Die kalte Jahreszeit ist ein Härtetest für die Haut. Denn der ständige Wechsel von eisigen Außen-Temperaturen und warmer trockener Heizungsluft, die mit einer geringen Luftfeuchtigkeit einhergeht, bedeutet für unser größtes Organ den puren Stress. Die sichtbaren Folgen : Trockenheit, Rötungen, Risse, Juckreiz, Falten.

Nürnberg. " Hauptproblem sind die großen Temperaturund Feuchtigkeitsschwankungen im Winter ", erklärt Professor Ulrich Amon, Ärztlicher Direktor der PsoriSol Hautklinik im fränkischen Hersbruck. " Sie bringen die Wasser-Fettschicht der Hautoberfläche aus dem Gleichgewicht. Dieser Hydrolipidfilm hat eine wichtige Funktion : Er schützt nicht nur vor Austrocknung, sondern auch vor dem Eindringen von Krankheitserregern. "

Idealerweise sollte die Luftfeuchtigkeit in einem 20 bis 22 Grad warmen Raum bei 40 bis 60 Prozent liegen. Doch im Winter ist das selten der Fall, weil kalte Luft weniger Feuchtigkeit aufnehmen kann. Hinzu kommt noch : Wegen der Kälte wird in Büros und Privaträumen seltener und kürzer gelüftet. Die Konsequenzen für die Haut : Sie gibt mehr Feuchtigkeit ab, kann aber gleichzeitig nicht mehr ausreichend davon produzieren. Grund : Ist es kalt, verengen sich die Blutgefäße : Die Haut wird schlechter durchblutet, die Erneuerung ihrer obersten Schichten verlangsamt sich, ebenso die Reparaturmechanismen. Bereits ab einer Temperatur von + 8 Grad stellen die Talgdrüsen ihre Arbeit ein. Das bedeutet weniger Fett, das die Haut braucht, um Feuchtigkeit zu binden.

Im Skiurlaub lauern weitere Gefahren für die Haut : Pro 1000 Höhenmeter erhöht sich die Sonneneinstrahlung um 20 Prozent. Durch die kalte Luft ist ein Sonnenbrand nicht sofort zu spüren.

Was die Haut im Winter braucht :

Nicht zu heiß und zu lange duschen. Heißes Wasser entzieht der Haut zusätzlich Fett. Wechselduschen dagegen regen die Durchblutung an – und damit die Erneuerung der Zellen.

Anstelle von Badeschaum besser Ölbäder auf mineralischer oder pflanzlicher Basis nehmen. Sie versorgen die Haut nicht nur mit Pflegestoffen, sondern wirken gleichzeitig rückfettend.

Vorsicht bei Gesichtscremes und Lotionen mit hohem Wasseranteil : Da der Wasseranteil bei Kälte schneller verdunstet, ist die Schutzwirkung nicht mehr ausreichend gegeben. Deshalb im Winter – entgegen sonstiger Empfehlungen – auf fetthaltige Pflege zurückgreifen.

Beim Aufenthalt in der Kälte warme Handschuhe und Socken tragen. Das erhöht die Hautdurchblutung und unterstützt die Produktion von Talgund Schweißdrüsen. Beim Skifahren in großer Kälte selbstwärmende Gelkissen einlegen.

Um den Feuchtigkeitsverlust auszugleichen, sollte man viel trinken, am besten Wasser und Kräutertee. Tabu ist jedoch Alkohol, denn der entwässert den Körper im kalten Klima noch zusätzlich. Calcium hat eine zellstabilisierende Wirkung und ist nicht nur für die Haut, sondern auch für die Knochen wertvoll.

Menschen mit Ekzemen, trockener Haut oder Neurodermitis sollten jetzt verstärkt auf den Wasser- und Fettfilm ihrer Haut achten. Durch eine Unterfunktion der Talg- und Schweißdrüsen ist die Haut eines Neurodermitikers immer der Gefahr zu großer Trockenheit ausgesetzt. Regelmäßiges Eincremen, eventuell mit Zusätzen von Harnstoff, Mandelöl oder Panthenol, wirkt der Austrocknung der Haut entgegen. Auch Diabetiker und Nierenkranke, bei denen der Schutzmantel der Haut generell gestört ist, müssen jetzt besonders aufpassen : ihr Infektionsrisiko ist im Winter erhöht, weil Krankheitserreger leichter durch die abwehrschwache Haut eindringen können. Eventuell vom Hautarzt eine Spezialsalbe verschreiben lassen.

Wer im Winter in die Tropen fliegt, sollte einen höheren Sonnenschutz im Gepäck haben als im Sommer. Grund : Die Haut ist jetzt strahlungsentwöhnt und daher deutlich empfindlicher.