Dass sie wie dicke Hühner heißen, haben diese Pflanzen eigentlich nicht verdient. Denn Fetthennen oder botanisch Sedum zählen zu einer äußerst variantenreichen Pflanzengattung, in der es auch ganz filigrane Vertreter gibt. Die rund 500 Arten kommen vorwiegend in nördlichen Breitengraden vor, hier wachsen sie aber nahezu überall: Hoch oben auf dem Dach, als Unterpflanzung von Gehölzen, in Töpfen oder als prächtiger Blickfang im Steingarten.

Uebigau (dapd). Der Bund deutscher Staudengärtner hat die Fetthenne jetzt zur Staude des Jahres 2011 gewählt. Der deutsche Name bezieht sich auf ihre dickfleischigen Blätter. Sie dienen als Wasserspeicher und machen die anspruchslose Pflanze zu einem Trockenheitsspezialisten, der auch auf steinigen und mageren Böden gut gedeiht.

Das Angebot der Staudengärtnereien reicht von teppichbildenden Pflanzen, die nur wenige Zentimeter hoch werden, bis hin zu Arten, die eine Höhe von bis zu 60 Zentimetern erreichen. "Viele Sedum-Pflanzen ziehen im Winter ein und tanken Kraft für die kommende Saison. Es gibt aber einige Arten, die wintergrün sind und mit ihrem schönen Blattwerk auch in der kalten Jahreszeit für Struktur und Attraktivität im Garten sorgen", sagt Staudengärtner Klaus-Peter Manig aus dem brandenburgischen Uebigau.

Sedum, auch Mauerpfeffer genannt, sind äußerst genügsam: Alle Fetthennen lieben aber die Sonne und brauchen einen durchlässigen Boden. Und Staunässe vertragen die Pflanzen gar nicht, weil dann die Wurzeln faulen. "Besonders beeindruckt mich die Robustheit der Pflanzen", sagt Gärtner Björn Bofinger aus dem baden-württembergischen Brackenheim: Auch an trockenen oder sehr sonnigen Standorten bilden die Pflanzen zuverlässig schöne Blatt und Blütenteppiche.

Viele kleinwüchsige Sedum färben sich im Herbst nochmals attraktiv, etwa die Sorte "Coral Carpet" (Sedum album), die von Grün zu einem intensiven Korallenrot wechselt und damit zusätzlich für Farbe im herbstlichen Steingarten sorgt. Höherwüchsige Sedum-Vertreter eignen sich gut für Staudenbeete: Sie sind vom Austrieb über die Blüte bis hin zum Samenstand attraktiv. Je nach Sorte bilden sie von Juli bis Oktober 30 bis 60 Zentimeter hohe Blütenschirme. Mittlerweile gibt es auch gezüchtete Sorten, die in kräftigem Rosarot, Weiß, Hellrot oder leuchtend Dunkelrot blühen.

Im Staudenbeet pflanzt man sie gerne in kleinen Gruppen: "Gut lassen sich hohe Sedum mit Pflanzen kombinieren, die aufrechte Strukturen aufweisen. Diese bilden wunderbare Kontraste zu den tellerförmigen Fetthennen-Blüten", erklärt Klaus-Peter Manig. Gräser wie Federgras (Stipa) oder Reitgras (Calamagrostis) seien dafür geeignete Partner.

Sedum ist eine Pflanze für faule Gärtner: Einmal gepflanzt, gedeiht sie ohne besondere Pflege an den extremsten Standorten im Garten. "Wenn sonst nichts mehr wächst, dann sollten Sie es noch einmal mit Sedum probieren", rät Gärtner Björn Bofinger, der in seiner Staudengärtnerei viele Sedum-Sorten heranzieht. Die pflegeleichten Pflanzen begnügen sich mit dünnen Substratschichten und breiten sich an den unwirtlichsten Stellen aus. Voraussetzung ist aber ein sonniger Standort. Die Pflanzen machen sich auch gut in Töpfen. Wichtig ist, dass der Wasserabzug gewährleistet ist.