zierlichen Blütenständen", sagt Adams.

Große Farbvielfalt

Auch Reitgras (Calamagrostis x acutiflora) mit seinen aufrechten Ähren setze starke Akzente und verfärbe sich im Spätsommer eindrucksvoll braungelb. Große, überhängende Rispen charakterisierten das Plattährengras (Chasmanthium Latifolium), das sich rotbraun verfärbe. "Die Ähren des Lampenputzergrases (Pennisetum alopecuroides) erinnern an kleine Flaschenbürsten und sind besonders morgens von unvergleichlicher Schönheit, wenn kleine Tautropfen darin funkeln", erzählt die Gräser-Expertin.

Die Sonnenliebhaber unter den Gräsern gedeihen auch an sehr heißen Plätzen, auf der Sonnenterrasse oder vor der Trockenmauer. Wo Steine die Umgebung aufheizen, der Boden immer schnell und lange trocken ist, fühle sich beispielsweise Festuca sehr wohl, empfiehlt Gärtnermeister Norbert Hensen.

Als wahre Überlebenskünstler eignen sich Gräser auch gut für die Bepflanzung von Schalen und Kübeln. Es gibt sie nicht nur in unzähligen Grüntönen. Erhältlich sind auch blaue, rote, gelbe, bronzene, blaugrüne und weiße Farben und Panaschierungen.

Der Rückschnitt von Gräsern sollte übrigens immer erst im Frühjahr erfolgen. Einziehende Ziergräser wie Pennisetum (Lampenputzergras) und Miscanthus (Chinaschilf) dürfen sogar erst Anfang Mai geschnitten werden, wenn die Frostgefahr weitestgehend vorüber ist.

Auch aus gestalterischen Gründen macht der späte Schnitt Sinn: Die Halme sehen im winterlichen Garten imposant aus, schützen das Herz der Gräser und bieten für Vögel und Insekten Nahrung und Winterschutz.