
Für Laien ist die Verwechslungsgefahr bei diesen beiden Pilzarten besonders groß. Die beiden linken Pilze sind eine essbare Champignonart. Die beiden rechten Pilze sind eine weiße, tödliche und giftige Knollenblätterpilzart. Nach deren Verzehr kommt es in der letzten Phase der Vergiftung zur Zersetzung der Leber. | Foto: Professor Wulf Pohle
Für Laien ist die Verwechslungsgefahr bei diesen beiden Pilzarten besonders groß. Die beiden linken Pilze sind eine essbare Champignonart. Die beiden rechten Pilze sind eine weiße, tödliche und giftige Knollenblätterpilzart. Nach deren Verzehr kommt es in der letzten Phase der Vergiftung zur Zersetzung der Leber. | Foto: Professor Wulf Pohle
In der zweiten Folge der Volksstimme-Reihe zum Thema Pilze und Vergiftungen geht es besonders um weiße Knollenblätterpilze. Der Magdeburger Pilzsachverständige Martin Groß stellt ihn vor.
Magdeburg (rgm) l Vom Grünen Knollenblätterpilz (Amanita phalloides) haben viele Menschen schon gehört und wissen meistens auch, dass er einer der gefährlichsten Giftpilze ist. Aber haben Sie auch schon gehört, dass es genauso giftige, das heißt tödlich giftige Knollenblätterpilze gibt, die noch leichter zu verwechseln sind als der Grüne Knollenblätterpilz?
Kennen Sie den Kegelhütigen Knollenblätterpilz (Amanita virosa) oder den Weißen Knollenblätterpilz (Amanita verna)? Ja, sie sind noch leichter, speziell mit essbaren Champignonarten, zu verwechseln, weil diese beiden Pilzarten eben vollständig weiß sind und nicht einmal eine grünliche Huthautfärbung haben. Auch sie enthalten Gifte wie der Grüne Knollenblätterpilz, die die Leber schwer schädigen und zu deren Zersetzung führen, wenn nicht schnell Hilfe naht.

Giftig, tödlich: Weißer Knollenblätterpilz
Eigenschaft: tödlich giftig
Hut: weiß, flach aufschirmend; Lamelle: weiß; Stiel: weiß, schlank, seidig-fasriger, bis zu 15 Zentimeter lang, mit flüchtiger Manschette;
Stielbasis: knollig verdickt und mit lappiger Hüllhaut;
Vorkommen: Laub- und Nadelwald, besonders bei Birken und Fichten
Vergiftungssymptome: heftiges Erbrechen und Durchfall, dann leichte Besserung, dabei beginnt die Zersetzung der Leber | Foto: Professor Wulf Pohle
Giftig, tödlich: Weißer Knollenblätterpilz
Eigenschaft: tödlich giftig
Hut: weiß, flach aufschirmend; Lamelle: weiß; Stiel: weiß, schlank, seidig-fasriger, bis zu 15 Zentimeter lang, mit flüchtiger Manschette;
Stielbasis: knollig verdickt und mit lappiger Hüllhaut;
Vorkommen: Laub- und Nadelwald, besonders bei Birken und Fichten
Vergiftungssymptome: heftiges Erbrechen und Durchfall, dann leichte Besserung, dabei beginnt die Zersetzung der Leber | Foto: Professor Wulf Pohle
Die im Volksstimme-Beitrag vom 4. September bereits für den Grünen Knollenblätterpilz beschriebenen Symptome (Erbrechen, Durchfall, Leberzerstörung) sind für die beiden genannten Arten die gleichen! Am leichtesten sind sie von gängigen essbaren Champignonarten zu unterscheiden, indem man die Lamellen anschaut. Die sind bei Champignons immer rosa bis schokoladenbraun, je nach Alter, während sie bei den sehr giftigen Knollenblätterpilzarten immer weiß sind.
Grundsätzlich gilt, sich die Merkmale der einzelnen Arten einzuprägen oder im Zweifel mit den frisch gesammelten Pilzen in eine Pilzberatungsstelle zu gehen. Um Pilze sicher erkennen zu können, muss immer der ganze Pilz betrachtet werden und darf nie abgeschnitten vorliegen.

