Jeder 250. Deutsche veträgt das Klebereiweiß Gluten nicht. Aber nur 10 bis 20 Prozent der Betroffenen weisen die für sogenannte Zöliakie typischen Symptome auf. 80 bis 90 Prozent der Patienten haben untypische oder keine Symptome und wissen oft nichts von ihrer Erkrankung. Zum heutigen Welt-Zöliakie-Tag beantwortet die Deutsche Zöliakie Gesellschaft (DZG) wichtige Fragen.

Was ist Zöliakie? Zöliakie ist eine chronische Erkrankung des Dünndarms. Sie beruht auf einer Unverträglichkeit gegenüber dem in Getreide enthaltenen Klebereiweiß Gluten.

Was ist der Unterschied zwischen Zöliakie und Sprue? Früher wurde zwischen Zöliakie und Sprue unterschieden. Trat Zöliakie im Kindesalter auf, sprach man von Zöliakie, bei einer Diagnose im Erwachsenenalter bezeichnete man sie als Sprue. Heute spricht man nur noch von Zöliakie, da es sich um die gleiche Krankheit handelt und nicht, wie früher angenommen, um zwei verschiedene Krankheiten.

Was ist Gluten? Gluten wird auch Klebereiweiß genannt und besteht aus den Proteinen Prolamin und Gluteline. Es hat für die Backeigenschaften von Mehl eine zentrale Bedeutung und kommt vor allem in den Getreidearten Weizen, Dinkel, Roggen, Gerste und Hafer vor.

Welche Lebensmittel enthalten Gluten? Die genannten Getreidearten sowie alle Lebensmittel, die sie enthalten, sind für Zöliakie-Betroffene selbst in kleinsten Mengen unverträglich. Hierzu gehören vor allem herkömmliche Back- und Teigwaren, zum Beispiel Brot, Brötchen, Kuchen, Nudeln und Pizza, aber auch Bier und Malzbier.

Welche Schäden verursacht Gluten bei Betroffenen? Die aufgenommene Nahrung wird im Dünndarm in ihre Bestandteile zerlegt und gelangt über die Dünndarmschleimhaut in den Körper. Damit der Körper mit ausreichend Nährstoffen versorgt werden kann, ist der Darm mit vielen Falten und kleinen Ausstülpungen, den sogenannten Zotten, ausgekleidet. Bei Zöliakie-Betroffenen führt die Zufuhr von Gluten zu einer Entzündung der Darmschleimhaut. Die Zotten bilden sich zurück, weshalb die Oberfläche des Dünndarms immer kleiner wird und nicht mehr genügend Nährstoffe vom Körper aufgenommen werden können. Die Folge der Schädigung der Dünndarmschleimhaut sind in der Regel Mangelerscheinungen.

Welche Symptome treten auf? Die Symptome von Zöliakie sind sehr vielfältig, deshalb können die Symptome oft nicht eindeutig zugeordnet werden. Das klassische Symptom ist Durchfall. Aber auch Eisenmangel, Wesensveränderungen wie Unzufriedenheit oder Weinerlichkeit sowie stagnierendes Wachstum sind typische Anzeichen für Zöliakie im Kindesalter. In späteren Jahren können auch Schlaflosigkeit, Müdigkeit oder Depressionen mögliche Symptome sein. Diese müssen nicht vollständig oder gleichzeitig auftreten.

Wie erkennen Eltern, Erzieher oder Lehrer Zöliakie? Typische Symptome im Kindesalter sind Gewichtsverlust, Wachstumsstillstand, Entwicklungsverzögerungen, Durchfall oder ein Blähbauch. Aber auch Weinerlichkeit, Gereiztheit oder Wesensveränderungen können auf Zöliakie hinweisen.

Wie wird Zöliakie diagnostiziert? Diagnostiziert wird Zöliakie durch eine Blutuntersuchung und eine Dünndarmbiopsie, bei der eine Gewerbeprobe entnommen wird. Der Bluttest auf die Antikörper Transglutaminase, Endomysium und Gliadin gibt den ersten wichtigen Hinweis. Die endgültige Absicherung der Diagnose erfolgt durch eine Dünndarmbiopsie.

Gibt es Risikogruppen für Zöliakie? Zöliakie wird häufig beobachtet bei Diabetes mellitus (Typ 1), Laktoseintoleranz, Osteoporose, Schilddrüsenerkrankungen, Rheumatoider Arthritis und beim Down-Syndrom. Auch Verwandte ersten und zweiten Grades sind häufiger betroffen als die Durchschnittsbevölkerung.

Wie wird Zöliakie behandelt? Zöliakie ist eine chronische Krankheit. Die einzige Therapie ist eine lebenslange, strenge glutenfreie Ernährung. Nur so kann sich die Dünndarmschleimhaut erholen und ihre Funktion zurückgewinnen. Schon bei kleinsten Mengen von Gluten treten jedoch erneut Schädigungen und Beschwerden ein. In den meisten Fällen tritt bereits wenige Wochen nach der Ernährungsumstellung eine Besserung ein, die Symptome von Zöliakie verschwinden dann in der Regel.

Kann Zöliakie vorgebeugt werden? Die einzige derzeit empfohlene präventive Maßnahme ist die Vermeidung von glutenhaltigen Lebensmitteln bei Kindern unter sechs Monaten. Nach der Diagnose von Zöliakie können durch eine strikte Diät Folgekrankheiten verhindert werden.

Wie erkennt man, dass Lebensmittel kein Gluten enthalten? Im Lebensmittelhandel müssen seit November 2005 alle Produkte, die Gluten enthalten, entsprechend gekennzeichnet sein. Viele glutenfreie Lebensmittel sind für Verbraucher an einem speziellen Siegel erkennbar: einer durchgestrichenen Ähre. Um sich rechtlich abzusichern, vermerken viele Hersteller jedoch auch auf der Verpackung, dass das Produkt Spuren von Gluten enthalten kann, obwohl es eigentlich kein Gluten enthält oder unter den festgelegten Grenzwerten liegt.

Wird die glutenfreie Ernährung vom Staat bezuschusst? Von Zöliakie betroffene Hartz-IV-Empfänger erhalten 66 Euro Zuschuss im Monat. Deutsche Normalverdiener erhalten keine Zuschüsse, sie können in ihrer Steuererklärung einen Härtefall anmelden. Hierzu müssen sie den Behindertengrad angeben (20 Prozent bei Zöliakie) und ein Attest vorlegen. Voraussetzung ist der Nachweis, dass sie bei Einhaltung der glutenfreien Ernährung beschwerdefrei sind.(ahi)

www.dzg-online.de