Mit den Gefahren und Herausforderungen der digitalen Welt für die Verbrechensverhütung beschäftigt sich seit gestern der 16. Deutsche Präventionstag in Oldenburg. Dabei sollen Empfehlungen ausgearbeitet werden, wie Politik und Gesellschaft künftig mit sozialen Netzwerken, Cyber-Mobbing und Computerspielsucht umgehen sollen. Das Bundesfamilienministerium hat Tipps zusammengestellt, wie sich Jugendliche gegen Attacken schützen und dagegen vorgehen können und wie sich Eltern verhalten sollten.

Berlin (rgm). Unter Cyber-Bullying oder Cyber-Mobbing versteht man die Beleidigung, Bedrohung, Bloßstellung oder Belästigung von Personen mithilfe neuer Kommunikationsmedien - zum Beispiel über Handy, E-Mails, Webseiten, Foren, Chats, Communities wie schülerVZ und Wer-kennt-wen und auf Videoplattformen wie Youtube.

Dabei gibt es verschiedene Formen, die dieses Mobbing annehmen kann. Zum Beispiel können diffamierende Fotos oder Filme eingestellt und verbreitet werden. In Social Communities werden manchmal Diskussionsgruppen gegründet, die allein der Lästerei über eine bestimmte Person - sei es nun ein Mitschüler, eine Lehrerin oder ein anderer Internet-Teilnehmer - dienen. Ebenso ist es möglich, dass sich ein Täter unter der Identität des Opfers bei einem der Internet-Kommunikationsdienste anmeldet und in dessen Namen Unwahrheiten verbreitet, da von Seiten der Anbieter keine Verifizierung der angegebenen Daten erfolgt. Beleidigungen und Bedrohungen können via E-Mail, Instant Messenger, Chat, Forum oder Gästebuch verschickt werden.

Was Eltern tun können

Leider wenden sich Jugendliche bei Online-Problemen viel zu selten an ihre Eltern - wahrscheinlich, weil sie deren Unverständnis fürchten, Angst vor einem Internetverbot haben oder weil ihnen die Verunglimpfungen und Beleidigungen peinlich sind.

Deshalb gilt für Eltern als erste Regel: Interesse zeigen! Eltern sollten sich so gut wie möglich darüber informieren, was ihre Kinder im Internet unternehmen, auf welchen Seiten sie surfen und mit wem sie kommunizieren. Bei Problemen sollten sie sich als Ansprechpartner anbieten und ihrem Kind ohne Schuldzuweisungen dabei helfen, sich gegen Mobbing zu wehren.

Grundsätzlich gelten in Kommunikationsdiensten des Internet die gleichen gesetzlichen Regelungen wie im "realen Leben": Massive Beleidigungen, Bedrohungen und Belästigungen sind strafbar, ebenso wie die Verletzung der Persönlichkeitsrechte durch die unerlaubte Veröffentlichung von Fotos oder Filmen. Es gibt Möglichkeiten, gegen die Attacken vorzugehen, allerdings ist hier schnelles Handeln gefragt, bevor sich Gerüchte oder diffamierende Fotos und Videos weiter verbreiten können.

Was Eltern konkret tun können:

mDokumentieren Sie den Vorfall: Notieren Sie sich alle Informationen über die Täter und die Plattform, über die das Mobbing stattfindet. Machen Sie Screenshots von beleidigenden Einträgen und speichern Sie Mails und Nachrichten mit diffamierenden Inhalten.

m Wenden Sie sich an den Betreiber: Informieren Sie den Betreiber der Plattform, über die Ihr Kind gemobbt wurde, über die Vorfälle. Liefern Sie ihm dabei so viele Details wie möglich. Der Betreiber ist dazu verpflichtet, die Verunglimpfungen aus seinem Angebot zu löschen. Sollte er das nicht tun oder sollten Sie hier in einer anderen Form Hilfe benötigen, können Sie sich an eine Beschwerdehotline wie zum Beispiel www.jugendschutz.net wenden.

