Auskunft zu bautechnischen Ursachen und mietrechtlichen Konsequenzen von Feuchtigkeit und Schimmelpilzbildung in Wohnräumen gaben gestern am Volksstimme-Telefon Dr. Holger Neumann von Haus & Grund Sachsen-Anhalt, Fachanwalt Detlef Baarth und Architekt Uwe Diederich. Fragen und Antworten notierte Anja Hintze.

Frage : Es wird immer zum Stoßlüften geraten. Verschwendet man dabei nicht Energie ?

Antwort : Eine kurze intensive Stoßlüftung – am besten drei mal am Tag für fünf bis zehn Minuten für Durchzug sorgen, also alle Fenster ( und Türen ) gleichzeitig öffnen – ist die energiesparendste Methode, um das Raumklima zu verbessern und Schimmel vorzubeugen. Die Luft hat eine geringe Wärmekapazität. Die Wärme ist in den Wänden gespeichert. Nach einem kurzen, aber vollständigen Luftaustausch wird sich die trockene Luft sehr schnell wieder im Zimmer erwärmen.

Trockene Luft benötigt sogar weniger Wärmeenergie als Luft mit hoher Luftfeuchtigkeit, da weniger Wasserteilchen im dampfförmigen Zustand gehalten werden müssen. Die trockene Winterluft nimmt bei ihrer Erwärmung Feuchtigkeit aus den Räumen auf, so dass ein sehr angenehmes Raumklima entsteht.

Frage : Wie heize ich richtig, um das Wachstum von Schimmelpilzen zu vermeiden ?

Antwort : Neben dem regelmäßigen Lüften gehört das Heizen zur Schimmelpilzvorbeugung. Denn nur warme Luft kann genügend Feuchtigkeit aufnehmen. Heizen Sie also Haus und Wohnung mindestens ein Mal am Tag richtig durch. Lassen Sie die Temperaturen ansonsten niemals unter 17 Grad fallen.

Frage : Wie gefährlich sind Schimmelpilze für die Gesundheit ?

Antwort : Spuren von Schimmelpilzen sind in jeder Wohnung vorhanden und in niedrigen Konzentrationen ungefährlich. Bei Risikogruppen wie Allergikern und Kindern, aber auch älteren Menschen, können hohe Schimmelpilzkonzentrationen zu gesundheitlichen Beschwerden führen.

Frage : Wie lassen sich Schimmelpilze am besten bekämpfen ?

Antwort : Geringen Schimmelpilzbefall kann man mit hochprozentigem Alkohol einsprühen und danach entfernen. Welche handelsüblichen Schimmelpilzmittel empfehlenswert sind, hat die Stiftung Warentest geprüft ( siehe Kasten ). Die verwendeten Tücher und Lappen wie auch die Tapete sind zu entsorgen.

Bei starkem, intensivem Schimmelbefall und größeren Flächen sollte man Fachleute konsultieren. Unabhängig von der Größe des Schadens sollten Mieter immer ihren Vermieter informieren, um Folgeschäden zu vermeiden.

Frage : Unsere Wohnung liegt im ersten Obergeschoss, wir haben in einer Ecke zur Außenwand hinter dem Schrank Schimmel. Was sollen wir tun ?

Antwort : Im ersten Obergeschoss kann man aufsteigende Feuchtigkeit ausschließen. Wenn die Fassade bautechnisch in Ordnung ist, deutet vieles darauf hin, dass ein ungünstiges Raumklima in Verbindung mit einer geometrischen Wärmebrücke Ursache der Schimmelbildung ist. Dabei gibt es eine große Oberfläche im Vergleich zu einem geringen Volumen, ähnlich wie bei einer Kühlrippe. Die Temperaturverteilung an Außenwänden ist daher nicht gleichmäßig. Sie sinkt in den Ecken stark ab. Kann durch das Verstellen mit Möbeln die Wand durch geringe Luftzirkulation nicht ausreichend erwärmt werden, wird an einigen Stellen Feuchtigkeit kondensieren.

Durchfeuchtetes Mauerwerk ist aber ein sehr guter Wärmeleiter. Schon bei fünf Prozent Feuchtigkeit im Mauerwerk sinkt die Wärmedämmfähigkeit um zirka 50 Prozent. Die feuchte Stelle kann sich ausbreiten, und die ganze Giebelwand wird durchfeuchtet.

Die wichtigsten Maßnahmen sind das Trocknen des Mauerwerkes, Überprüfung der Fassade und eine Verringerung der Luftfeuchtigkeit in den Innenräumen durch gutes Heizen und Lüften.

Frage : Ich bin Vermieter, mein Mieter beschwert sich über Schimmelbildung. Er wohnt erst seit einem Jahr in der Wohnung, und vorher gab es nie Probleme. Darf er einfach so die Miete mindern ?

Antwort :

Schimmel im Mietverhältnis ist immer ein bautechnisches und juristisches Problem. Tritt Schimmel in der Wohnung auf, so ist es ein Mangel, der zu Mietminderung berechtigt. Hat der Mieter den Mangel verschuldet, so ist die Mietminderung unberechtigt, und gegebenenfalls hat der Mieter dann auch die Kosten der Schadensbeseitigung zu zahlen.

Im Allgemeinen ist es so, dass der Mieter zunächst das Vorliegen eines Mangels und die rechtzeitige Anzeige nachweisen muss. Danach liegt die Beweislast beim Vermieter. Er muss zeigen, dass das Gebäude mangelfrei ist.

