Heilige Krankheit wurde die Epilepsie im Altertum genannt. Nach Berichten aus der griechischen Sagenwelt soll auch der Halbgott Herkules daran gelitten haben. Mystisch sind epileptische Anfälle heute nicht mehr. Mit einigen Verhaltensregeln, Medikamenten und manchmal auch mit einer Operationen ist die Krankheit recht gut in den Griff zu bekommen. Eine optimale Diagnostik ist die Voraussetzung.

Magdeburg. Die Epilepsie ist eine relativ häufige Nervenkrankheit, an der auch der römische Feldherr Gajus Julius Cäsar litt. Schätzungsweise 18 000 Menschen in Sachsen-Anhalt leiden darunter. Der aus dem Griechischen stammende Name Epilepsie bedeutet soviel wie plötzlicher Angriff. Scheinbar unvorhersehbar kommt es zu vorübergehenden Verlusten des Bewussseins, manchmal auch zu Verkrampfungen und zu Stürzen, die körperliche Verletzungen nach sich ziehen können. Schweregrad der Beeinträchtigungen und Häufigkeit der Anfälle sind sehr variabel.

Nervenärzte ( Neurologen ) wie Dr. Friedhelm Schmitt vom Uniklinikum Magdeburg unterscheiden zwischen verschiedenen Formen der Epilepsie. Von so genannten generalisierten Anfällen ist das ganze Gehirn betroffen. Eine " Fokale Epilepsie " hat ihren Ursprung in einem bestimmten Teil des Gehirns. In beiden Fällen kommt es zu einer vorübergehend gesteigerten Erregbarkeit der Nervenzellen.

Kleinkinder sind überproportional häufig von epileptischen Anfällen betroffen. Ein Symptom bei ihnen ist oftmals eine vorübergehende Geistesabwesenheit, die manchmal als Tagträumerei abgetan wird. Glücklicherweise bleiben soche " Absencen " meist ohne langfristige Folgen. Sie verschwinden bis zur Pubertät oftmals von ganz allein. Aufmerksam sollten Eltern bei unkontrolliert wirkenden Armund Beinbewegungen ihrer Zöglinge werden. Nicht immer ist dabei Ungeschicklichkeit im Spiel. Der Kinderarzt sollte darüber informiert werden.

Zur Behandlung einer Epilepsie gibt es verschiedene Therapien. Sie reichen von konservativen Maßnahmen ( Veränderung der Lebensführung, Einnahme von Medikamenten ) bis zu operativenTherapien ( Nervus-Vagus-Stimulation und Hirnchirurgie ).

Medikamente gegen die Epilepsie müssen dauerhaft eingenommen werden, um einen Anfall zu verhindern. Nebenwirkungen können unter anderem Schläfrigkeit, Erregbarkeit, Schwindel, Zittern und allergische Hautreaktionen sein.

Langzeitmessung

verbessert Diagnostik

Ein Teil der Betroffenen ist auch " trotz der medikamentösen Behandlung nicht anfallsfrei ", so Dr. Friedhelm Schmitt, der gemeinsam mit Dr. Julia Matzen eine Spezialambulanz für Epileptiker an der Magdeburger Uniklinik für Neurologie betreut.

Einem Teil der Patienten kann durch eine Operation geholfen werden. Voraussetzung ist, dass vor dem chirurgischen Eingriff jene Hirnregionen, die die bei dem Patienten zu einer " Fokalen Epilepsie " führen, genau lokalisiert werden. Die Diagnostik erfolgt mit Sensoren, die in einer Art Badekappe integriert sind und schmerzfrei die elektrische Hirnaktivität messen. Das Ergebnis ist ein so genanntes EEG, vergleichbar mit dem EKG, das die Herzströme misst.

Um Hinweise auf untypische elektrische Entladungen der Nervenzellen zu gewinnen, sind meist Langzeitmessungen über mehrere Stunden erforderlich. Dabei ist das so genannte Video-EEG-Monitoring besonders geeignet. Seit acht Monaten wird es an der Uniklinik für Neurologie untersucht. Es ermöglicht eine diagnostische Überwachung rund um die Uhr, so Dr. Julia Matzen. Der Vorteil der intensiven, nichtinvasiven und schmerzfreien Überwachung ist, dass die Ärzte bessere Informationen für die Therapiewahl erhalten.

In der Zukunft ist es sogar denkbar, dass ein zeitweilig unter der Schädeldecke implantierter Computerchip die Nervensignale überwacht und einen nahenden epileptischen Anfall meldet.