Einer der häufigsten Gründe für die Unfruchtbarkeit von Frauen ist das sogenannte Polyzystische Ovar-Syndrom ( PCOS ). Die normale Kinderwunschhandlung ( IVF ) ist für die Betroffenen mit gesundheitlichen Risiken verbunden, so dass Ärzte seit langem nach Auswegen suchen. Die Ergebnisse einer neuen Methode werden heute auf einer Tagung für Gynäkologen und Reproduktionsmediziner in Magdeburg diskutiert.

Magdeburg. " A woman can never be too rich or to thin ", heißt ein in England geläufiges Sprichwort. Übersetzt bedeutet es, eine Frau kann niemals zu füllig oder zu dünn sein. Das stimmt aus medizinischer Sicht freilich nicht, denn sowohl ein Übermaß wie auch ein Mangel an Körperfett fördern die Entstehung von Krankheiten und reduzieren zudem die Chance auf eine erfolgreiche Schwangerschaft. " Ein zu hoher und ein zu niedriger Körpermaßindex BMI sind nicht selten mit Störungen der Eierstockfunktion verbunden ", erklärt Professor Jürgen Kleinstein von der Magdeburger Uniklinik für Reproduktionsmedizin. " Die betroffenen Frauen haben oftmals zu viele Eibläschen im Eierstock. " Medizinhistorisch überliefert ist dafür der Begriff Polyzystische Ovarien.

Das PCO-Syndrom betrifft vor allem junge übergewichtige Frauen ebenso wie sehr dünne junge Frauen. Diese haben zudem keine oder stark verzögerte Regelblutungen, leiden nicht selten unter Hautakne oder unter Haarausfall. Diagnostisch können Gynäkologen bei den betroffenen Frauen ein Übermaß an Eibläschen ( Follikeln ) und männlichen Geschlechtshormonen feststellen.

Frauen mit einem PCO-Syndrom haben deutlich schlechtere Chancen, auf natürlichem Wege schwanger zu werden. Als Folge dessen landen nicht wenige von ihnen in einer Praxis zur Kinderwunschbehandlung. Doch die üblichen Therapieschemata bergen für diese Frauen das Risiko einer hormonellen Überstimulation. Starke Schmerzen im Unterleib, ein überblähter " Wasserbauch " und lebensbedrohliche Thrombosen sind die gefürchteten Komplikationen einer hormonellen Überstimulation während der normalen Kinderwunschbehandlung mittels Invitro-Fertilisation ( IVF ). " Auch teils altbekannte Medikamente wie Clomifen oder das in der Diabetes-Therapie bewährte Metformin sind nur begrenzt hilfreich ", so Professor Kleinstein.

Schwache hormonelle Stimulation

Einen Ausweg aus dieser schwierigen Situation bietet die sogenannte In-vitro-Maturation ( IVM ). Dabei erhalten die Frauen nur eine schwache hormonelle Stimulation über einen Zeitraum von maximal einer Woche. Das reduziert das Risiko von Komplikationen während der Kinderwunschbehandlung. Mit Hilfe eines besonders hochauslösenden Ultraschallgerätes werden ihnen einige unreife Eizellen entnommen und anschließend im Labor zur Reife gebracht. " Unsere Mitarbeiterinnen befruchten die reifen Eizellen dann mit einzelnen Samenzellen des Ehemanns beziehungsweise des Lebenspartners ", so Professor Kleinstein. Unmittelbar danach wird der Embryo in die Gebärmutter eingesetzt.

" Wegen des hohen Finanzierungsaufwandes für die notwendigen, hochauslösenden Ultraschallgeräte und Kultivierungstechniken bieten bislang nur sehr wenige Universitätskliniken in Deutschland die In-vitro-Maturation an ", so Professor Kleinstein. " Wir haben die Technik von kanadischen Ärzten erlernt ".

Keine Zusatzkosten für die Paare

Seit Anfang des Jahres wurden am Uniklinikum Magdeburg bereits zehn Kinderwunschpatientinnen mit PCOS mittels IVM erfolgreich behandelt. Eine von PCOS betroffene Frau hat pro Behandlungszyklus eine 30-prozentige Chance, schwanger zu werden. " Viel besser sind die Chancen gesunder junger Frauen auch nicht ", ergänzt der Mediziner.

Das wichtigste ist jedoch, dass die Komplikationsrisiken einer künstlichen Befruchtung bei PCOS verringert werden. Nach internationalen Erfahrungen sei die Zahl der Fehlgeburten nach IVM nicht erhöht, so der Magdeburger Arzt. Weltweit seien schon etwa 1000 Kinder nach dieser Art der Kinderwunschbehandlung geboren worden.

Trotz des erheblichen Mehraufwandes im Vergleich zu einer normalen IVF müssen die betroffenen Paare die Mehrkosten nicht aus eigener Tasche begleichen. " Die gesetzlichen Krankenkassen erstatten einen Teil der Kosten im Rahmen der ICSI-Behandlung ", so Professor Kleinstein. Der Rest wird aus Hochschulmitteln aufgebracht.