Über die Behandlung von Bluthochdruck und Herzinfarkten informierten sich gestern zahlreiche Leser in einem Volksstimme-Telefonforum. Uwe Seidenfaden notierte einige Fragen und Antworten.

Sowohl mein Vater als auch meine Mutter hatten Bluthochdruck und Herzinfarkte. Besteht ein erhöhtes erbliches Risiko auch für mich?

Gene für Bluthochdruck werden oftmals an die Nachkommen weitergegeben. Vor allem wenn der Bluthochdruck schon im jungen Alter vorliegt ist daran zu denken. Durch Veränderungen des Lebensstils können aber auch Menschen mit einer erblichen Vorbelastung für Bluthochdruck und Herzinfarkte ihr persönliches Risiko senken.

Erledigen Sie einen Teil Ihrer Wege zu Fuß oder benutzen Sie das Fahrrad, statt mit dem Auto zu fahren. Schränken Sie den Verzehr salz- und kalorienreicher Nahrung ein, und greifen Sie dafür öfter einmal zu Obst und Gemüse. Verzichten Sie auf das Rauchen und zu viel Alkohol und streben Sie ein normales Körpergewicht an.

Ab wann sollte man den Blutdruck kontrollieren?

Ab etwa 40 Jahren sollte jeder regelmäßig seinen Blutdruck bestimmen lassen, auch wenn keine Symptome auftreten. Für Frauen gilt das auch in einer Schwangerschaft.

Mein in Ruhe gemessener Blutdruck war bei den letzten Arztbesuchen zu hoch. Ich kontrolliere meinen Blutdruck mit dem Gerät meiner Frau schon seit längerer Zeit selber und kann keine Veränderung feststellen. Der Arzt will mir zur Kontrolle ein anderes Gerät mitgeben. Wie kann man sicher sein, welche Werte korrekt sind?

24-Stunden-Messung kann Bluthochdruck in der Nacht aufdecken

Die Anspannung beim Arztbesuch kann tatsächlich zu einer Blutdruckerhöhung führen. Andererseits kann man auch nicht ausschließen, dass Ihr Gerät zur Selbstmessung wirklich korrekte Werte anzeigt. Um die Blutdruckregulation über den Tag und in der Nacht zu überprüfen, ist eine Langzeit-Blutdruckmessung zu empfehlen.

Ihr Arzt sprach sicher von einem Gerät, das automatisch den Blutdruck über den Tag und in der Nacht verteilt misst und aufzeichnet. Der Arzt kann dadurch besser einschätzen, ob ein Bluthochdruck vorliegt. Das Leihgerät tragen Sie einen Tag und eine Nacht, während Sie den normalen Tätigkeiten nachgehen. Nächtlich erhöhter Blutdruck fällt durch diese Messung oftmals erst auf.

Ich bin 38 Jahre, weiblich und habe Bluthochdruck. Was kann die Ursache sein?

Bluthochdruck kann organische Ursachen, z.B. eine Nierenerkrankung oder eine Verengung der Hauptschlagader (Aortenisthmusstenose), haben. Auch eine krankhaft veränderte Hormonproduktion (z.B. bei Schilddrüsenerkrankungen) oder Atemstörungen im Nachtschlaf (Schlafapnoe) sowie Medikamenten-Nebenwirkungen (z.B. häufig eingenommene Rheuma-/Schmerzmittel sowie Kortison) können den Bluthochdruck fördern.

Insbesondere wenn der Bluthochdruck schon in jungen Jahren auftritt, sollte man mögliche Ursachen von Ärzten abklären lassen.

Ich bin 55 Jahre, weiblich und habe Bluthochdruck. Vor einem Monat bin ich wegen starker Herzschmerzen in die Klinik gekommen. Doch bei einer Herzkatheteruntersuchung wurde nichts gefunden. Wie kann ich verhindern, dass ich wieder einen Herzanfall bekomme?

Mit einer Herzkatheteruntersuchung können nur die großen Herzgefäße untersucht werden. Ähnliche Symptome wie beim Herzinfarkt können aber auch durch Veränderungen an den kleinen Gefäßen auftreten (sogenannte mikrovaskuläre Angina). Die Beschwerden lassen sich am besten mit Medikamenten aus der Gruppe der Natriumkanalblocker lindern.

Sport gegen Müdigkeit als Folge der Einnahme von Bluthochdruck-Tabletten

Wenn ich Medikamente gegen Bluthochdruck nehme, fühle ich mich meist schlapp und müde. Gibt es Alternativen? Ich bin 85 Jahre alt.

Sie beschreiben eine Wirkung der Medikamente, die bei einer schnellen, drastischen Senkung des Blutdrucks auftreten können.

Ziel der Behandlung sollte es sein, eine individuelle Optimierung des Blutdrucks über einen Zeitraum von Monaten zu erreichen. Insbesondere bei älteren Menschen zu berücksichtigen sind dabei auch andere Erkrankungen und der allgemeine Gesundheitszustand. Der Arzt wird die Medikamente gegen den Blutdruck sicher nicht absetzen, aber vielleicht Dosierung und Einnahmezeiten verändern.

