• Die Verbreitung der Hyazinthen in Europa begann im Mittelalter : Im 16. Jahrhundert gelangten die Zwiebeln von Istanbul nach Italien. Von dort aus fanden sie ihren Weg in Länder nördlich der Alpen und erlebten einen Boom.

• Hyazinthen waren damals exotische Neuheiten : In Holland wurden im 17. Jahrhundert deshalb nicht nur für Tulpenzwiebeln atemberaubende Preise gezahlt, auch Hyazinthenzwiebeln waren teuer gehandeltes Spekulationsobjekt und wechselten für hohe Beträge den Besitzer. Nicht nur in den Niederlanden, auch in England und in Deutschland entstanden viele neue Hyazinthensorten.

• Ein wichtiges Zuchtgebiet befand sich im 18. und 19. Jahrhundert im Raum Berlin, denn der Sandboden erwies sich als sehr geeignet für ihre Kultur. Vor den Toren Berlins gab es damals viele Hyazinthenfelder, die an den Wochenenden im Frühling die Menschen anlockten. Die Besucher konnten schon damals getopfte Hyazinthen mit nach Hause nehmen. ( ddp )

Unzählige sternförmige Einzelblüten recken sich zu wahren Blütentürmen empor : Hyazinthen kündigen den Frühling an und verströmen dabei einen intensiven Duft. Im Garten zeigen sich die Zwiebelblumen erst ab April, für das Haus gibt es zurzeit aber viele vorgetriebene Hyazinthen in Töpfen und Gefäßen. Sie haben die alte Tradition der Wassertreiberei von Hyazinthen-Zwiebeln etwas in Vergessenheit geraten lassen.

Illertissen ( ddp ). " Das ist sehr schade, denn es ist ein herrliches und zugleich so stilles Spektakel, über einen Zeitraum von mehreren Wochen das enorme Wurzelwachstum, den Austrieb und das Entfalten der Blüten in allen Einzelheiten mitzuverfolgen ", schwärmt Ulrike Bosch von der Staudengärtnerei Gaissmayer im schwäbischen Illertissen. Um im zeitigen Frühjahr blühende Zwiebelblumen im Haus zu haben, muss die Treiberei bereits im November starten. Denn etwa acht Wochen brauchen die Zwiebeln, um sich für die Blüte vorzubereiten. Wer das Antreiben im Herbst versäumt hat, kann sich jetzt aber noch vorgetriebene Hyazinthen auf Gläsern im Blumenhandel besorgen und die Schlussphase dieses Wachstums beobachten.

Unterschiede in der Duftstärke
Hyazinthen, botanisch Hyacinthus orientalis, werden wegen ihrer duftenden Blüten bereits sehr lange kultiviert. Ursprünglich stammten sie aus dem östlichen Mittelmeergebiet und dem Nahen Osten, erläutert das Informationsbüro für Zwiebelblumen in Düsseldorf. Wild wachsende Hyazinthen haben lockere Blütentrauben mit nur wenigen Einzelblüten. Die durch Züchtung entstandenen Gartenhyazinthen besitzen dagegen viel dichtere und auffallendere Blütenstände. Sie präsentieren sich in Farben von reinem Weiß bis zu dunklem Rotviolett.

Hyazinthensorten unterscheiden sich insbesondere auch in ihrer Duftstärke. Einige riechen so intensiv, dass schon eine Pflanze ausreicht, um einen ganzen Raum mit ihrem Duft zu füllen. Dazu zählen beispielsweise die Sorten " Delft Blue " und " Blue Star ". Menschen mit empfindlichen Nasen raten die Zwiebelblumen-Experten zu schwach duftenden Hyazinthen wie " White Pearl ", " Pink Pearl ", " Blue Pearl ", " Jan Bos " und " Purple Sensation ". Mittelstark riechen " Atlantic ", " Anna Marie " sowie " Splendid Cornelia ".

Um Hyazinthen anzutreiben, empfehlen sich sogenannte präparierte Zwiebeln. Sie haben bereits eine mehrwöchige Temperaturbehandlung hinter sich und blühen dadurch früher als unbehandelte Zwiebeln. " Man kann aber durchaus auch mit nicht präparierten Zwiebeln beachtliche Erfolge erzielen ", sagt Ulrike Bosch. Die Zwiebeln werden zum Antreiben auf Gläser gesetzt, die am besten mit abgekochtem Wasser gefüllt sind. " Ganz wichtig zu beachten : Der Zwiebelboden darf dabei keinesfalls direkt mit dem Wasser in Kontakt kommen, da sonst Fäulnisgefahr besteht ", erklärt die Landschaftsökologin und Staudengärtnerin. Man kann die Zwiebeln auch zuerst auf feuchtem Sand vorziehen und danach auf die mit Wasser gefüllten Gläser setzen. Die Hyazinthen müssen zunächst kühl bei fünf bis neun Grad und dunkel stehen – und zwar so lange, bis ein wirklich kräftiges Wurzelwachstum erfolgt ist.

Erst wenn die Blütenknospe sichtbar wird, darf das Glas mit der Zwiebel in einen etwas wärmeren Raum. Um den kleinen Trieb weiterhin abzudunkeln, kann er ein dekoratives Hyazinthen-Hütchen aus farbigem Papier erhalten. Sobald der wachsende Trieb das Hütchen anhebt, wird es abgenommen. Etwa acht Wochen nach Beginn der Treiberei entfaltet sich ein bunter Blütenreigen auf der Fensterbank. " Die Blüte hält sich besonders lange, wenn Hyazinthen an einem vergleichsweise kühlen Ort stehen oder zumindest über Nacht etwas kühler gestellt werden ", erklärt Ulrike Bosch.

Nach der Blüte müssen die Zwiebeln nicht weggeworfen werden. Hyazinthen können in den Garten umsiedeln, das Laub sollte dabei aber nicht entfernt werden. Denn um neue Kräfte schöpfen zu können, muss die Pflanze mit den grünen Blättern Photosynthese betreiben können. Beim Pflanzen der Zwiebeln sind Handschuhe sinnvoll, denn Hyazinthen sind leicht giftig und können bei Kontakt zu Hautreizungen führen.