Für eine frühe Therapie Alkoholabhängiger plädiert die Landesstelle für Suchtfragen Sachsen-Anhalt anlässlich der dritten bundesweiten Aktionswoche Alkohol. Hausärzte sollten stärker auf Suchtprobleme ihrer Patienten eingehen und ihnen Hilfen vermitteln.

Magdeburg (dapd). "Noch viel zu selten werden Betroffene von ihren Ärzten direkt auf Alkoholmissbrauch angesprochen", sagte Helga Meeßen-Hühne, Leiterin der Landesstelle für Suchtfragen. Dies müsse sich ändern. Die Zahl der Alkoholkranken sei "besorgniserregend" hoch.

Im Vergleich zu anderen Bundesländern gehört Sachsen-Anhalt nach ihren Angaben beim Alkoholmissbrauch noch immer zu den "traurigen Spitzenreitern". Sachsen-Anhalt liege mit der Zahl der Todesfälle nach Alkoholmissbrauch auf Platz zwei hinter Mecklenburg-Vorpommern, bezogen auf die Gesamtbevölkerung im Bundesvergleich.

40000 Menschen gelten den Angaben zufolge in Sachsen-Anhalt als abhängig, im Schnitt sterben zwischen 700 bis 800 Menschen jährlich in Folge des Alkoholmissbrauchs. Bundesweit gelten 1,3 Millionen Menschen als alkoholabhängig, 73000 sterben jährlich an den Folgen von Alkoholmissbrauch.

Bei jugendlichen Sachsen-Anhaltern sei das sogenannte Rauschtrinken auch weiter verbreitet als in anderen Bundesländern, sagte Meeßen-Hühne. Das Problem betrifft aber alle sozialen Schichten und Altersgruppen. Kritisch sieht die Suchtexpertin die gesellschaftliche Akzeptanz von Alkohol als Genussmittel. Die gesundheitlichen Folgen würden oftmals unterschätzt. Meeßen-Hühne setzt sich daher für einen Imagewandel ein.

Die bundesweite Aktionswoche "Alkohol? Weniger ist besser!", die heute beginnt, soll bis zum 29. Mai für eine Reduzierung des Alkoholkonsums werben. Durchgeführt werden die mehr als 1500 Veranstaltungen von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) in Kooperation mit den Landesstellen für Suchtfragen und Netzwerken der Suchthilfe und Suchtprävention. Für Sachsen-Anhalt hat Gesundheitsminister Norbert Bischoff (SPD) die Schirmherrschaft übernommen.

Nach Einschätzung von Suchtberater Andreas Fehrecke aus Genthin gibt es keine "Suchtpersönlichkeit". Jeder sei gefährdet, sagte er, es gebe nicht nur den "Trinker auf der Parkbank". Risikofaktoren, um in eine Sucht abzugleiten, sind laut Fehrecke meist Ängste, traumatische Erlebnisse, Kontrollverlust sowie fehlende Problemlösungsstrategien, aber auch Arbeitslosigkeit.

Der Leiter der Suchtberatungsstelle Genthin hat nach eigenen Angaben jährlich insgesamt 200 Neuzugänge. 75 Prozent aller bei ihm Hilfesuchenden gelten laut Fehrecke als alkoholabhängig. In der Genthiner Einrichtung mit Zweigstelle in Burg seien es meistens arbeitslose, alleinstehende Männer im Alter zwischen 33 und 55 Jahren, die Hilfe suchten.

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