Alle werdenden Eltern wünschen sich, dass Schwangerschaft und die Geburt ihres Kindes normal verlaufen. Für jede zehnte Schwangere erfüllt sich dieser Wunsch leider nicht. Sie bekommen ihr Baby vorzeitig. Von Früh- bzw. Risiko-Geburten ist dann die Rede. Doch die meisten " Frühchen " haben gute Lebenschancen, sofern sie in speziellen Zentren das Licht der Welt erblicken.

Magdeburg. Jährlich etwa 1500 Kinder in Sachsen-Anhalt verlassen vor Beendigung der 37. Schwangerschaftswoche den Mutterleib. Per Definition der Weltgesundheitsorganisation gelten sie als Frühgeborene, weil Hirn, Lunge und andere Organe noch nicht vollständig ausgereift sind. Je kürzer die Schwangerschaft ist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind den Frühstart ins Leben übersteht.

Dennoch sind die Chancen, dass selbst Babys mit einem Geburtsgewicht von deutlich weniger als 1500 Gramm gesund überleben, dank der Fortschritte der Neugeborenenmedizin heute so gut wie niemals zuvor. " Wesentlich dazu beigetragen hat, dass in Sachsen-Anhalt Frauen mit einer Hochrisikoschwangerschaft nur noch in den Perinatalzentren in Halle und Magdeburg betreut werden ", argumentiert Professor Gerhard Jorch, Direktor der Unikinderklinik und Leiter des Perinatalzentrums Magdeburg. Diese Zentren bieten, dank der Ausbildung des Fachpersonals und der medizinischen Ausstattung, die bestmögliche Qualität für die Versorgung der Kleinen.

Wissen und Verständnis bei den Eltern aufbauen

Doch was für die Ärzte und Schwestern auf den Frühgeborenen-Intensivstationen zum normalen Alltag gehört, wirkt am Anfang auf die Eltern eines noch unreif geborenen Kindes oftmals erschreckend. Hilflos, wie nackte, kleine Vögel, die zu früh aus dem Nest gefallen sind, liegen die Frühgeborenen in ihren Brutkästen. Sie sind umgeben von Geräten, die wichtige Körperfunktionen überwachen, für deren Beatmung sorgen und sie mit Nahrung versorgen. Inmitten aller Geräte, Sonden und Schläuche ist der kleine Mensch oftmals gar nicht richtig zu erkennen. So medizinisch notwendig all das ist, um gesundheitliche Komplikationen wie Hirnblutungen und Lungenversagen zu verhindern, so schwer ist es doch oftmals für die Eltern, mit der außergewöhnlichen Situation zu leben. Deshalb stehen ihnen die behandelden Ärzte und Schwestern rund um die Uhr als Ansprechpartner zur Verfügung. Es fällt keine medizinische Entscheidung, ohne dass die Eltern nicht informiert und zu Rate gezogen wurden. " Wichtig für uns ist es, soviel Transparenz wie möglich herzustellen ", sagt Professor Jorch. Ab Beginn des kommenden Jahres sind alle Perinatalzentren in Deutschland dazu verpflichtet, ihre Behandlungsergebnisse für jedermann im Internet zugänglich zu machen. Den bundesweiten Vergleich müssen die sachsenanhaltinischen Perinatalzentren nicht scheuen. " Die gestiegenen Überlebensraten Frühgeborener haben dazu beigetragen, dass die Überlebenschancen von Neugeborenen in Sachsen-Anhalt höher sind als im Bundesdurchschnitt ", so der Kinderarzt.

Vom Känguruh abgeschaut

Zu verdanken ist das nicht nur der Betreuung von Risikoschwangerschaften und der modernen Intensivmedizin, sondern auch dem Prinzip der " sanften Pflege ". Sobald erkennbar wird, dass der kleine Mensch genügend Lebenskraft besitzt, dürfen die Eltern zeitweilig für ihr Kind ein " Känguruh " sein. Geschützt mit einer wärmenden Decke wird der Mutter oder dem Vater das Kind von Zeit zu Zeit auf die nackte Brust gelegt. Das wirkt stabilisierend auf die Gesundheit des Frühgeborenen und gibt Eltern das gute Gefühl, ihr Kind gehört tatsächlich ihnen und nicht den behandelnden Ärzten und Schwestern.

Regelmäßige Nachkontrollen

Mit ihren Sorgen um die weitere Entwicklung ihres zu schnell ins Leben gestarteten Babys werden die Eltern auch nach der Entlassung auf dem Krankenhaus nicht alleingelassen. Im Alter von vier, zwölf und 24 Monaten sowie weitere zweimal bis zur Einschulung bietet das Magdeburger Frühgeborenenzentrum für die mit einem Geburtsgewicht von unter 1500 Gramm geborenen Kinder und den anderen " Frühchen ", bei denen in den ersten Lebenswochen Komplikationen auftraten, medizinische Nachuntersuchungen an. Ab Januar 2010 müssen alle Perinatalzentren in Deutschland medizinische Nachkontrollen nach zwei Jahren anbieten. Ziel ist es, mehr über mögliche Entwicklungsstörungen oder später auftretenden Behinderungen von Frühgeborenen zu erfahren und sie, wenn möglich, zu verhindern.

Ein Ansprechpartner für die Eltern ist seit Sommer 2006 auch der Förderverein für Frühgeborene in Magdeburg. Er bietet zusätzlich Beratung in allen Lebensfragen und fördert den Erfahrungsaustausch zwischen den betroffenen Familien.

Mehr Informationen dazu gibt es im Internet :

www. fruehchen-magdeburg. de