m Suchen Sie das Gespräch: Ein Großteil der Cyber-Mobbing-Vorfälle hat seine Wurzeln im Alltag der Jugendlichen - deshalb sind häufig die Täter der Attacken bekannt, selbst wenn diese anonym agieren. Ist das der Fall, können Sie das Gespräch mit deren Eltern suchen oder auch mit der Schule. Wird das Mobbing erst einmal thematisiert, hören die Attacken oftmals schon auf.

m Erstatten Sie Anzeige: In Fällen von massiven Beleidigungen und Drohungen und groben Persönlichkeitsrechtsverletzungen ist eine Strafanzeige gegen den oder die Täter möglich. Dabei ist es wichtig, dass Sie die Vorfälle zuvor so gut wie möglich dokumentiert haben und an die Polizei weitergegeben.

Tipps für Jugendliche

Kinder und Jugendliche können das Risiko, zum Opfer einer Mobbingattacke zu werden, senken, indem sie online immer vorsichtig mit ihren persönlichen Daten und Fotos umgehen. Unabhängig vom Internet sollten Jugendliche auch darauf achten, dass sie sich nicht heimlich fotografieren oder filmen lassen - wenn zum Beispiel auf einer Party Fotos geschossen werden, sollten sie den Fotografierenden fragen, was mit den Bildern geschieht und ihn darum bitten, die von ihnen gemachten nicht im Internet zu veröffentlichen.

Daneben ist es ratsam, sich auf Kommunikationsplattformen nicht auf Streitereien einzulassen und sich nicht provozieren zu lassen. Keinesfalls sollte man mitmachen, wenn Leute aus der Clique einen anderen gezielt fertig machen wollen. Wirkliche Courage ist, sich offen gegen jede Form des Mobbings auszusprechen und Opfer im Bekanntenkreis dabei zu unterstützen, sich gegen die Attacken zu wehren. Das Bundesfamilienministerium gibt folgende Tipps für Kinder und Jugendliche:

m Verrate nicht zuviel über dich: Wohnort, Schule, Handynummer und Passwort sollten auf jeden Fall dein Geheimnis bleiben und nicht im Internet einsehbar sein.

m Denk nach, bevor du etwas im Internet veröffentlichst: Was einmal im Internet steht, ist nicht mehr so leicht zu entfernen. Wenn du ein Foto von dir einstellst, wähle eins aus, auf dem du nicht eindeutig zu erkennen bist. Willst du ein Foto von Freunden einstellen, musst du sie erst um Erlaubnis bitten.

m Bleib misstrauisch: Nimm nicht jeden gleich auf deine Freundesliste auf. Andere Community-Mitglieder erzählen nicht immer die Wahrheit über sich.

m Gib Mobbing keine Chance: Lass dich nicht auf Online-Streitigkeiten ein und mach nicht mit, wenn andere jemanden übers Internet fertig machen wollen. Wenn du eine Mobbing-Attacke beobachtest, dann hilf dem Opfer, indem du einen Erwachsenen informierst.

m Hol dir Hilfe: Wenn dir selbst einmal online etwas Unangenehmes passiert, dann suche dir einen erwachsenen Ansprechpartner, der dich unterstützen kann - und wehre dich.

Mobbing - ob nun online oder offline - kann Kinder und Jugendliche psychisch extrem überfordern. So haben Vorfälle häufig Langzeitfolgen - die Betroffenen bleiben verängstigt und verschlossen. In solchen Fällen sollten Sie sich professionelle Hilfe suchen, zum Beispiel bei einem Psychologen oder einer Beratungsstelle.

Für Jugendliche ist es wichtig, Beratungsangebote zu kennen, an die sie sich bei Problemen wenden können, die sie zuerst einmal nicht mit den Eltern oder Lehrkräften besprechen wollen. Bei einer Online-Beratung bleiben sie anonym und können sich trotzdem akut Hilfe suchen. Anlaufstellen stehen im Infokasten auf dieser Seite.