Es ist, als ob bei jedem Lidschlag ein Sandkorn das Auge reibt. Es juckt, brennt und wird rot, morgens verklebt Schleim die Lider. Wer sich länger als einen Tag damit herumquält, ohne dass sich etwas bessert, sollte deshalb medizinischen Rat einholen.

Senden/Hannover (dapd). "Ein rotes Auge kann zunächst alles und nichts bedeuten", erklärt der Sendener Augenarzt Georg Eckert, Sprecher des Berufsverbands der Augenärzte in Deutschland. Die Beschwerden könnten ein Warnzeichen für eine noch unerkannte Augenkrankheit oder auch eine Allergie sein. Und auch wenn sie "nur" von einer Bindehautentzündung herrühren, was wahrscheinlicher ist, muss vor einer wirksamen Behandlung erst einmal die Ursache geklärt werden."

Die Entzündung der Bindehaut – im Fachjargon Konjunktivitis – ist die mit Abstand häufigste Augenerkrankung. Ihre Symptome sind relativ leicht zu erkennen: rote, brennende Augen, verklebte und geschwollene Lider am Morgen, manchmal schleimige, eitrige Absonderungen, Fremdkörper- und Druckgefühl im Auge. Die Ursachen dafür können aber sehr unterschiedlich sein. Ist eine Bindehautentzündung von Bakterien oder Pilzen verursacht, verschreibt der Augenarzt nach einem Abstrich in der Regel antibiotische Augentropfen. "Das ist schon deshalb wichtig, weil eine solche Entzündung besonders ansteckend ist", erläutert Eckert.

Im Fall einer Chlamydieninfektion sollte auch der Partner oder die Partnerin mitbehandelt werden, um die Ansteckungskette zu unterbrechen. Steckt ein Virus dahinter, zum Beispiel ein Grippevirus, der auch benachbarte Schleimhäute erwischt hat (Husten, Schnupfen) heilt die Bindehaut dagegen meist nach einiger Zeit von selbst wieder ab. Da aber auch das Virus sehr ansteckend sein kann, sei persönliche Hygiene besonders wichtig. "Wer sich die Augen reibt, sollte dies am besten mit einem Einwegtaschentuch tun, das er danach entsorgt. Falls das nicht möglich ist, sollte er zumindest gründlich die Hände waschen und mit einem Handtuch abtrocknen, das nur er benutzt", betont Eckert. "Körperkontakt zu anderen sollte ohnehin so wenig wie möglich stattfinden."

Gerade im Frühjahr, wenn die Pollen wieder fliegen, kann Bindehautentzündung aber auch allergisch bedingt sein. Dies zeigt sich durch heftigen Juckreiz, der meist an den inneren Augenwinkeln beginnt und von heftigem Tränenfluss begleitet werden kann, erläutert Homöopath Tjado Galic vom Verband Klassischer Homöopathen Deutschlands. "Die Symptome treten sehr schnell auf. Meistens sind beide Augen von Anfang an gleich stark betroffen und von anderen allergischen Beschwerden wie Niesattacken oder Nasenjucken begleitet." Hier helfen "antiallergische" Augentropfen und Nasenspray (Antihistaminika) nur kurzfristig, betont Galic: "Wichtiger ist es, die Allergie als Ganzes zu behandeln."

Die häufigste Art der Bindehautentzündung sei die sogenannte "Reizkonjunktivitis". Sie wird von Umwelteinflüssen wie grellem Sonnenlicht (Solarium, Schnee, Schweißarbeiten), Rauch, Staub oder Zugluft ausgelöst, manchmal auch von einem unbemerkten Fremdkörper. Ansteckend ist sie nicht, und sie verschwindet auch wieder, sobald sich das Auge von den unangenehmen Umwelteinflüssen erholen kann. Schließlich kommen auch ein Mangel an Tränenflüssigkeit, eine besondere Lidform oder Wimpernstellung oder eine Überanstrengung der Augen wegen einer nicht korrigierten Sehschwäche als Ursachen in Frage, sagt Galic.

Bei Kleinkindern könne es ohnehin schnell mal zu verklebten Augen am Morgen oder Schleim an den inneren Augenwinkeln kommen. "Ohne ein rotes Auge ist das auch nicht gleich eine ansteckende Bindehautentzündung."

In seltenen Fällen ist die Bindehautentzündung Teil einer ernsten Erkrankung. Deshalb sollte man die roten Augen ernst nehmen und zur Untersuchung gehen, wenn ein allgemeines Krankheitsgefühl, Appetitstörungen, Abgeschla- genheit, Schwitzen, unklare Schmerzen oder andere ungewöhnliche Beschwerden dazu kommen oder länger bestehen.