Giftig, tödlich: Kegelhütiger Knollenblätterpilz
Eigenschaft: tödlich giftig
Hut: weiß, lange stumpfkegelige Hutform;
Lamellen (Blätter): weiß;
Stiel: schlank weiß, fasriger, mit flüchtiger Manschette, Stielbasis knollig verdickt mit hoch an der Stielbasis eng anliegende Hüllhaut;
Besonderheit: unangenehmer Geruch;
Vorkommen: im Wald, besonders im Bergland, selten,
Vergiftungssymptome: siehe Weißer Knollenblätterpilz | Foto: Professor Wulf Pohle
Giftig, tödlich: Kegelhütiger Knollenblätterpilz
Eigenschaft: tödlich giftig
Hut: weiß, lange stumpfkegelige Hutform;
Lamellen (Blätter): weiß;
Stiel: schlank weiß, fasriger, mit flüchtiger Manschette, Stielbasis knollig verdickt mit hoch an der Stielbasis eng anliegende Hüllhaut;
Besonderheit: unangenehmer Geruch;
Vorkommen: im Wald, besonders im Bergland, selten,
Vergiftungssymptome: siehe Weißer Knollenblätterpilz | Foto: Professor Wulf Pohle
Hingewiesen sei noch darauf, dass es eine weniger giftige Knollenblätterpilzart gibt als die genannten tödlich giftigen Arten - den Gelben Knollenblätterpilz (Amanita citrina). Er ist durchaus im Wald die am häufigsten anzutreffende giftige Knollenblätterpilzart. Man hat also nicht immer einen tödlich giftigen Knollenblätterpilz vor sich. Aber natürlich heißt es auch hier - Finger weg!
Und noch ein Hinweis - alle diese giftigen Arten dürfen keinesfalls "umgetreten" werden, weil sie unbekannte "böse" Pilze sind. Leider geschieht es immer noch. Es gilt generell, dass alle Pilze eine wichtige ökologische Funktion im Wald erfüllen, nämlich durch Zersetzungsprozesse, insbesondere bei totem Holz und Blättern den Wald quasi "aufzuräumen", da er sonst an seinem eigenen "Abfall" ersticken würde.

Schwach giftig: Gelber Knollenblätterpilz
Eigenschaft: schwach giftig
Hutfarbe: hellgelb bis weiß;
Lamellen (Blätter): weiß;
Stiel: weiß, mit flüchtiger Manschette, Stielbasis knollig verdickt, Knolle stark gerandet; Typischer Geruch nach Kartoffelkeimen;
Vorkommen: im Wald häufig
Vergiftungssymptome: Der Pilz enthält das Krötengift Bufotenin, das Herzrasen verursacht. Durch Abkochen kann das Gift allerdings unschädlich gemacht werden. | Foto: Professor Wulf Pohle
Schwach giftig: Gelber Knollenblätterpilz
Eigenschaft: schwach giftig
Hutfarbe: hellgelb bis weiß;
Lamellen (Blätter): weiß;
Stiel: weiß, mit flüchtiger Manschette, Stielbasis knollig verdickt, Knolle stark gerandet; Typischer Geruch nach Kartoffelkeimen;
Vorkommen: im Wald häufig
Vergiftungssymptome: Der Pilz enthält das Krötengift Bufotenin, das Herzrasen verursacht. Durch Abkochen kann das Gift allerdings unschädlich gemacht werden. | Foto: Professor Wulf Pohle
(Teil 3 der Volksstimme-Pilz-Reihe in der Sonnabend-Ausgabe der Volksstimme)

Giftig, tödlich: Grüner Knollenblätterpilz
Eigenschaften: tödlich giftig
Hutfarbe: hell- bis olivgrünlich;
Lamellen (Blätter): weiß;
Stiel: weiß, Oberfläche hellgrünlich genattert, immer mit weißer Manschette, Stielbasis knollig verdickt, mit lappiger Haut;
Vorkommen: bevorzugt in Laubwald mit Eichen und Buchen, sowie in Park- und Friedhofsanlagen, selten im Nadelwald; er wächst nur in Lebensgemeinschaft mit bestimmten Bäumen
Vergiftungssymptome: siehe Weißer Knollenblätterpilz | Foto: Professor Wulf Pohle
Giftig, tödlich: Grüner Knollenblätterpilz
Eigenschaften: tödlich giftig
Hutfarbe: hell- bis olivgrünlich;
Lamellen (Blätter): weiß;
Stiel: weiß, Oberfläche hellgrünlich genattert, immer mit weißer Manschette, Stielbasis knollig verdickt, mit lappiger Haut;
Vorkommen: bevorzugt in Laubwald mit Eichen und Buchen, sowie in Park- und Friedhofsanlagen, selten im Nadelwald; er wächst nur in Lebensgemeinschaft mit bestimmten Bäumen
Vergiftungssymptome: siehe Weißer Knollenblätterpilz | Foto: Professor Wulf Pohle

Essbar: Anis-Champignon
Eigenschaft: essbar
Hutfarbe: weiß, später gelb verfärbend (besonders nach Berührung);
Lamellen (Blätter): rosa (jung) bis schokoladenbraun (im Alter), niemals weiß wie beim Knollenbätterpilz;
Stielbasis: leicht verdickt jedoch nicht knollig und ohne lappige Hüllhaut;
Vorkommen: Der Anis-Champignon ist bevorzugt auf gedüngten Wiesen, in Parkanlagen oder an Waldrändern zu finden. | Foto: Professor Wulf Pohle
Essbar: Anis-Champignon
Eigenschaft: essbar
Hutfarbe: weiß, später gelb verfärbend (besonders nach Berührung);
Lamellen (Blätter): rosa (jung) bis schokoladenbraun (im Alter), niemals weiß wie beim Knollenbätterpilz;
Stielbasis: leicht verdickt jedoch nicht knollig und ohne lappige Hüllhaut;
Vorkommen: Der Anis-Champignon ist bevorzugt auf gedüngten Wiesen, in Parkanlagen oder an Waldrändern zu finden. | Foto: Professor Wulf Pohle