Frage : Ich habe gelesen, dass das B-Vitamin Folsäure in

die Kritik geraten ist. Wie

lauten die aktuellen Empfehlungen zur Folsäure-Einnahme ?

Es antwortet Dr. Simone Pötzsch vom Fehlbildungsmonitoring Sachsen-Anhalt :

Aktuelle Ernährungsstudien zeigen, dass mehr als die Hälfte der deutschen Bevölkerung durchschnittlich nur circa 200 µg Folsäure pro Tag zu sich nimmt. Dies entspricht der Hälfte der empfohlenen Tagesdosis für Erwachsene.

Für den Fall einer Schwangerschaft ist dies nicht ausreichend, da hier der Folsäure-Bedarf bei 600 µg pro Tag liegt. Um dieses Defizit zu decken, wird allen Frauen, die eine Schwangerschaft planen, die vorbeugende Einnahme von 400 µg Folsäure pro Tag empfohlen. Die Einnahme sollte mindestens vier Wochen vor Eintritt der Schwangerschaft begonnen und während der Schwangerschaft mindestens im ersten Schwangerschaftsdrittel fortgeführt werden. Günstig ist ein Folsäurepräparat aus der Apotheke oder der Drogerie mit der entsprechenden Dosis. Eine ausgewogene Ernährung liefert in der Praxis nicht konstant die für die Schwangerschaft empfohlene tägliche Menge an Folsäure.

Über angereicherte Lebensmittel kann eine verbesserte Zufuhr erreicht werden, allerdings muss dabei genau auf die Nährwertkennzeichnung der Produkte geachtet werden. Folsäurehaltiges Salz ist beispielsweise im Handel erhältlich und enthält pro 1 Gramm 100 µg Folsäure. Mit der täglichen Einnahme eines Folsäurepräparates mit 400 µg in der Schwangerschaft ist eine Überdosierung des Vitamins nicht möglich.

Folsäure ist in der Schwangerschaft sehr wichtig für die Entwicklung und das Wachstum des Babys. In mehreren Studien wurde bewiesen, dass die Zahl der Kinder mit Fehlbildungen des zentralen Nervensystems, wie Spina bifida (" offener Rücken ") um die Hälfte reduziert werden kann, wenn die werdende Mutter eine entsprechende Folsäureprophylaxe durchführt. Es gibt Hinweise, dass auch Herzfehler und Lippen- und Lippen-Kiefergaumenspalten seltener auftreten, wenn eine Folsäureeinnahme erfolgte. Diese einfache Methode der Prävention angeborener Fehlbildungen wird jedoch leider immer noch von zu wenigen Frauen durchgeführt. Jede Frau sollte sich daher vom Gynäkologen vor Eintritt einer Schwangerschaft entsprechend beraten lassen.

Da Folsäure bei der Zellteilung und -neubildung beteiligt ist, wird derzeit kontrovers über mögliche unerwünschte Wirkungen im Falle einer erhöhten Zufuhr diskutiert. Es wird empfohlen, nicht mehr als 1000 µg Folsäure pro Tag zu sich zu nehmen. Einige Studien zeigten Hinweise für ein vermehrtes Auftreten von Dickdarmkrebs bei Patienten mit familiärer Belastung, die zusätzlich Folsäure einnahmen. Andererseits konnte gezeigt werden, dass eine gute Folsäureversorgung des Körpers das allgemeine Krebsrisiko wahrscheinlich mindert.

Ein Zusammenhang zwischen einer Folsäureeinnahme in der Schwangerschaft und dem späteren Auftreten von Erkrankungen, zum Beispiel Asthma beim Kind, ist nicht sicher belegt. Es konnte gezeigt werden, dass eine Folsäureprophylaxe das Risiko des Kindes, im späteren Leben an Leukämie zu erkranken, minimiert.