Auf der Suche nach einem guten Anwalt sollten Mandanten die Titel und Qualitätssiegel der Juristen verstehen. Die Zeitschrift Finanztest
erklärt in ihrer aktuellen Ausgabe, was sie bedeuten. Den besten Hinweis auf Sachkunde sehen die Verbraucherschützer im Titel " Fachanwalt ". Als Zeichen für eine gute Büroorganisation werten sie Iso-Zertifizierungen von TÜV oder Dekra.

Berlin ( rgm ). Mit ihrem Qualitätssiegel für Anwälte ist die Prüforganisation Dekra jedoch gescheitert. Ende 2008 hatte sie Anwälte eingeladen, Ankreuztests im Erb-, Arbeitsoder Familienrecht zu absolvieren. Wer besteht, sollte mit dem grünen Dekra-Logo (" Dekra-zertifizierter Rechtsanwalt ") werben dürfen. Das Angebot kam gut an in einer Branche, in der Werbung in den neunziger Jahren noch gänzlich verboten war. Doch die Kundschaft der Anwälte bekam das Siegel nicht zu Gesicht. 2009 erklärte es das Landgericht Köln für rechtswidrig. Es erwecke den Eindruck, dass es nach anerkannten Regeln der Anwaltschaft erworben worden sei – was ja nicht stimme ( Az. 31 O 607 / 09 ). Die Dekra zog ihr Siegel daraufhin zurück.

Wer einen sachkundigen Anwalt sucht, dem bleibt als Orientierung einstweilen der Titel " Fachanwalt ". Dafür müssen Anwälte 120 Stunden Fortbildung absolvieren, Prüfungen vor der Anwaltskammer ablegen und Praxis nachweisen. Für den Titel im Arbeitsrecht sind beispielsweise 100 Fälle notwendig.

Den Titel " Fachanwalt " gibt es für 20 Rechtsgebiete, darunter diese : Arbeitsrecht, Familienrecht, Steuerrecht, Strafrecht, Verkehrsrecht, Miet- und Wohnungseigentumsrecht, Bau- und Architektenrecht, Verwaltungsrecht, Sozialrecht, Insolvenzrecht und Erbrecht.

Mehr als 36 000 Titel haben die Rechtsanwaltskammern bisher vergeben. Damit hat etwa jeder vierte Anwalt in Deutschland eine Zusatzausbildung. Für welche Fälle welcher Fachanwalt der richtige ist, hat Finanztest zusammengestellt.

Doch selbst Fachanwälte gewährleisten nicht immer beste Beratung. Dazu sind manche Rechtsgebiete viel zu umfangreich und auch ein gut ausgebildeter Anwalt kann Fakten übersehen oder Termine versäumen.

Schwächen der Fachanwaltsausbildung kritisiert zum Beispiel Dr. Michael Quaas. Er ist Anwalt und Richter im Senat für Anwaltssachen des Bundesgerichtshofs : " Die Ausbildungsordnung produziert auch Fachanwälte, die ihre Qualifikation nur in der Referendarausbildung erworben haben und als Praxis nur Anfängererfahrung einbringen. "

Der Fachanwaltstitel allein hilft also nicht. Wichtige Anhaltspunkte bei der Anwaltssuche bleiben deshalb persönliche Empfehlungen. Wer damit oder über einen Suchdienst einen Anwalt gefunden hat, fühlt ihm am besten noch selbst auf den Zahn. Kennt sich der Anwalt wirklich aus mit Fällen wie dem, den der Kunde mitbringt ? Hat er einschlägige Fachaufsätze zum Thema veröffentlicht ? Engagiert er sich in einer Arbeitsgemeinschaft von Anwälten ? Traut er sich eine fundierte Rechtsvertretung zu ?

Siegel und Zertifikate verstehen

Mandanten dürfen klare Antworten erwarten. Zum persönlichen Anwalts-Check gehört es auch, die Siegel zu verstehen, mit denen Rechtsanwälte werben.

DAI-Fortbildungssiegel : Das Siegel des Deutschen Anwaltsinstituts bekommen Anwälte, wenn sie Fortbildungen in Teilgebieten wie dem Kündigungsschutz- oder dem Unterhaltsrecht absolvieren : Mit zehn Stunden Unterricht, dem Studium von 150 Seiten Unterlagen und einer Klausur sind die Anforderungen viel geringer als die für einen Fachanwaltstitel.

Q-Zertifikat der BRAK : Das " Q " der Bundesrechtsanwaltskammer ( BRAK ) weist darauf hin, dass sich der Anwalt generell fortgebildet und das nachgewiesen hat. Es bescheinigt keine Sachkunde in einem bestimmten Rechtsgebiet, sondern das Bemühen um Weiterbildung an sich. Dafür wertet die Kammer Fortbildungen aus.

Iso-Zertifikat Qualitätsmanagement : Einige hundert Kanzleien in Deutschland haben ein ISO-Zertifikat erworben. Sie dokumentieren damit, dass sie ein Qualitätsmanagement eingerichtet haben, das den ISO-Normen entspricht. Das Siegel weist also auf kontrollierte Abläufe in der Kanzlei hin. Dass der Anwalt hier wegen schlechter Büroorganisation einen Termin versäumt, dürfte unwahrscheinlich sein. Rückschlüsse auf die Qualität seiner Beratung erlaubt die Zertifizierung aber nicht. Das Siegel vergeben Organisationen wie Dekra und Tüv.

Zertifikat der advounion : Die Anwaltsvereinigung advounion hat etwa 800 Anwälten " aufgrund nachgewiesener überdurchschnittlicher Leistungen gemäß § 43 a VI Bundesrechtsanwaltsordnung " ein Zertifikat verliehen. Auch wenn es so scheint : Das Zertifikat bescheinigt nicht, dass der Anwalt wirklich gut ist. Es soll nur belegen, dass sich der Anwalt pflichtgemäß fortgebildet hat. Auf Nachfrage hat die advounion erklärt, man werde künftig darauf hinweisen, dass lediglich " Fortbildungsleistungen " zertifiziert werden. Derzeit ruht die Zertifizierung. Hintergrund : Die Anwaltskammer Köln hält sie für rechtswidrig.

Premium Rechtsanwalt :
Manche Kanzleien werben damit, dass sie von der Firma " Premium Kanzleien. com GmbH " ausgewählt wurden. Auf Nachfragen hat der Betreiber erklärt, dass die Auswahl keinen dokumentierten Regeln folgt. Zumindest ein Fachanwaltstitel sei aber erforderlich. Darüber hinaus ist das marktschreierische Auswahlsiegel " premium-rechtsanwalt. com " bei der Anwaltssuche allerdings keine echte Hilfe.