Sportler erleben mitunter Frustrierendes: Bestimmen sie ihren Body-Mass-Index (BMI), gelten sie als übergewichtig und gesundheitsgefährdet. Der Index unterscheidet nämlich nicht, ob die Kilos durch mühsam antrainierte Muskeln oder durch Fett zustande kommen. Gerade bei Menschen mit viel Muskelmasse sei der BMI daher nicht sehr hilfreich, sagt Harald Schneider, Mediziner an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität.

Von Berit Uhlmann

München (dapd). Die Formel für den BMI stammt aus dem 19. Jahrhundert. Dabei teilt man das Körpergewicht durch die zum Quadrat genommene Größe in Metern. Die Rechenarbeit übernehmen mittlerweile zahlreiche Internettools. Als normal gilt der Weltgesundheitsorganisation zufolge ein Wert zwischen 18,5 und 25.

Doch es mehrt sich Kritik am BMI. Nicht nur für Sportler ist er wenig aussagekräftig, bei älteren Menschen können Wassereinlagerungen fälschlich ins Gewicht fallen. Mehr noch, auch in der Normalbevölkerung sagt der Index laut Schneider weniger über Gesundheitsrisiken aus, als lange gedacht. Denn mittlerweile gehen Experten davon aus, dass nicht die Menge, sondern die Verteilung des Körperfetts entscheidend für bestimmte Krankheitsgefahren ist.

Schneider spricht von "gutem und bösen Fett": Der Speck um die Taille könne schädliche Fettsäuren und bestimmte Botenstoffe in den Körper abgeben, die Entzündungen fördern und damit Arteriosklerose vorantreiben. Hüft-, Oberschenkel- und Gesäßfett hingegen hätten nach jüngsten Untersuchungen nichts mit dem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu tun und wirkten mitunter sogar schützend.

Da der BMI die Fettverteilung nicht berücksichtige, spiele er "keine Rolle für das Schlaganfall-, Herzinfarkt- oder Todesrisiko eines Menschen", betont der Mediziner, der den Zusammenhang zwischen BMI und Gesundheitszustand im vergangenen Jahr in einer großen Studie untersucht hat.

Wer eine aussagekräftigere und noch dazu einfachere Alternative sucht, könne seinen Taillenumfang messen. Ein Wert über 102 Zentimetern bei Männern und 88 Zentimetern bei Frauen gelte neben anderen Faktoren als Gesundheitsrisiko. Allerdings habe die Methode laut Schneider den "Nachteil, dass große und kleine Menschen über einen Kamm geschoren werden und die Körpergröße nicht einbezogen wird". Günstiger ist daher dem Mediziner zufolge, den Taillenumfang durch die Körpergröße (in Zentimetern) zu teilen. Experten nennen diesen Index WHtR, nach dem englischen waist-to-height-ratio.

Einen offiziellen Grenzwert gibt es nicht; Wissenschaftler sehen allerdings einen Wert von über 0,5 bei unter 40-Jährigen als kritisch. Bei älteren Menschen verschiebt er sich in Richtung 0,6. In der von Schneider geleiteten Studie konnte der WHtR das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen am besten wiedergeben.