Wie ein blauer Regenschauer fallen die Blütentrauben von Hauswänden und beweisen, dass dieses Gehölz seinen Namen zu Recht trägt: Blauregen, auch als Glyzinie, Glyzine oder Chinaflor bekannt, ist wegen seiner Blütenfülle und Wuchskraft beliebt. Mit der aus Ostasien, Australien und Nordamerika stammenden Kletterpflanze lassen sich komplette Fassaden ebenso verschönern wie kleine Balkone und Innenhöfe.

Leipzig/Neustadt (dapd). Die zur botanischen Gattung Wisteria zählenden verholzenden Ranken blühen oft schon, bevor das Laub zu sehen ist, und zieren den Garten mit frühen Blüten. Diese müssen nicht unbedingt blau sein: Es gibt sie auch in Violett, Weiß oder Rosa.

Im Fachhandel sind zwei Hauptarten erhältlich: Wisteria sinensis (Chinesischer Blauregen) und Wisteria floribunda (Japanischer Blauregen). "Wisteria sinensis blüht von April bis Mai, meist schon vor dem Austrieb der Blätter. Im Hochsommer zeigt diese Sorte eine eher spärliche Nachblüte. Wisteria floribunda blüht dagegen etwas später von Mai bis Juni", sagt Sven Taraba, Inhaber des auf Rankhilfen spezialisierten Unternehmens "Fassadengrün" in Leipzig. Oft blüht der Blauregen zeitgleich mit Flieder und lockt Bienen und viele andere Nützlinge in den Garten.

Die "Grüne Krake"

"Blauregen gilt als extrem starker, wuchsfreudiger Schlinger bis 20 Meter Höhe und wird auch grüne Krake genannt", erläutert Taraba. Jeder der jungen austreibenden Arme habe einen Aktionsradius von mehr als einem Meter. Die fein gefiederten Blätter des Blauregens sind meist hellgrün, manchmal mit einem orangebraunen Schimmer. Eher selten tritt eine gelbe Herbstfärbung auf.

Wer den Schmetterlingsblütler neu im Garten pflanzt, braucht ein wenig Geduld. "Es dauert etwa vier bis fünf Jahre, bis die Glyzinie das erste Mal zur Blüte kommt", erklärt Werner Ollig, Leiter der Gartenakademie Rheinland-Pfalz. Ist eine Pflanze schon älter und blüht trotzdem nicht, kann das nach Auskunft des Fachmanns verschiedene Ursachen haben. Wichtig sei der passende Standort. "Er sollte sonnig sein oder im sehr hellen Halbschatten liegen, sonst blühen Glyzinien nur schwer", sagt Ollig. Außerdem gelten Pflanzen, die aus einem Sämling gezogen wurden, im Gegensatz zu Pflanzen aus Stecklingen als sehr blühfaul. Wisteria sinensis, der Chinesische Blauregen, zeige zudem oftmals weniger Blüten als andere Arten.

Ein regelmäßiger Schnitt fördert den Blütenflor: "Schneiden Sie ausgehend vom alten Holz nach drei bis vier Blättern den einjährigen Trieb ab. An den verbleibenden Stummeln bilden sich im nächsten Frühjahr die neuen Blüten", rät Pflanzenexperte Werner Ollig.

In der Gattung Wisteria gibt es links- und rechtswindende Arten: Wisteria sinensis wächst beispielsweise linksherum, Wisteria floribunda rechtsherum. Berücksichtigen müsse man dies beim Pflanzen, erklärt Sven Taraba: Wird der Ballen auf der falschen Seite der Kletterhilfe platziert, weiß der Blauregen nicht, wohin er sich schlingen soll. Generell empfiehlt er den Einsatz von Rankhilfen. "Bei unzureichender Kletterhilfe und Pflege kann Blauregen beachtliche Bauschäden verursachen", warnt der Experte. Denn das Gehölz schlinge sehr stark und könne beispielsweise Regenrohre zusammendrücken.

"Wisteria braucht stabile, möglichst stabartige Rankhilfen, die auf Wuchshöhe und Wuchsbreite abgestimmt sind", sagt der Diplomingenieur. Holzspaliere hielten der Kraft des Blauregens nicht stand und könnten unter der Last brechen. Ausreichend haltbar seien Rankhilfen aus dünnen Edelstahlrohren oder Seilsysteme, die mit ausreichend Abstand an der Wand befestigt werden. Blitzableiter, Fallrohre und Dachrinnen müssen auf jeden Fall so weit weg sein, dass die Pflanze sie nicht erfassen kann. "Rankhilfen sollten zwei Meter Abstand zu allen solchen Bauteilen und zur Traufe haben, sowohl seitwärts als auch nach oben", sagt Taraba.

Übrigens kombiniert Blauregen zwei Eigenschaften, die insbesondere für Kinder gefährlich werden können: Er ist schön und giftig. Zu den giftigen Pflanzenteilen zählen nach Auskunft der Informationszentrale gegen Vergiftungen in Bonn besonders Samen und Hülsen, außerdem Rinde und Wurzel. Nach dem Verzehr mehrerer Samen oder anderer giftiger Pflanzenbestandteile drohen nach Auskunft der Mediziner unter anderem Magenbeschwerden mit Erbrechen und Durchfall.