Sport ist wichtig – von Kindesbeinen an. Darüber sind sich die meisten Eltern klar. Bewegung soll fit machen, die sozialen Fähigkeiten der Kinder stärken und natürlich auch Spaß machen. Doch was passt zum Sprössling? Kurse, Vereine und Sport-Center bieten eine enorme Bandbreite an Möglichkeiten. Da fällt die Wahl oft schwer.

Würzburg (dapd). "Schon im Vorschulalter ist es wichtig, dem Kind die Möglichkeit zu geben, viele verschiedene Sportarten auszuprobieren, es dabei zu beobachten und Neigungen und Begabungen mit dem Kind zusammen zu entdecken", sagt Jutta Ahnert, Dozentin für Sportpsychologie am sportwissenschaftlichen Institut der Universität Würzburg. "Viele Sportvereine bieten Vorschulkurse an, die Grundkenntnisse vieler verschiedener Sportarten spielerisch vermitteln", ergänzt die Psychologin. Auch in einigen Kitas und Kindergärten würden schon die Kleinsten an die verschiedenen Bewegungsformen herangeführt und Eltern könnten bei einem Gespräch mit Trainern und Erziehern mögliche Vorlieben oder auch Schwächen erfragen. In Kombination mit diesen Aussagen und den eigenen Erfahrungen zu Hause können Eltern dann überlegen, welche Sportart die Richtige ist: Sollte Schnelligkeit und Reaktionsvermögen trainiert oder eher Teamgeist und soziales Verhalten geübt werden, hat das Kind Ballgefühl oder Lust an Rhythmik und Tanz ...?

Viele Eltern stellen sich zudem die Frage, ab welchem Alter es überhaupt sinnvoll ist, sich für eine spezielle Disziplin zu entscheiden. Schließlich wollen sie auf der einen Seite eine mögliche Begabung nicht übersehen, auf der anderen Seite aber den Körper des Kindes nicht durch zu frühe einseitige Bewegungsformen belasten. "Es ist abhängig von der Sportart, in welchem Alter es sinnvoll ist zu starten", betont Ahnert. Zur Orientierung geben hierzu Vereine je nach Disziplin oft ein Mindestalter an: beispielsweise Reiten ab sechs, Taekwondo und Leichtathletik ab sieben, Golf ab acht, Karate ab neun und Basketball nicht vor zehn Jahren. Für kleinere Kinder werden auch schon ab vier oder fünf Jahren Fußball-, Hockey-, Tennis- oder Ballett-Kurse angeboten.

"Im Vorschulalter versucht man Kinder eher breiter in verschiedenen Sportarten auszubilden, um erst später das Augenmerk auf eine bestimmte Disziplin zu richten", erläutert Ahnert. "Es macht sicher keinen Sinn, Kinder zu früh zu einer speziellen Disziplin zu drängen oder gar zu zwingen. Gesund ist, was Spaß macht, und das gilt meist für das, was das Kind schon gut kann und wobei es durch Erfolgserlebnisse motiviert ist."

Ab dem Schulalter eignet sich vor allem auch, was das Kind in der momentanen Entwicklungsphase braucht: beispielsweise Entspannung durch Sportarten wie Yoga oder Tanz. Nach langen Schultagen muss es vielleicht aber auch einem starken Bewegungsdrang nachgeben, Dampf ablassen und Stress abbauen. Bei einem Schulwechsel oder Umzug kann der Fußballverein oder das Hockeyteam darüber hinaus eine Möglichkeit bieten, neue Freunde zu finden.

"Hatte ein Kind in der Vorschul- und Grundschulzeit die Möglichkeit verschiedene Sportarten auszuprobieren, hat es später eine Bandbreite, aus der es auswählen kann. Eltern sollten den Impulsen ihrer Kinder ruhig nachgehen", empfiehlt Ahnert. Spezielle Ausrüstungen können zunächst ausgeliehen oder secondhand erworben werden.

Falls die erste Sportart doch nicht die Richtige ist, sollte das Kind nach einer vorher abgesprochenen Probezeit ermutigt werden, es mit einer anderen zu versuchen. Wichtig ist auch das Verhältnis zwischen Kind und Trainer, denn dieser hat eine Vorbildfunktion. Eltern sollten sich hierzu durch Nachfragen beim Kind und Kontakt zum Trainer ein Bild machen.

Als Fazit kommt Jutta Ahnert zu zwei grundsätzlichen Regeln: "Eine Sportart ist die richtige, wenn das Kind sie aus eigenem Antrieb und mit Begeisterung betreibt. Und: Nicht jede Sportart passt zu jedem Kind, aber es gibt für jedes Kind die passende Sportart."