Viele Lebensversicherer haben für das Jahr 2011 niedrigere Zinsen angekündigt. Für ihre Kunden heißt das, dass sie einmal weniger herausbekommen werden. Die Stiftung Warentest erklärt, ob sich das Abschließen einer Lebensversicherung lohnt und wie sie genau verzinst wird.

Frage: Gehen Lebensversicherer jetzt pleite, weil sie zu wenig verdienen?

Antwort: Zurzeit steht offenbar kein Unternehmen auf der Kippe. Die staatliche Versicherungsaufsicht Bafin macht so genannte Stresstests. Damit kontrolliert sie, ob die Versicherer auch noch zahlungsfähig wären, wenn es eine neue Finanzkrise gäbe oder die Zinsen auf lange Sicht niedrig blieben.

Frage: Wie wirken sich sinkende Zinsen auf meine Lebensversicherung aus?

Antwort: In Euro und Cent lässt sich das nicht so einfach sagen. Jeder Vertrag ist anders. Die Versicherer senken außerdem nicht alle ihre Zinsen und nicht alle gleichermaßen. Marktführer Allianz geht auf 4,1, die Debeka auf 4,3 Prozent. Im Schnitt sinkt die Gesamtverzinsung nach einer Umfrage des Hamburger Abendblattes von 4,23 Prozent 2010 auf 4,08 Prozent 2011. Bei einigen Anbietern wie Dialog (4,3), Huk-Coburg (4,25) und Cosmos (4,25) bleibt die Verzinsung unverändert. Dadurch wird die Überschussbeteiligung der Kunden 2011 etwa so hoch bleiben wie im Vorjahr.

Frage: Meine Lebensversicherung läuft seit August 1995 und noch bis 2015. Soll ich trotz der schlechten Zinsen noch weiterzahlen?

Antwort: Bleiben Sie dabei. Als Sie Ihren Vertrag abgeschlossen haben, galt mit 4 Prozent ein recht hoher Garantiezins. Der ist Ihnen bis zum Ende der Laufzeit Ihres Vertrags sicher. Natürlich sind das effektiv nicht 4 Prozent, weil nicht Ihre komplette Einzahlung so verzinst wird. Sie bekommen den Zins nur auf den Sparanteil, der nach Abzug der Kosten bleibt. Wie viel von den 4 Prozent bei Ihnen ankommt, hängt davon ab, wie kostengünstig Ihr Versicherer wirtschaftet, wie viel er also für seine Dienste beansprucht.In den vergangenen Jahren gab es zudem Zeiten, in denen Ihr Anbieter gute Erträge am Kapitalmarkt erzielen konnte. Die Überschüsse, die Sie daraus bekommen haben, sind Ihnen genauso sicher wie der Garantiezins. Stehen Sie bis zum Ende durch, winkt Ihnen ferner ein Schlussüberschussanteil.

Frage: Wie erfahre ich, ob ich weniger herausbekomme, als mir bei Vertragsschluss einmal versprochen wurde?

Antwort: Ihr Versicherer schickt Ihnen jedes Jahr eine Standmitteilung, aus der die bisher erreichte Überschussbeteiligung und die aufgrund der derzeitigen Ertragslage zu erwartende Ablaufleistung hervorgehen sollte. Verstehen Sie das Schreiben nicht oder nicht komplett, fragen Sie bei Ihrem Versicherer nach und bestehen Sie auf einer verständlichen Information.

Frage: Wie wird eine Lebensversicherung verzinst?

Antwort: Sicher ist nur der Garantiezins und das auch nur bei klassischen Lebensversicherungen, nicht bei Fondspolicen. Seine Höhe hängt vom Zeitpunkt des Vertragsschlusses ab (siehe Tabelle). Weil er auf den Beitrag erst nach Abzug der Kosten gewährt wird, kommt nur ein Teil des Zinses beim Kunden an. Bei teuren Unternehmen können es manchmal nur 1 Prozent sein.

Darüber hinaus gibt es unverbindliche Überschüsse. Ihre Hauptquelle ist der "Überzins" aus Kapitalerträgen jenseits des Garantiezinses. Diesen Überzins zusammen mit dem Garantiezins nennen die Versicherer gern "Gesamtverzinsung". Um die geht es zurzeit.

Zusätzlich kommt ein kleinerer Anteil Überschüsse aus dem Risikoschutz, wenn zum Beispiel weniger Kunden vor Vertragsende sterben, so dass weniger Todesfallleistungen auszuzahlen sind. Und hat der Versicherer weniger Verwaltungskosten als kalkuliert, gibt es auch hier Überschüsse.

