Wer regelmäßig das Tanzbein schwingt, kann eines mit großer Gewissheit sagen : Hinterher verlässt man fast immer gelöst, nicht selten beschwingt den Saal. Man fühlt sich rundum wohl. Gedanken an den Alltagsstress, Ärger oder Trübsinn sind wie fortgeblasen.

Berlin ( ddp ). Warum Tanz dem Menschen schon seit Urzeiten guttut und heute erst recht ein Glücksgarant ist, erklärt die Lehrerin für orientalischen Tanz und Tanztherapeutin Gerlinde Langer aus dem bayerischen Dießen am Ammersee, die dem Zusammenhang seit Längerem auf den Grund geht. Ihre Erfahrung spricht für sich : " Zu 99, 9 Prozent – ich würde eigentlich sagen, zu 100 Prozent – verändert sich die Stimmung der Schüler im Tanzunterricht zum Positiven. " Teilnehmerinnen, die niedergeschlagen oder müde hereinkommen, gehen immer in besserer Stimmung nach Hause. Sie sind gelöster, entspannter, manchmal auch wohlig erschöpft : " Da ist es ganz egal, was ich in der Tanzstunde konkret unterrichtet habe. "

Den Stimmungsumschwung erklärt sie sich so : " Selbst wenn man sich schlecht fühlt, lässt sich das immer in Bewegung zur Musik ausdrücken oder umsetzen. " Die Teilnehmer tanzen den Groll, den Frust oder den Stress heraus. Dabei verfliegen die negativen Emotionen nach und nach, die Anspannung lässt nach. Miesepeter werden zusehends heiterer. Mürrische Gesichter hellen sich auf.

Weshalb Tanzen die Laune bessert, wissen auch Forscher nicht exakt zu beantworten. Natürlich werden wie beim Joggen Endorphine, also Glückshormone frei, und das Hören von schöner Musik steigert bekanntlich das Wohlbefinden. Auch das Zusammensein mit anderen kann zur Freude und Entspannung beitragen. Und außerdem macht jede Form der Bewegung fit und das wiederum zufrieden. Vielleicht ist es eben dieses Zusammenspiel mehrerer Wohlfühlfaktoren, die den Tanz in ein zuverlässiges Wellnessprogramm verwandeln.

Jedenfalls entdecken gegenwärtig wieder mehr Menschen ihre Liebe zur Bewegung im Rhythmus der Musik. " Jede Art von Tanz ist für das Wohlbefinden geeignet ", findet Langer. Um sich glücklich zu tanzen, ist es völlig gleichgültig, welchen Stil man praktiziert. Ob Ausdruckstanz, Breakdance, Hip Hop, Salsa, Ballett, orientalischer Tanz oder Tango Argentino – alle Formen können zur persönlichen Freudenquelle werden.

Allerdings können komplizierte Schrittfolgen oder akrobatische Bewegungsabläufe auch Stress auslösen. Und wenn der Partner einem permanent auf den Füßen steht oder partout den Takt nicht hört, wird das jeder noch so geduldigen Dame den Abend verleiden. " Bestimmte Tanzformen zu erlernen, kann frustrierend sein ", sagt Langer.

Um einer seelischen Bauchlandung vorzubeugen, empfiehlt es sich deshalb, die eigene Beweglichkeit und das Taktgefühl vorher abzuschätzen. Wer schon bei einer Kniebeuge stöhnt, sollte lieber vom Ballettkurs lassen. Und wenn Walzer- und Tangomusik zum Verwechseln ähnlich klingen, wird der Standardtanzkurs wenig Vergnügen bereiten. Letztlich muss jeder selbst herausfinden, welche Art von Tanz am besten zu den eigenen Neigungen und Talenten passt. Kurze Lernphasen ohne Höhenflug sollten indes nicht abschrecken. " Der Wohlfühleffekt wird kommen, wenn das Können wächst ", ermutigt Langer.

Im Unterschied zu vielen anderen Wellnessangeboten, angefangen von Massagen bis hin zu Kosmetikbehandlungen, ist Tanz eine Wohlfühlkur, die man sich selbst verabreicht. " Das finde ich einen sehr wichtigen Punkt ", urteilt Langer. " Man kann sich um die eigene seelische Balance aktiv kümmern. Man übernimmt Verantwortung für sich selbst. " Langer plädiert deshalb auch dafür, aktive und passive Wellness zu kombinieren.