" Rotkohl, Porree und Sauerkraut statt Vitaminpillen " hieß es im Dezember in der Volksstimme. Trifft dieser Rat auch für ältere Menschen zu ? Meiner Meinung nach sollten Senioren natürliche Vitaminpräparate einnehmen, um die Funktionsfähigkeit ihres Körpers zu gewährleisten. Was meinen Sie ?

Es antwortet Diplom-Ernährungswissenschaftlerin Alexandra Blaik vom Institut für Klinische Chemie und Pathobiochemie des Uniklinikums Magdeburg : Vitamine – kaum einen anderen Begriff verbinden wir so eindeutig mit Gesundheit. Sie sollen fit machen, vor Erkältungen schützen, sogar schwere Krankheiten heilen. Unser Körper braucht sie zu seiner Gesunderhaltung, und wir müssen sie in ausreichenden Mengen mit der Nahrung aufnehmen. Im Gegensatz zu anderen Nahrungsbestandteilen, die Energie liefern, benötigen wir von Vitaminen nur winzige Mengen.

Im Laufe unseres Lebens verändert sich unser Vitaminbedarf, aber auch unsere Vitaminversorgung. Ernährungs- und damit Vitamindefizite treten bei Senioren häufiger auf als in anderen Altersgruppen. Etwa fünf Prozent der Bevölkerung sind so schlecht ernährt, dass dies ein Gesundheitsrisiko darstellt. Unter Pflegebedürftigen ist es sogar jeder Zweite.

Mit dem Alter schwinden die Freuden des Lebens. Das gilt auch für das Essen. Einkaufen und Kochen sind beschwerlich, Appetit und Geschmackssinn lassen nach, und das Kauen wird zur lästigen Arbeit. Der Stoffwechsel verlangsamt und Muskelund Fettmasse verändern sich. Die körperliche Aktivität

nimmt in aller Regel ab. Dies hat einen geringeren Energiebedarf

zur Folge. Der Vitaminbedarf wird allerdings nicht weniger. Medikamente oder chronische Erkrankungen können die Verwertung von Vitaminen zusätzlich beeinflussen. Vitamin D, Vitamin B 12 und Folat werden von Senioren zum Teil unzureichend aufgenommen.

Der regelmäßige Verzehr von Fisch, fettreicher Milch und Milchprodukten, Gemüse, Obst, Fleisch, Eiern und Vollkornbrot garantiert eine gute Vitaminversorgung auch im Alter. Bewegung und frische Luft fördern den Appetit des alten Menschen. Wenn große Portionen ein Gefühl der Überforderung erzeugen, verbessern kleine Zwischenmahlzeiten die Versorgung. Zusätzliche Nahrungsergänzungen mit Vitaminpräparaten sollten nur in Absprache mit dem Arzt erfolgen. So können Vitamin-D-Präparate bei durch Knochenbrüchigkeit ( Osteoporose ) bedingten Frakturen sinnvoll sein. Ein " Viel hilft viel " in Form von Vitaminpillen schadet eher dem Organismus, als dass es ihm hilft.

Fazit : Vitaminpräparate ersetzen grundsätzlich keine vollwertige und ausgewogene Ernährung. Ihre Einnahme kann einseitige Ernährungsgewohnheiten nicht ausgleichen. Nur ein durch den Arzt festgestelltes Vitamindefizit sollte durch Vitaminpräparate ausgeglichen werden.