Die Nieren zählen zu den am besten mit Blut versorgten Organen. Sie werden daher besonders häufig durch Krankheiten geschädigt, an denen das Blut beteiligt ist. Ursache sind unter anderem Bluthochdruck und Stoffwechselstörungen wie Diabetes. Auskünfte über Diagnostik und Therapien gaben gestern Nienenfachärzte des Uniklinikums in einem Volksstimme-Telefonforum.

Frage : Mein Mann ist wegen Bluthochdruck in ärztlicher Behandlung. Seit kurzem hat er Wasser in den Beinen. Kann das von den Nieren kommen ?

Antwort : Ödeme in den Beinen können ganz unterschiedliche Gründe haben. Die häufigsten Ursachen sind Schädigungen des Herzens und der Nieren. Ihr Mann sollte die Ursache unbedingt ärztlich abklären lassen.

Frage : Ich bin 70 Jahre alt und bin wegen Diabetes und Bluthochdruck in Behandlung. Um Nierenschäden vorzubeugen, trinke ich täglich mindestens zwei Liter Wasser. Was kann ich noch tun, um meine Nieren zu schützen ?

Antwort : Wichtig ist eine möglichst optimale Blutdruckeinstellung, die bei Diabetikern unter 130 / 80 liegen sollte. Sie sollten nicht mehr als eineinhalb bis zwei Liter Flüssigkeit am Tag trinken. Zu viel Flüssigkeit belastet die Niere zusätzlich.

Frage : Bei einem Krankenhausaufenthalt vor drei Jahren haben die Ärzte Diabetes ( Typ-II ) und Bluthochdruck festgestellt. Was kann ich selbst tun, um das Risiko von Folgeschäden an den Organen zu verringern ?

Antwort : Diabetiker sollten möglichst optimale Blutdruckzielwerte von unter 130 / 80 mmHg anstreben. Das erfordert neben einer gesunden Lebensführung ( Verringerung des Übergewichtes durch Kalorienreduktion und angemessene körperliche Betätigungen, Verzicht auf das Rauchen sowie eine Reduktion des Kochsalzkonsumes ) ist oftmals auch den Einsatz von zwei bis drei Medikamentengruppen zur Blutdrucksenkung erforderlich. Der Therapieerfolg sollte mit einer 24-Stunden-Blutdruckkontrolle überprüft werden. Einzelmessungen sind nicht aussagefähig. Durch eine optimale Therapie kann die Zeit bis zur Dialysebehandlung deutlich verlängert und die Überlebenszeit in den ersten Dialysejahren verbessert werden.

Frage : Mein Mann ist Diabetiker. Auf welche Symptome ist zu achten, um eine Nierenschädigung früh zu erkennen ? Können Schmerzen in der Nierengegend ein Hinweis sein ?

Antwort : Schmerzen in der Nierengegend sollten durch einen Arzt abgeklärt werden. Sie könnten unter anderem ein Hinweis auf Nierensteine und Koliken, Entzündungen bzw. Infektionen sein. Eine Nierenschädigung durch Diabetes und Bluthochdruck verursachen hingegen keine Frühsymptome. Ein Hinweis auf eine diabetische Nephropathie ist vielmehr das Auftreten einer minimalen Eiweißausscheidung im Urin. Das ist durch eine Laboruntersuchung des Urins beim Arzt feststellbar. Insbesondere bei Typ-2-Diabetikern können auch noch andere Nierenschädigungen auftreten, bei denen möglicherweise keine Eiweißausscheidung im Urin feststellbar ist. Deshalb ist zur Diagnosestellung einer Nierenerkrankung bei Diabetikern zusätzlich die Abschätzung der Nierenfunktion notwendig. Sie wird heute näherungsweise durch die Bestimmung des so genannten Serumkreatinins kalkuliert.

Frage : Bei den Laboruntersuchungen der Nierenfunktion sprach mein Arzt oftmals von Serumkreatinin. Welche Aussage erlaubt das ?

