Beim Kinderwunsch tickt die biologische Uhr für Frauen bekanntlich schneller als für Männer. Für viele endet die Fruchtbarkeit mit Beginn des vierten Lebensjahrzehnts – manchmal aber auch schon viele Jahre früher. Eine neue Diagnostik und Therapie, die am vergangenen Wochenende auf einer Ärzte-Tagung in Magdeburg vorgestellt wurde, kann Frauen mit einer frühzeitigen Erschöpfung der Eizellreserve helfen.

Magdeburg. Ob eine Frau schwanger wird, hängt unter anderem von vornehmlich männlichen Geschlechtshormonen wie den Androgenen ab, die auch der weibliche Körper produziert. Diese neue Erkenntnis mag nicht nur Laien, sondern auch so manchen Gynäkologen mit langjähriger Berufserfahrung überraschen. "Androgene greifen in die Frühstadien der Eizellreifung ein", fasst Professor Dr. Jürgen Kleinstein, Leiter der Magdeburger Universitätsklinik für Reproduktionsmedizin und Gynäkologische Endokrinologie, die jüngsten Forschungsergebnisse zusammen. Mehr noch: Androgene können in Form von Medikamenten den Erfolg der Kinderwunschbehandlung verbessern, informierte Professor Kleinstein vergangene Woche in Magdeburg bei einer Fortbildungsveranstaltung für Ärzte aus Sachsen-Anhalt.

Schon seit vielen Jahren ist bekannt, dass jede Frau mit einem begrenzten Vorrat an Eizellen geboren wird. Mit Beginn der Menstruation reduziert sich die Eizellreserve aber kontinuierlich. So sinkt für Frauen mit jedem neuen Lebensjahr die Chance, schwanger zu werden. "Statistisch halbiert sich die Fruchtbarkeit zwischen dem 25. und dem 37. Lebensjahr", sagt Professor Kleinstein.

Allerdings ist die individuelle Schwankungsbreite auch sehr groß. Für Aufmerksamkeit in den Medien sorgen mehrere prominente Frauen, die auch mit Ende 30 vermutlich noch auf natürlichem Weg schwanger wurden. Statistisch sind sie allerdings die Ausnahme. Nicht selten ist die Fruchtbarkeit von Frauen schon ab Anfang der 30er verringert. Mediziner schätzen, das zwischen 100000 und 200000 Frauen in Deutschland bereits vor dem 37. Lebensjahr Probleme haben, auf natürlichem Wege schwanger zu werden. Viele suchen dann ärztliche Hilfe.

Wie groß die Chance auf eine erfolgreiche Kinderwunschbehandlung für eine Frau ist, lässt sich neuerdings durch die Bestimmung des sogenannten "Anti-Müller-Hormons" (AMH) im Blut herausfinden. "Das AMH wird im Eierstock gebildet und ist ein untrüglicher Hinweis auf die Eizellreserve", so Professor Kleinstein. Zwar kann die Zahl der noch vorhandenen Eizellen nicht künstlich erhöht werden. Wohl aber lassen sich die Chancen erhöhen, dass ein Teil der natürlich gebildeten Eizellen besser heranreift und letztlich befruchtet wird. "Wir setzen deshalb Medikamente mit androgenen Eigenschaften ein", so Professor Kleinstein.

Gute Ergebnisse wurden in jüngster Zeit mit dem Hormon DHEA gesammelt. Es ist eine Vorstufe der natürlichen Androgene und wird seit mehreren Jahren weltweit als Antiaging-Medikament eingesetzt. "Unter der DHEA-Therapie werden etwa dreimal mehr Frauen im dritten Lebensjahrzehnt schwanger", fasst der Magdeburger Reproduktionsmediziner die bisherigen Therapie-Erfahrungen zusammen.

Außerdem registrierten die Ärzte weniger ungewollte Schwangerschaftsverluste (Aborte) und auch keine Vermännlichung, wie etwa Bartwuchs oder eine tiefere Stimme. "Das ist eine hoffnungsvolle Erweiterung der Therapiemöglichkeiten für ungewollt kinderlose Paare", so Professor Kleinstein.