Sie selbst können mit täglichen sportlichen Aktivitäten der Müdigkeit und Abgeschlagenheit entgegenwirken. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über die sportlichen Möglichkeiten, die Ihr Gesundheitszustand erlaubt. Ungeachtet dessen sollten Sie Stolpergefahren in Ihrer Wohnung beseitigen lassen.

Keine Empfehlung für Herzpatienten zum Genuss von Kaffee

Wie viel Kaffee kann man trinken, ohne den Bluthochdruck zu beeinflussen? Wie viele Tassen sind für Herzkranke erlaubt?

Kaffee führt durch seinen Gehalt an Koffein zu einer kurzfristigen, individuell unterschiedlichen Blutdruckerhöhung von etwa zehn bis 20 mmHg (Millimeter Quecksilbersäule). Der gesunde Körper gewöhnt sich beim regelmäßigen Kaffee-Trinken daran und reagiert dann nicht so stark mit Blutdruckschwankungen.

Es gibt keine generellen Empfehlungen für Herzkranke, wie viele Tassen Bohnenkaffee Sie bedenkenlos trinken können. Patienten, die unter Herzrhythmusstörungen leiden, sollten beobachten, ob durch Kaffeekonsum diese Störungen verstärkt auftreten und gegebenenfalls auf diese Getränke verzichten oder aber entkoffeinierten Kaffee trinken.

Seit etwa eineinhalb Jahren leide ich unter den Nebenwirkungen eines Herzmedikamentes (aus der Gruppe der ACE-Hemmer). Weniger als eine Stunde, nachdem ich das Medikament eingenommen habe, verspüre ich einen starken Hustenreiz. Einen sogenannten Betablocker kann ich auch nicht nehmen, weil ich eine Schuppenflechte habe. Welche Alternativen gibt es?

Sie sollten mit Ihrem Hausarzt über andere Bluthochdruckmedikamente aus einer anderen Gruppe von Wirkstoffen sprechen. Das können zum Beispiel Kalzium-Antagonisten wie Amlodipin oder harntreibende Wirkstoffe (Diuretika, HCT) sein.

Wenn ich den Blutdruck zwischen dem linken und rechten Arm vergleiche, gibt es deutliche Unterschiede. Welcher Wert ist richtig und welcher falsch?

Es gilt immer der höhere Wert als der Entscheidende. Starke Blutdruckunterschiede zwischen dem linken und rechten Arm können auf Störungen der Gefäßdurchblutung hinweisen. Sie sollten mit Ihrem Arzt darüber sprechen. Er kann weiterführende Untersuchungen der Gefäße veranlassen.

Ich musste schon mehrfach den Notarzt rufen, weil mein Mann Anzeichen für einen Herzinfarkt zeigte. Die Diagnostik im Krankenhaus bestätigte aber keinen Infarkt. Man sprach von einer Angina pectoris. Bei welchen Symptomen sollte man unbedingt ein Notarzt rufen?

Es gibt leider keine eindeutigen Warnzeichen für einen Herzinfarkt. Häufige Beschwerden sind beklemmende Schmerzen in der Brust, so als würde ein Elefant auf dem Brustkorb sitzen und das Atmen behindern. Gelegentlich schildern Patienten auch ausstrahlende Schmerzen in den Armen, im Rücken oder auch im Zahnkieferbereich.

Die Symptome können auch durch Durchblutungsstörungen in den kleinen Gefäßen am Herzen entstehen. Wenn die Beschwerden länger als etwa 20 Minuten anhalten und auch ein Nitrospray zu keiner Besserung der Symptome führt, sollte man unbedingt einen Notarzt informieren, damit das Blutgerinnsel, das zum Verschluss des Herzkranzgefäßes geführt hat, möglichst schnell beseitigt werden kann.

Diabetiker spüren beim Herzinfarkt seltener den Schmerz in der Brust

Ich habe seit sieben Jahren Diabetes mellitus Typ 2. Vor einem Jahr hatte ich einen leichten Herzinfarkt. Davon hatte ich aber nichts gespürt. Er wurde erst bei einer EKG-Kontrolle durch meinen Arzt entdeckt. Können Infarkte auch unbemerkt auftreten? Wie gefährlich ist das?

Es ist leider nicht ungewöhnlich, dass Herzinfarkte auch unbemerkt ablaufen. Insbesondere Diabetiker verspüren die typischen Brustschmerzen beim Herzinfarkt seltener. Sie sollten bereits bei Übelkeit und Schwitzen reagieren und den Notarzt rufen.

Ich nehme täglich zwölf Tabletten, ohne dass mein Blutdruck auf Werte unter 140/90 fällt. Kann mir eine Operation helfen?

Gutartige Tumore der Nebenniere können zu einem organisch bedingten Bluthochdruck führen. In diesen Fällen führt die Entfernung der Geschwulst oftmals zu einer dauerhaften Senkung des Blutdrucks.

Wissenschaftliche Studien zur minimalinvasiven Verödung von Nierennerven haben leider zu widersprüchlichen Ergebnissen geführt.

 

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