Fast zwei Drittel aller frischen Milchen, die in deutschen Einkaufskörben landen, sind heute ESL-Milchen. Das Kürzel ESL steht für "extended shelf life", was längere Lebenszeit im Regal bedeutet. Sie ist gut zwei Wochen länger haltbar als die traditionell hergestellte Frischmilch. Die hält sich höchstens zwölf Tage. Im Test der Stiftung Warentest standen 9 traditionell hergestellte und 15 länger haltbare Milchen, alle fettarm mit 1,5 bis 1,8 Prozent Fett. Diese haben den größten Marktanteil.

Berlin (rgm). Seit die Kennzeichnungsverordnung für Konsummilch 2007 geändert wurde, ist schwer zu erkennen, ob es sich um eine traditionell pasteurisierte Milch handelt, die bei bis zu 75 Grad kurzzeiterhitzt wird, oder um eine neuartige ESL-Milch, die auf bis zu 130 Grad hocherhitzt und so länger haltbar gemacht wurde. Die Milchindustrie rang sich 2009 zu einer freiwilligen Regelung durch: "länger haltbar" steht auf ESL-Milch, "traditionell hergestellt" auf der anderen. Die Lebenszeit von Frischmilch kann nicht nur durch Hocherhitzung ausgedehnt werden. Sie kann auch vor dem Pasteurisieren mikrofiltriert werden. Bei diesem Verfahren werden die Keime über keramische Membranen aus der Milch herausgefiltert.

Sieger gab es auf zwei Seiten: Sowohl die beiden traditionell hergestellten Milchen Hansano (85 Cent pro Liter) und Landliebe (80 Cent) verdienen ein "Sehr gut" als auch die mikrofiltrierte Milch Tuffi (72 Cent). Insgesamt überzeugen die mikrofiltrierten ESL-Milchen am meisten. Alle sind schonend mit Wärme behandelt, stehen auch beim Keimgehalt im Punkt Mikrobiologie sehr gut da.

Verglichen mit früheren Tests sind die Wärmeverfahren schonender geworden. Nur bei den hocherhitzten ESL-Milchen gibt es noch etwas zu kritteln: Drei schneiden bei der schonenden Wärmebehandlung nur befriedigend ab, Milfina von Aldi (Süd) sogar ausreichend. Sie wurde wohl intensiv erwärmt. Schmecken konnte man das aber nicht. Typisch wäre ein Kochgeschmack. Letzterer wird vor allem H-Milch zugeschrieben, aber auch länger haltbarer Frischmilch. Im Test stellten die Prüfer nur bei wenigen ESL-Milchen einen leichten Kochgeschmack fest. Auch die traditionell hergestellte Milch von Netto hatte einen ganz leichten Kochgeschmack. Verkostungen allein erlauben also keine klare Zuordnung, um welche Art von Frischmilch es sich handelt.

Die Ergebnisse für Aussehen, Geruch und Geschmack können sich sehen lassen: Zwei von drei Milchen schneiden tadellos ab. Sie rochen rein, schmeckten rein und vollmundig. Auffällig waren nur der leicht metallische Geschmack bei Hemme-Milch und der alte, unreine Geschmack bei dennree, einer traditionell hergestellten Biomilch. Auch beim Nährwerte steht die ESL-Milch nicht schlechter als die traditionelle Milch da.

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