Das ganze Jahr über Gemüse ernten, unabhängig sein von den Launen der Natur – mit einem Kleingewächshaus machen viele Hobbygärtner diesen Traum wahr. Unterschiedliche Bau- und Konstruktionsweisen sind möglich, und eine Vielzahl von Pflanzenarten lässt sich im Gewächshaus kultivieren. Am besten jedoch eignet es sich für den Gemüseanbau.

Freising (dapd). Vor dem Anpflanzen steht zunächst der Bau des Gewächshauses. Bei der Form gibt es neben dem klassischen Giebel noch weitere Möglichkeiten, wie Thomas Jaksch von der Staatlichen Forschungsanstalt für Gartenbau Weihenstephan in Freising erläutert. "Es gibt sogenannte Anlehngewächshäuser, die nur nach einer Seite herausgehen, und die ich beispielsweise an einer Hauswand anlehnen kann. So ein Anlehngewächshaus hat den Vorteil, dass auf einer Seite eine feste Wand ist, die besser isoliert."

Eine grundlegende Entscheidung erfordert zudem die Frage, ob das Gewächshaus beheizt werden soll oder nicht: Ein beheiztes Modell bietet den Vorteil, dass es ganzjährig genutzt werden kann, während andere Gewächshäuser in unseren Breiten zumindest im Dezember und Januar brachliegen. Allerdings entstehen bei einer Heizung Kosten für Energie, zudem ist eine aufwendigere Isolation nötig: Statt mit Folie muss ein solches Kleingewächshaus mit Glas oder Kunststoffen wie Polycarbonat oder Acrylglas abgedeckt werden. "Das macht bei den Kosten schnell mal den Faktor zehn aus", sagt Jaksch.

Ein preiswert eingedecktes Gewächshaus für den Kleingarten erhalte man bereits ab 400 bis 500 Euro, aufwendigere Modelle kosteten dementsprechend schnell 4000 bis 5000 Euro. "Fast alle Kleingewächshäuser in Deutschland sind daher unbeheizt", sagt Thomas Jaksch, der außerdem empfiehlt, auf eine ausreichende Anzahl von Lüftungsfenstern zu achten: 30 bis 40 Prozent der Gewächshaus-Oberfläche sollten sich zum Lüften öffnen lassen, sonst werde es heimischen Pflanzen im Sommer schnell zu warm, und der Ertrag sinke. "Leider verfügen viele Gewächshäuser im Handel nur über eine Lüftungsgrundfläche von etwa 20 Prozent", sagt Jaksch.

Wer ein unbeheiztes Gewächshaus im Garten stehen hat, der kann ab etwa Mitte Februar mit den ersten Vorbereitungen für die Aussaat beginnen. So muss der Boden frostfrei gehalten werden, wie Marianne Scheu-Helgert von der Bayerischen Gartenakademie in Veitshöchheim erläutert: "Das geht zum Beispiel, indem man die Erde im Haus mit Folie abdeckt. Wer etwas risikofreudig ist, kann Ende Februar zum Beispiel Kopfsalat und Gartenkresse aussäen, im März dann Rettich und Radieschen." Ernten könne man die sogenannte Erstbestückung dann bereits im Laufe des April.

Sollte es nach der Aussaat doch einmal zu Frosteinbrüchen kommen, kann man sich mit sogenanntem Verfrühungsvlies aushelfen, mit dem man ebenfalls den Boden abdecken kann – ähnlich wie mit Folie, nur effizienter. "Dieses Vlies ist in der Lage, die Temperaturen um etwa fünf Grad steigen zu lassen. Sollte das Thermometer in der Nacht auf minus zehn Grad fallen, dann hat man im Gewächshaus etwa minus fünf und unter dem Vlies null Grad Celsius. So kann man dafür sorgen, dass frühe Gemüse nicht allzu sehr strapaziert sind", sagt Scheu-Helgert.

Für die Zeit nach der ersten Ernte empfiehlt Gartenexpertin Scheu-Helgert den Anbau von Fruchtpflanzen wie Gurken oder Paprika – vor allem aber von Tomaten: "Die Tomate ist die dankbarste Kultur von allen: Sie wächst zuverlässig auch bei vielleicht nicht ganz perfekter Pflege und sie hat wenige Schädlinge." Zudem habe man mit Tomaten den besten Ertrag: "Bei Paprika-Pflanzen liegt dieser nur etwa bei der Hälfte dessen, was man auf derselben Fläche mit Tomaten hat, bei Gurken ungefähr in der Mitte zwischen beiden Arten." Obst und Zierpflanzen dagegen müsse man im unbeheizten Gewächshaus nicht unbedingt anbauen, findet Marianne Scheu-Helgert: "Diese Pflanzen sind im Sommer besser draußen aufgehoben."

Wer Gurken und Paprika kultiviert, sollte die Pflanzen regelmäßig auf Spinnmilben kontrollieren. Die Schädlinge erkennt man an winzigen Punkten an der Blattunterseite, die sich bewegen. Außerdem erscheinen die Blätter oft weißlich, da die Milben die Zellen der Blätter aussaugen. "Es gibt zugelassene Spritzmittel, auch für den Bio-Anbau, aber private Gärtner erkennen das Problem oft zu spät", sagt Scheu-Helgert. Die Pflanze werde durch die Schädlinge geschwächt und der Ertrag sinke.

Sobald Tomaten-, Gurken- oder Paprikapflanzen erst einmal gedeihen, gibt es für den Gewächshaus-Besitzer nur noch wenig zu beachten. Nur die Ernte darf man nicht vergessen, speziell bei Tomaten: "Tomaten sind laufend abzuernten. Das ist ja auch das Schöne: Sie können permanent ernten, etwa bis in den Oktober", sagt Marianne Scheu-Helgert.