Frage: Stimmt es, dass der Verzehr von Spargel einen Gichtanfall auslösen kann?

Es antwortet Dr. Sabine Westphal, Oberärztin des Institutes für Klinische Chemie und Pathobiochemie des Universitätsklinikums Magdeburg: Spargelzeit – Genießerzeit für die Freunde dieses gesunden Gemüses. Schon die Ägypter kannten wilde Spargelformen und schätzten sie als Heil- und Gemüsepflanze. Sein Siegeszug bei den Feinschmeckern begann im 16. Jahrhundert und dauert bis heute an.

Viele von Gicht geplagte Menschen versagen sich heute diesen Hochgenuss, da der Spargel oft noch immer als Träger von Purinen verdächtigt wird. Die Purine werden zu Harnsäuren abgebaut, die der Körper dann normalerweise über die Nieren ausscheidet. Im Falle eines erhöhten Harnsäurespiegels kann es aber vorkommen, dass sich diese bevorzugt an den Gelenken ablagern und dort Entzündungen hervorrufen – der Gichtanfall. Allerdings entwickeln nur fünf Prozent der Patienten mit hohen Harnsäurewerten auch Gicht. Andererseits kommt die Gicht auch bei völlig normalen Werten vor.

Obwohl der Zusammenhang zwischen Ernährung und Gicht zu den "gesicherten" Theorien der Ernährung gehört, ist die Datenlage erschreckend dürftig. In den großen Bevölkerungsstudien mit knapp 62000 Teilnehmern finden sich ein paar magere Zahlen: Demnach gibt es zwar einen Zusammenhang zwischen fleischreicher Ernährung mit dem Gichtrisiko, doch der Zusammenhang mit dem Verzehr von Seefisch und Meeresfrüchten war noch stärker. Der Konsum von Molkereiprodukten und purinreichen Gemüsen wirkte sich in der Statistik hingegen günstig aus.

Nach neuen Untersuchungen enthalten Spargel, Spinat und Blumenkohl - wie die meisten anderen Gemüsesorten auch – ungefährlich wenig Purine, lediglich in den Spargelköpfen finden sich vermehrt Purinkörper. Von Gicht geplagte Feinschmecker sollten also auf die Spargelköpfe verzichten. Grundsätzlich kann man aber heute entwarnen: Spargel scheint nicht so problematisch bei Gicht zu sein, wie ehemals vermutet. Offenbar ist diese Vorstellung überholt. Nach wie vor dringend gemieden werden sollten dagegen beispielsweise Innereien, Fleischex-trakt, Hefe, Sardinen und Alkohol.