Zecken kommen in ganz Deutschland, vorwiegend in ländlichen Gebieten mit hohem Gras und Büschen vor. Durch ihre Stiche können Infektionskrankheiten übertragen werden, bei uns sind das vor allem die Borreliose und seltener die Hirnhautentzündung FSME. Das Robert-Koch-Institut hat für dieses Jahr 136 Kreise als FSME-Risikogebiete ausgewiesen – fast alle in Süddeutschland. Doch auch in den nördlichen Regionen ist Vorsicht geboten.

Magdeburg. Mit ihrem Biss können Zecken einerseits die gefährliche Frühsommer-Meningoenzephalitis ( FSME ) übertragen. Viel häufiger infizieren sie die Menschen aber mit Borreliose. Im vergangenen Jahr erkrankten in Deutschland laut DAK rund 60 000 Menschen an Borreliose, 313 an der Hirnhautentzündung FSME. Während Zecken mit dem FSME-Virus überwiegend in Süddeutschland vorkommen, wird Borreliose in allen Regionen Deutschlands übertragen.

" Das Problem bei der Borreliose ist, dass es keine Impfung dagegen gibt und ihre Symptome sehr unterschiedlich sind ", sagt DAK-Ärztin Elisabeth Thomas. " Denn Anzeichen wie Kopf- und Gliederschmerzen, Müdigkeit und Fieber werden auch bei anderen Erkrankungen beobachtet. "

Verdächtig ist jedoch die rote Einstichstelle, die Wanderröte. Sie kann einige Tage bis Wochen nach einem Zeckenstich um die Einstichstelle herum entstehen. " Die Erreger können zudem jahrelang im Körper bleiben, ohne dass die Krankheit ausbricht ", warnt die DAK-Expertin. " Bei einer zu späten Behandlung mit Antibiotika bleiben im schlimmsten Fall chronische Schäden des Gehirns, der Gelenke und des Rückenmarks zurück. "

Der beste Schutz ist vorzubeugen. Zecken lauern im Gras oder im Unterholz. " Bei Streifzügen durch die Natur sollte man lange Kleidung und feste Schuhe tragen sowie Insekten abwehrende Mittel verwenden ", rät Thomas.

Das FSME-Virus ist in Deutschland in weiten Teilen Bayerns, Baden-Württembergs und vereinzelt in Hessen, Rheinland-Pfalz und Thüringen verbreitet. Die Gebiete werden offiziell vom Robert-Koch-Institut ( RKI ) je nach Häufigkeit der Erkrankungsfälle über einen bestimmten Zeitraum als Risikogebiete ausgewiesen.

Auch außerhalb der offiziellen Risikogebiete treten zahlreiche sogenannten autochthone FSME-Fälle auf, das heißt Infektionen, die nachweislich in diesen Regionen erfolgten. Zu dieser Kategorie zählt das RKI Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Saarland.

Im osteuropäischen Raum führt FSME laut dem Internetportal zeckeninfo. de während der Sommermonate immer wieder zu einer großen Zahl von Gehirn- und Hirnhautentzündungen. Hier tritt die FSME gehäuft auf : Österreich, Ungarn ( vor allem im Bereich des Plattensees ), Polen, Tschechien, Slowakei, Russland, Litauen, Lettland, Estland, Albanien und auf dem Balkan sowie in Skandinavien - insbesondere an der Ostseeküste von Südschweden und Finnland einschließlich vorgelagerter Inseln. Als Faustregel kann gelten : Je weiter man nach Osten kommt, desto höher ist das FSME-Risiko. Aber auch in der Schweiz, im Elsass und in Norditalien kommt das Virus vor.

Beim Aufenthalt in den Risiko-Gebieten, auch bei der Durchfahrt mit Pausen im Freien, besteht die Gefahr einer Infektion. Deshalb sollte man bei den Reisevorbereitungen für Aufenthalte in diesen Regionen auch an die Impfung gegen FSME denken. Die in Deutschland verfügbare Impfung schützt auch vor der noch aggressiveren östlichen Variante des FSME-Virus. Die Ständige Impfkommission ( STIKO ) am RKI empfiehlt die FSME-Impfung für Menschen, die sich in den Risikogebieten in freier Natur aufhalten.

Fast alle Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Impfung bei Reisen oder Aufenthalten in den Risikogebieten. Wer beruflich viel in der Natur ist, für den zahlt laut DAK der Arbeitgeber die Impfungen.

Ein zeitlich begrenzter Impfschutz ( etwa für Urlauber ) erfordert laut RKI mindestens zwei Gaben des Impfstoffs, ein länger bestehender Impfschutz jedoch drei. Auffrischungen werden in Abständen von drei bis fünf Jahren empfohlen.

Das Bundesgesundheitsministerium hat folgende Fragen und Antworten rund um das Thema Zecken zusammengestellt :

Muss ich sofort zum Arzt, wenn mich eine Zecke gebissen hat ? Nicht unbedingt. Wenn Sie aber grippeähnliche Symptome bemerken, wie Müdigkeit, Fieber oder Kopfschmerzen, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Auch bei einer ringförmigen, sich ausbreitenden Hautrötung ist ein Arztbesuch notwendig, denn die sogenannte Wanderröte ist ein Zeichen für eine Borrelien-Infektion.

Wie entferne ich eine Zecke ?

Entfernen Sie die Zecke vorsichtig mit einer feinen Pinzette oder speziellen Zeckenzange, die in Apotheken erhältlich ist. Setzen Sie dicht über der Haut an und ziehen oder hebeln Sie die Zecke vorsichtig heraus. Falls Sie unsicher sind, ob Sie die Zecke richtig entfernen können, suchen Sie einen Arzt auf. Wichtig : Versuchen Sie nicht, die Zecke abzubrennen oder sie mit Öl oder ähnlichen Substanzen zu beträufeln. Dass man Zecken auf diese Weise entfernen muss, ist ein verbreiteter Irrtum, der mehr Schaden anrichtet als dass er nutzt.

Wie kann ich mich vor Zecken schützen ? Es gibt keinen sicheren Schutz vor Zecken. Aber man kann einiges tun, um Zeckenstiche zu vermeiden : Vermeiden Sie es, sich in hohem Gras oder Unterholz aufzuhalten. Ihre Kleidung sollte geschlossen sein – mit langen Ärmeln und langen Hosen. Wenn Sie die Socken über die Hosenbeine ziehen, bietet dies einen zusätzlichen Schutz. Tragen Sie helle Kleidung, auf denen man Zecken gut erkennen kann. Insektenabweisende Mittel helfen zumindest eine Weile, bieten aber keinesfalls einen sicheren Schutz vor Zecken. Zur Urlaubsplanung sollte auch ein kurzer Blick auf FSME-Risikogebiete gehören und gegebenenfalls eine Impfung erwogen werden.

Nach einem Aufenthalt in der Natur sollten Sie Ihren ganzen Körper nach Zecken absuchen. Zecken sind winzig und krabbeln auf dem Körper und der Kleidung herum auf der Suche nach einer geeigneten Einstichstelle. Vor allem an den Armen, in den Kniekehlen, am Hals und Kopf sowie im Schritt sollten Sie suchen, denn Zecken bevorzugen dünne und warme Hautstellen.