Die Beteiligung an all diesen Überschüssen wird Kunden jährlich gutgeschrieben. Gibt es in den folgenden Jahren weniger, hat das auf die Vergangenheit keinen Einfluss. Was einmal gutgeschrieben wurde, ist so sicher wie die Garantie. Aber das Gesamtergebnis wird natürlich schlechter, wenn künftig gute Erträge ausbleiben.

Seit 2008 gibt es auch noch Überschüsse aus "stillen Reserven". Sie heißen auch Bewertungsreserven und entstehen, wenn ein Versicherer beim Verkauf eines Wertpapieres oder einer Immobilie mehr herausbekäme, als er beim Kauf ausgegeben hat. Überschüsse aus Reserven werden erst zum Vertragsende ausgeschüttet oder wenn ein Kunde kündigt.

Frage: Wer entscheidet über die Höhe des Garantiezinses?

Antwort: Der Garantiezins oder "Höchstrechnungszins" wird angepasst, wenn die Umlaufrendite der Euro-Staatsanleihen im Durchschnitt der letzten zehn Jahre sinkt oder steigt. Die Umlaufrendite ist die durchschnittliche Rendite aller Euro-Staatsanleihen, die im Umlauf sind. Der Garantiezins darf nur rund 60 Prozent dieser Rendite betragen. Das soll die Versicherer an zu hohen Zinszusagen hindern, die sie vielleicht auf Dauer nicht einhalten können. Die Deutsche Aktuarvereinigung, in der sich die Mathematiker der Lebensversicherer versammeln, gibt Empfehlungen für den Garantiezins. Festgesetzt wird er vom Bundesfinanzministerium (BMF). Nach dessen Plänen sinkt der Zins voraussichtlich ab 1. Juli 2011 von jetzt 2,25 Prozent auf 1,75 Prozent für Verträge, die nach dem Stichtag neu geschlossen werden. Die Lebensversicherer halten eine Senkung auf 2 Prozent für ausreichend.

Frage: Ist es überhaupt noch sinnvoll, eine Lebensversicherung abzuschließen?

Antwort: Sie ist selten erste Wahl und höchstens eine Ergänzung nach der Riester-Rente oder für Selbständige. Eine klassische Lebensversicherung ist sicher, aber unflexibel und undurchsichtig. Gute Renditen gehören der Vergangenheit an. Auch bisher gab es sie nur für Sparer, die ihren Vertrag durchhielten. Viele schaffen das nicht, weil sie zwischendurch Geld brauchen. In den ersten Jahren können Kunden beim Ausstieg sogar einen Teil ihrer Einzahlung verlieren. Die Rendite mindert er immer.

Wenn ein Kunde sicher ist, dass er seine Beiträge immer zahlen kann, sollte er sich statt für eine Kapitallebens- für eine Rentenversicherung entscheiden. Dann kann er am Ende der Laufzeit eine Einmalzahlung oder eine Rente wählen. Bei der Kapitallebensversicherung gibt es immer nur eine Einmalzahlung. Die Todesfallleistung ist bei einer Rentenversicherung zwar gering. Doch auch eine Kapitallebensversicherung ist nicht ideal, um Angehörige finanziell abzusichern. Das geht besser mit einer günstigen Risikolebensversicherung.

Frage: Ein Versicherungsvermittler rät mir, vor Absenkung des Garantiezinses eine Rentenversicherung abschließen. Soll ich das machen?

Antwort: Vermittler suchen immer Argumente, um Verträge zu verkaufen, die ihnen Provisionen sichern. Lassen Sie sich dadurch nicht zu einer langfristigen Geldanlage verleiten, die Sie später vielleicht bereuen. Natürlich ist eine höhere Garantiezusage besser, aber auch die derzeitigen 2,25 Prozent sind effektiv so mickrig, dass es sich nicht lohnt, deshalb in Eile zu unterschreiben.

Frage: Gibt es Alternativen zur Lebensversicherung?

Antwort: Ja, es gibt viele. An erster Stelle kommt die staatlich geförderte Riester-Rente, die es nicht nur als Rentenversicherung gibt, sondern auch als Fonds- und Banksparplan oder Bausparvertrag und sogar als Riester-Darlehen für eine selbstgenutzte Immobilie. Interessant kann für Arbeitnehmer auch eine selbst gesparte Betriebsrente sein, besonders, wenn die Firma etwas beisteuert. Sparer sollten aber nicht vergessen, dass sie vielleicht einmal Geld benötigen. Zu viel in lang laufende Verträge zu stecken, ist falsch. Sie brauchen auch flexible Anlagen.

Junge Leute liegen oft mit guten, breit streuenden Fondssparplänen richtig. Sie haben viel Zeit bis zum Ruhestand und sollten die langfristig besseren Ertragschancen an den Börsen nutzen. Ältere Sparer finden flexiblere, aber gleichzeitig sicherere Anlagemöglichkeiten in den Zinsprodukten der Banken oder in Bundeswertpapieren.