In der Regel wird dazu entweder vor oder während des Prozesses ein Sachverständigengutachten eingeholt. Bestätigt der Sachverständige die Mängelfreiheit des Bauwerkes, muss der Mieter sich von dem Vorwurf der falschen Wohnnutzung entlasten. Das ist ein recht kompliziertes Verfahren, indem es selten einen eindeutigen Gewinner gibt.

Frage : Bei niedrigen Außentemperaturen, ab zirka minus drei Grad Celsius, beschlagen auch meine Thermoscheiben. Ist das normal ?

Antwort : In den vergangenen Jahren hat sich die Technik der Fenster außerordentlich entwickelt. Trotzdem muss man sein Wohnverhalten auf niedrige Außentemperaturen einrichten. Die früheren Einfachfenster waren so beschlagen, dass sich Eisblumen bildeten, und in den Fensterbrettern waren Wasserrillen enthalten, die teilweise sogar noch in einem darunterliegenden Kasten entwässerten. Wenn man bedenkt, dass jeder Mensch während einer Nacht ein bis zwei Liter Wasser abgibt, so kann man sich vorstellen, welche Feuchtigkeitsmengen eine moderne Wohnung aufnehmen muss.

Es ist also normal, dass auch Thermoglasscheiben bei sehr niedrigen Außentemperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit im Innern beschlagen. Man muss die Fenster dann auch auswischen. Sonst führt die herunterlaufende Feuchtigkeit zu nassen Laibungen im Fenster und zu Schimmelpilzbildung. Vor dem Winter sollte man auch die Dichtungen der Fenster mit Silikon behandeln und Schlösser und Scharniere einölen. Beim Auto sind diese Prozeduren selbstverständlich, aber auch moderne Fenster verlangen ein Minimum von Wartung und Pflege.

Frage : Wir haben einen Altbaukeller, und man hat uns gesagt, das wir im Sommer auf keinen Fall lüften sollen. Ist das richtig ?

Antwort : Luft kann in Abhängigkeit von ihrer Temperatur unterschiedliche Mengen an Feuchtigkeit aufnehmen. In warmer Luft ist viel Feuchtigkeit, in kälterer Luft wenig Feuchtigkeit angereichert.

Wenn Sie im Sommer Ihren Keller lüften, dringt warme, feuchtigkeitsgesättigte Luft in ihren Keller ein. Sie kühlt sich an den kalten Wänden ab und die Feuchtigkeit fällt als Kondensat aus.

Lüften Sie dagegen im Winter, wird sich die trockene und kalte Außenluft in ihrem Keller erwärmen und Feuchtigkeit aufnehmen. Mehrere kurze, aber wirkungsvolle Lüftungsvorgänge im Keller sind daher anzuraten. Im Sommer sollte man dagegen das Fenster weitgehend geschlossen lassen.

Frage : Wie gut sind schimmelpilzresistente Farben ?

Antwort : In diesen Farben sind meist toxische Inhaltsstoffe enthalten, die Schimmelpilze verhindern. Sie sind zumeist für Menschen ungefährlich. Trotzdem ist es auf Dauer besser, bautechnische Ursachen zu beseitigen und sein Wohnverhalten zu ändern.

Frage : Man hat uns Calciumsilikatplatten zur Schimmelpilzbekämpfung angeboten. Was halten Sie davon ?

Antwort : Calciumsilikat ist ein anorganischer Baustoff, der das zweifache seines Eigengewichtes an Wasser aufnehmen kann. Fachgerecht behandelt und angebracht, nimmt er im Winter die Kondensfeuchtigkeit auf und gibt sie im Sommer wieder ab. Zur Innendämmung und Schimmelpilzbekämpfung wird Calciumsilikat erfolgreich eingesetzt.

Frage : In unserem Haus hatten wir schon immer einen etwas feuchteren Keller. Jetzt zeigt sich aber auch Feuchtigkeit und Schimmel im Erdgeschoss. Was können wir tun ?

Antwort : Die Feuchtigkeitsverteilung im Mauerwerk ist ein dynamischer Gleichgewichtsprozess. Gerade ältere Häuser hatten früher immer einen nicht ganz trockenen Keller und waren trotzdem im Erdgeschoss bewohnbar. Die aufsteigende Feuchtigkeit konnte entweder im Keller oder konnte im Sockelbereich verdunsten. Werden jetzt allerdings dichtschließende Kellerfenster eingebaut, der Sockel diffusionsundurchlässig verkleidet, die Räume im Erdgeschoss wenig gelüftet und ist dort die Luftfeuchtigkeit hoch, so steigt die Feuchtigkeit im Mauerwerk über Jahre hinweg kontinuierlich an und dringt auch in höhere Schichten vor.

Bei diesem veränderten Wohnverhalten wird man um eine Trockenlegung oder Teiltrockenlegung des Kellers nicht umhinkommen.

Frage : Die Fliesen in unserer Dusche sind schimmlig. Können wir die Miete mindern ?

Antwort : Fliesen und ihre Fugen bestehen aus anorganischem Material. Schimmel kann nur dann auftreten, wenn organische Ablagerungen ( Haut, Schuppen, Körperfett ) sowie eine dauerhafte Feuchtigkeit gegeben sind. In Duschen und allgemein in Feuchträumen ist es daher notwendig, dass rückstandsfrei gereinigt wird und die Dusche nach Gebrauch austrocknen kann. Gut ist es, feuchte Flächen trocken zu reiben oder den Raum auch nach dem Duschen ausreichend zu beheizen, so dass dauerhafte Feuchtigkeitsfilme vermieden werden.

Dann dürfte es auch keinen Grund zum Streit mit dem Vermieter geben, es sei denn, dass es bautechnische Probleme gibt, die Schimmel verursachen.