Noch ist der Garten im Winterschlaf, doch Gartenkataloge wecken bereits die Lust auf die kommende Saison im Grünen. Bei den Vorbereitungen lohnt sich ein Blick auf altes Gärtnerwissen, wie es beispielsweise in den Klostergärten praktiziert wurde. Denn was früher weit verbreitet war, ist heute oft ein Geheimtipp. Das beginnt schon bei der Aussaat : So keimen viele Samen erheblich besser, wenn sie ein wachstumsförderndes Kräuterbad bekommen haben.

München ( ddp ). " Erst nachdem sich die Samen mit Wasser vollgesogen haben und die keimhemmenden Stoffe ausgewaschen oder abgebaut wurden, wacht der Keimling auf und arbeitet sich zum Licht vor ", sagt Gartenbau-Ingenieurin Andrea Kern, die in einem neuen Buch viele Tipps aus alter Zeit zusammengestellt hat (" Gärtnerwissen aus alter Zeit ", blv Buchverlag ). So saugen sich Schmetterlingsblütler wie Erbsen, Bohnen und Lupinen vor der Saat gerne mindestens eine Stunde lang mit Kamillentee voll. Andrea Kern empfiehlt dafür zwei Teelöffel getrocknete Blüten pro Tasse, die zehn bis zwölf Stunden ziehen sollten.

Baldrian fördert das Wurzelwachstum der Keimlinge ebenfalls. Dieses Kräuterbad bevorzugen die Samen von Zwiebeln, Lauch, Tomaten, Paprika, Andenbeere und Sommerblumen. " Ein mehrstündiges Vollbad in Baldrianblüten-Extrakt verhilft kälteempfindlichen Arten wie Gurken oder Zucchini auch bei widrigem Wetter zu einem guten Start ", erklärt Kern. Wie sie Kürbisgewächse stärken konnten, wussten vor mehr als 2000 Jahren schon die römischen Gärtner : Sie badeten die Samen von Gurken, Kürbis und Melonen in Molke oder Milch.

Kräftigend und stärkend wirkt eine Vorbehandlung mit Ackerschachtelhalm-Brühe,

deren Kieselsäure die Samen widerstandsfähiger macht. Auch darin gebadete Kartoffelknollen werden so vor Pilzkrankheiten geschützt. Mit Meerrettich und Knoblauch beugt man ebenfalls Pilzbefall vor. Man zerkleinert dafür jeweils 100 bis 150 Gramm möglichst gründlich, übergießt die breiige Masse mit handwarmem, abgekochtem Wasser oder mit Regenwasser und seiht nach ein bis drei Stunden ab. In einem Knoblauchbad fühlen sich Tomaten, Gurken, Zinnien, Rittersporn und Ringelblumen wohl. " Schmetterlingsblütlern und Kohlgewächsen behagt diese Badekur aber überhaupt nicht ", erklärt Kern. Das Vorquellen in Meerrettichwasser tut allen Gemüse- und Blumensamen außer Kohlgewächsen und anderen Kreuzblütlern gut.

Saatgut im Kaufjahr

aufbrauchen

Auch die Schwestern der Benediktinerabtei in Fulda gärtnern seit Jahrhunderten naturgemäß und säen keinen Samen aus, ohne ihn vorher in Kräutertee einzuweichen. Sie schwören auf die alte englische Rezeptur " Humofix ", die Baldrianblüten, Schafgarbe, Löwenzahn, Bennnessel, Kamille und Eichenrinde enthält.

Diese Kräuterpulvermischung hat es nach Auskunft der Benediktinerinnen in sich : Schafgarbe und Kamille hemmen das Wachstum von Pilzen und Bakterien, andere Bestandteile fördern Mikroorganismen, machen die Samenschale durchlässig und regen das Wurzelwachstum an. " In Kräutersud vorgequollene Samen keimen nicht nur zügig, sie wachsen auch kräftig und gesund ", sagt Andrea Kern. Zudem schwimmen beschädigte und taube Samen an der Oberfläche und lassen sich während des Bades leicht aussortieren. Vollgesogene, gesunde Samen sinken dagegen zu Boden.

Die tropfnassen Samen lässt man auf einem Küchentuch aus Papier oder Baumwolle trocknen. Sie sollten innerhalb eines Tages ausgesät werden, da der Keimvorgang durch das Baden bereits begonnen hat.

Die Bayerische Gartenakademie empfiehlt allerdings, grundsätzlich mit der Aussaat zu warten, bis sich der Boden bereits etwas erwärmt hat.

Bei einer Mindestkeimtemperatur von vier Grad Celsius keimen etwa Möhren erst nach zirka sechs Wochen. Bei einer Bodentemperatur von zwölf Grad benötigten sie dagegen nur 14 Tage, erklären die Experten.

Werden im Freiland Vliese und Folien genutzt, kann der Aussaattermin generell etwa zwei Wochen vorgezogen werden : Der Boden erwärmt sich schneller, zusätzlich schützen Vliese und Folien vor Schädlingsbefall durch Gemüsefliegen und vor Vögeln.

Übrigens sollte Saatgut generell im Kaufjahr aufgebraucht werden. Bei allen Gemüsearten lässt nämlich die Keimfähigkeit im Laufe der Zeit nach. Auch Keimschutzpackungen können das Altern nicht verhindern.

• Herbert Bischoff, Susanne Bruns, Helmut Jantra : " Altes Gartenwissen ", Kosmos, 2008, 16, 95 Euro, ISBN : 978-3440111918

• Karin Hochegger : " Bauerngärten : Altes Wissen neu entdeckt ", Av Buch, 2006, 19, 90 Euro, ISBN : 978-3704021380

• Andrea Kern : " Gärtnerwissen aus alter Zeit ", blv Buchverlag, 2009 127 Seiten. ISBN : 978-3835405714, 9, 95 Euro

• Charlie Ryrie : " Großvaters Gartenwissen : Altbewährte Praxistipps fürs ganze Jahr ", Bassermann, 2009, 7, 95 Euro, ISBN : 978-3809424093