Berlin (dapd). Mit dem Alter kommt bei jedem Menschen die Einsicht, dass niemand ewig lebt. Vor allem Senioren setzen sich früher oder später mit dem Tod auseinander. Doch ausgerechnet mit den engsten Verwandten, vor allem den eigenen Kindern, falle es ihnen schwer, offen über das Thema zu sprechen, sagt die Berliner Psychotherapeutin Silke Haase. "Wenn es um den Tod geht, gibt es bei vielen Menschen eine ¿Kultur des Nicht-Redens‘, das ist ein Problem", sagt Haase.

Dabei könne gerade ein gutes Gespräch älteren Menschen helfen, eigene Ängste vor dem Sterben besser zu bewältigen, vor allem während einer schweren Krankheit.

Senioren sollten das Thema bei ihren Familien daher direkt ansprechen, rät Haase, egal ob es um Beerdigungswünsche, Vorstellungen vom Leben nach dem Tod oder das sensible Thema der lebensverlängernden Maßnahmen gehe.

Aus Rücksicht schweigend zu leiden, sei für niemanden eine Lösung, betont Haase. "Oft wollen ältere Menschen dadurch ihren Angehörigen Schmerzen ersparen." Dabei sei die offene Aussprache über den Tod durchaus für beide Seiten positiv. "Wenn in der Familie nie offen über den Tod gesprochen wurde", sagt die Psychotherapeutin, "dann fällt das auch den nachfolgenden Generationen irgendwann schwer."

Leicht werde das Gespräch freilich nicht, bestätigt Haase mit Blick auf ihre jahrelange Erfahrung als psychologische Betreuerin. Dass in so einem Moment auch Tränen fließen, dürfe aber niemanden abschrecken, meint sie. Im Gegenteil: "Es ist ein trauriger Moment, da darf man auch weinen."

Zur seelischen Tortur dürfe ein solches Gespräch deswegen trotzdem nicht werden. "Angehörige sollten ihrerseits ehrlich ansprechen, wenn es ihnen zu viel wird."

So sollte man zum Beispiel ehrlich darauf hinweisen, wenn ein bestimmtes Thema zu belastend wird, rät Haase. "Dann kann man zum Beispiel sagen ¿Darüber zu sprechen, hilft mir jetzt gerade nicht‘, man sollte nur ruhig dabei bleiben".

Gerade weil das Thema Tod so schwierig sei, sollte man es früh ansprechen, meint Haase, dann bleibe beiden Seiten genug Zeit für eine gründliche Aussprache. Alles auf ein einziges Gespräch ankommen zu lassen, sei daher nicht ratsam, sagt die Psychologin, dabei stünden beide Seiten unter zu viel Druck. "Den ersten Schritt muss jedoch in jedem Fall derjenige tun, der dem Tod ins Auge sieht."