Herbst- und Winterzeit sind immer auch Erkältungs- und Grippezeit. Neu in diesem Jahr ist die sogenannte Schweinegrippe, auch Neue Grippe ( A / H 1 N 1 ) genannt. Schnell steigende Infektionszahlen in Bayern und Mecklenburg-Vorpommern zeigen, dass die Grippewelle begonnen hat. Schon bald könnte auch in Sachsen-Anhalt die Zahl der Erkrankten sprunghaft zunehmen. Grund zur Panik besteht dennoch nicht.

Magdeburg. Egal ob saisonale Grippe oder Schweinegrippe : Die Symptome sind gleich. Die Krankheit meldet sich meist ganz plötzlich. Der Kopf schmerzt, die Körpertemperatur steigt, man fühlt sich matt und abgeschlagen. Hinzu kommen Husten und Schnupfen, ähnlich wie bei einer Erkältung ( grippaler Infekt ). Bei Erwachsenen bleiben die Fieberschübe in der Regel unter 39 Grad Celsius. Bei Kindern können sie auch höher ausfallen. Wer solche Symptome feststellt, sollte den Hausarzt telefonisch informieren, raten Mediziner. Um die Ausbreitung zu verhindern, sollte man sich nicht unangemeldet in das Wartezimmer setzen.

Die Grippe – auch Influenza genannt – verursacht manchmal ernste, teilweise tödliche Komplikationen – zum Beispiel Lungen- oder Herzmuskelentzündungen. Bei der alljährlich in den Herbst- und Wintermonaten auftretenden saisonalen Grippe sind vor allem ältere Menschen, kleine Kinder und Patienten mit Vorerkrankungen wie Diabetes, Herz- und Lungenleiden gefährdet.

" Bei der in diesem Jahr erstmals aufgetretenen neuen Grippe ist das anders ", so Professor Ulrich Heininger, Leitender Arzt für Infektiologie und Vakzinologie am Universitätskinderspital in Basel ( Schweiz ) bei einem Vortrag am Mittwoch am Magdeburger Universitätsklinikum. Unter der neuen Grippe leiden insbesondere jüngere Menschen im Alter zwischen 25 und 45 Jahren. Schwangere und stillende Frauen sowie Menschen mit chronischen Krankheiten ( unter anderem Asthmatiker, Diabetiker und Herzkranke ) oder mit einer geschwächten Immunabwehr ( zum Beispiel Patienten, die sich einer Krebsbehandlung unterziehen ) sind von Komplikationen stärker betroffen.

Wie viele Menschen sich in den kommenden Wochen und Monaten in Deutschland noch infizieren, wird davon abhängen, wie umfassend der Impfschutz in der Bevölkerung sein wird. Empfohlen wird eine Impfung mit dem Impfstoff gegen die saisonale Grippe und dem Impfstoff gegen die Schweinegrippe. Ein zeitlicher Abstand zwischen beiden Impfungen muss nicht eingehalten werden, so der Baseler Impfexperte Heininger. Aus einer kleinen Studie in Mexiko gebe es zwar Hinweise darauf, dass der im vergangenen Jahr verabreichte saisonale Impfstoff möglicherweise einen leichten Schutz vor der Schweinegrippe bietet. Wer 2008 geimpft wurde, sollte sich jedoch besser nicht darauf verlassen, dass er in diesem Jahr vor der Influenza geschützt ist.

Gut überlegt sein will die Impfung von Schwangeren, stillenden Frauen und Kleinkindern, da Studiendaten zur Verträglichkeit in diesen Bevölkerungsgruppen fehlen beziehungsweise noch laufen.

Bei Schwangeren im

Einzelfall entscheiden

Wegen der erhöhten Gesundheitsrisiken im Fall einer Infektion mit dem Erreger empfiehlt die Ständige Impfkommission ( STIKO ) die Schweinegrippe-Impfung für Schwangere ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel und neuerdings auch für Kleinkinder ab dem sechsten Monat. Das gilt insbesondere für Kinder, die eine chronische Krankheit wie Asthma bronchiale, Stoffwechselstörungen oder einen Herzfehler haben. Im Zweifelsfall sollten Eltern mit dem Kinderarzt das Vorgehen im Einzelfall besprechen. Die bislang noch unveröffentlichten Studiendaten " sehen aber sehr optimistisch aus ", deutete Heininger an.

Als Nebenwirkungen in den Studien mit mehreren tausend Erwachsenen wurden vor allem vorübergehende Rötungen und Schwellungen im Bereich der Einstichstelle sowie Schmerzen im Oberarm festgestellt.

Die Nebenwirkungsrate ist um etwa fünf bis zehn Prozent größer als bei den saisonalen Impfstoffen, so Heininger. Das liegt an den zugefügten Wirkverstärkern des unter anderem auch von Deutschland beschafften Impfstoffs Pandemrix. Einerseits konnte dadurch der Grippe-Impfstoff schneller produziert werden. Andererseits erhöht sich damit dessen Schutzwirkung, sollte das H 1 N 1-Virus sich verändern ( mutieren ). Das ist wahrscheinlich, wenngleich bislang noch nicht geschehen.

Der für Soldaten und einige Bundesbeamte bestellte Impfstoff Celvapan enthält keine Wirkstoffverstärker. " Man kann jedoch nicht sagen, dass er deshalb verträglicher oder gar wirksamer ist ", meint Heininger, denn bislang wurde er an deutlich weniger Personen im Rahmen von Studien untersucht.

erwarten, dass in den kommenden Wochen und Monaten mehr Verdachtsfälle über unerwünschte Reaktionen bekannt werden. Für medizinische Laien wird nicht leicht zu verstehen sein, dass ein zeitlicher Zusammenhang zwischen Spritze und Krankheitssymptomen noch längst kein erwiesener ursächlicher Zusammenhang ist.

Bei einem Infekt

nicht impfen lassen

Wer an einem Infekt oder einer Hühnereiweißallergie leidet, sollte sich nicht spritzen lassen, da der einzige derzeit in Deutschland verfügbare Impfstoff in Hühnereiern angezüchtet wurde. Ebenfalls keine Impfung ist notwendig, wenn man in diesem Jahr bereits eine Schweinegrippe-Infektion hatte. Die vom Immunsystem gebildeten Antikörper sollten dann einen Schutz vor einer erneuten Infektion mit dem Erreger bieten, argumentiert der Impfexperte aus Basel.

Doch egal ob geimpft oder nicht : die grundsätzlichen Hygieneregeln zum Schutz vor einer Infektion sollte jeder beherzigen. Denn schließlich kursieren gerade in der kalten Jahreszeit neben den bekannten Grippeviren noch zahlreiche andere Krankheitserreger, die für einen kratzenden Hals oder laufende Nasen sorgen können. Konkret bedeutet das :

• regelmäßiges Händewaschen, Abtrocknen mit Papierhandtüchern ;

• häufige Spaziergänge an der frischen Luft ;

• Zimmer regelmäßig stoßlüften, um trockene, abgestandene Luft zu vermeiden ;

• Zahl der Küsschen zur Begrüßung einschränken und

• bei den ersten Grippe-Symptomen den Arzt anrufen.

Der unter anderem am Magdeburger Uniklinikum getestete Schweinegrippe-Impfstoff Focetria ist noch nicht in Deutschland erhältlich. Möglicherweise wird damit im Frühjahr 2010 eine Impfung in Deutschland möglich sein. Ähnlich wie Pandemrix enthält aber auch Focetria Zusätze ( Adjuvantien ) zur Verstärkung der Immunantwort. Wegen der steigenden Impfzahlen ist zu