Magdeburg ( rgm ). Weit verbreitet und dennoch oft unterschätzt, können Pneumokokken gefährliche Hirnhaut-, Lungen- und Mittelohrentzündungen sowie Blutvergiftung verursachen. Weil diese Krankheiten nicht nur bei Kleinstkindern bedrohlich verlaufen können, empfiehlt die Ständige Impfkommission STIKO am Berliner Robert-Koch-Institut auch allen Personen über 60 Jahre die Pneumokokken-Spritze als Standardimpfung.

" Das Immunsystem wird mit zunehmendem Lebensalter allmählich schwächer, sodass ältere Menschen schneller an durch Pneumokokken ausgelösten Lungenentzündungen erkranken ", erläutert Dr. Hanna Oppermann vom Arbeitskreis Impfen. " Darum ist jedermann und jeder Frau ab 60 generell zur Impfung gegen Pneumokokken zu raten ", sagt die Impfexpertin.

Menschen mit angeborenen oder erworbenen Immundefekten sowie mit chronischen Nierenkrankheiten empfiehlt die STIKO Wiederholungsimpfungen im fünfjährigen Abstand. Die Kosten der Pneumokokkenimpfung tragen die Krankenkassen.

" Ältere Menschen sollten sich jedes Jahr gegen Grippe und mindestens einmal gegen Pneumokokken impfen lassen ", appelliert STIKO-Mitglied Oppermann. Der Impfarzt überprüft dann auch, ob noch ausreichender Schutz gegen Diphtherie und Tetanus besteht. " Ist eine Auffrischimpfung nach zehn Jahren erforderlich, sollte diese mit einer Pertussis-Impfung kombiniert werden ", verweist sie auf eine neue STIKO-Empfehlung.

Gegen Pneumokokken sollten sich unabhängig vom Alter auch jüngere Erwachsene mit chronischem Asthma, Bronchitis, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen impfen lassen. Gleiches gilt für Personen mit angeborenen oder erworbenen Immundefekten, zum Beispiel durch eine HIVInfektion oder nach Knochenmarktransplantation, bei Erkrankungen der blutbildenden Organe sowie vor Organtransplantationen und vor Beginn einer immun-suppressiven Therapie.

Eine Grundimmunisierung gegen Pneumokokken gehört in Deutschland seit Jahren zu den allen Kleinkindern empfohlenen Standardimpfungen. Pneumokokken gehören bei etwa jedem Zweiten zur normalen Bakterienflora des Mund- und Rachenraumes. Sie können beim Husten, Niesen oder Sprechen übertragen werden. Nach Schätzungen der WHO sterben jedes Jahr zwei Millionen Menschen an den Folgen einer Pneumokokken-Infektion.