Antwort : Kreatinin ist ein Abbauprodukt von Kreatin, das in den Skelettmuskeln vorkommt und über die Nieren ausgeschieden wird. Wenn die Nierenfunktion nachlässt, steigt das Kreatinin im Blut. Allerdings lässt der Kreatininwert nur bedingt einen Rückschluss auf die Schwere eines Nierenschadens zu. Zur Früherkennung eines Nierenschadens eignet sich Kreatinin nicht. Das Kreatinin steigt erst dann an, wenn bereits mehr als 70 Prozent der Nierenfunktion verloren ist.

Frage : Der Arzt hat bei einer Ultraschalluntersuchung eine Zyste in meiner rechten Niere festgestellt. Er meinte, das sei nicht gefährlich. Er empfahl nur eine Nachkontrolle in etwa einem Jahr. Muss ich mir Sorgen machen ? Ich bin 67 Jahre.

Antwort : Einzelne und einseitige Zysten in der Niere sind meist gutartig und führen in der Regel nicht zu ernsthaften Nierenfunktionsstörungen. Nur wenn die Zyste schnell und stark wächst, sollte eine weiterführende Diagnostik und ggf. Therapie erwogen werden. Davon zu unterscheiden sind genetisch bedingte Zystenerkrankungen, bei der sehr viele Zysten beidseitig auftreten. Bei diesen familiär gehäuft auftretenden Erkrankungen besteht ein hohes Risiko, dass Nierengewebe fortlaufend untergeht. Bei dieser Erkrankung sollte die Nierenfunktion engmaschig durch einen Nierenfacharzt kontrolliert werden.

Frage : Bei mir wurde ein teilweises Niernversagen durch Diabetis festgestellt. Kommt für mich eine Bauchfelldialyse zu Hause in Frage ? Welche Vor- und Nachteile hat diese Therapie ?

Antwort : Je nach Ausmaß und persönlicher Neigung kommen für Diabetiker die Blutwäsche ( Hämodialyse ) und die Behandlung über das Bauchfell ( Peritonealdialyse ) in Frage. Die Bauchfelldialyse kommt in erster Linie für jüngere, normalgewichtige Patienten in Frage, bei denen noch eine Restfunktion der Nieren vorhanden ist. Bei dem Verfahren kommt es zu dem entgiftenden Stoffaustausch zwischen den feinen Blutgefäßen des Bauchfells ( Peritoneum ), das die inneren Organe umgibt, und einer Dialysierflüssigkeit, die über einen Katheter unterhalb des Nabels in den Bauchraum gelangt. Die Peritonealdialyse kann der Patient nach einer Schulung selbst durchführen. Sie ist mit Hilfe von tragbaren Geräten auch am Arbeitsplatz und auf Reisen möglich. Durch den im Vergleich zur Hämodialyse langsamen Flüssigkeitsaustausch verläuft die Filtration schonender, und der Kreislauf wird nicht so stark belastet. Gerinnungshemmende Medikamente erübrigen sich. Die Bauchfelldialyse ist für übergewichtige Menschen weniger gut geeignet. Möglich ist, dass dabei Keime in die Bauchhöhle gelangen. Dieser Gefahr lässt sich vorbeugen, wenn die Patienten gut geschult sind und regelmäßig ärztliche Kontrollen erfolgen.

Frage : Ich habe öfter Blut im Urin. Der Urologe konnte keine Harnsteine und Entzündungen feststellen. Was kann ich noch tun ?

Antwort : Sie sollten einen Nierenspezialisten ( Nephrologen ) aufsuchen. Fachärzte, die besondere Erfahrung in der Behandlung des Bluthochdrucks haben, kann man an der Zusatzbezeichnung Hypertensiologie erkennen. Diese Ärzte nehmen regelmäßig an Schulungs- und Fortbildungsprogrammen der Deutschen Hochdruckliga teil.