Räuspern und Husten sind derzeit wieder oft zu hören. Der Verdacht auf eine Erkältung oder Grippe liegt in der Luft. Doch das gilt nicht immer. Über Hilfen bei Atemwegsstörungen informierten gestern Fachärzte vom Universitätsklinikum in einem Volksstimme-Telefonforum. Uwe Seidenfaden notierte einige Fragen und Antworten.

Frage : Ist ein trockener Reizhusten immer ein Hinweis auf eine beginnende Erkältung oder Grippe ? Bei welchen Beschwerden sollte man unbedingt zum Arzt gehen ?

Antwort : Gelegentlicher Husten ist ein Schutzreflex, der die Atemwege freihält. Dagegen ist ein trockener Reizhusten oftmals auf grippale Infekte zurückzuführen. Wenn zudem plötzlich Fieber auftritt, sollte der Haus- bzw. der Kinderarzt kontaktiert werden. Insbesondere bei kleinen Kindern muss auch daran gedacht werden, dass enventuell Fremdkörper ( Erdnüsse, Gummibärchen, Spielzeugteile usw. ) eingeatmet wurden.

Ein länger als sechs Wochen anhaltender Reizhusten kann verschiedene Ursachen haben. Dazu zählen ein allergisches Asthma, eine chronische Bronchitis, eine Herzmuskelschwäche, eine Medikamentennebenwirkung, eine Tuberkulose oder bösartige Lungenerkrankungen.

Unbedingt zum Arzt gehen sollte man, wenn beim Husten blutiger Auswurf auftritt, wenn Husten und Luftnot meist in der Nacht oder im Zusammenhang mit säuerlichem Aufstoßen entsteht, wenn das Atmen Schmerzen verursacht oder wenn dauerhaft Heiserkeit besteht.

Frage : Unsere Enkelin ( sechs Jahre ) hat allergisches Asthma. Ist eine Impfung gegen die Schweinegrippe ratsam ?

Antwort : Ihr Enkelkind gehört zu der Gruppe von Kindern, denen eine Grippeimpfung zu empfehlen ist. Im Fall einer Infektion wäre das Risiko gesundheitlicher Komplikationen erhöht.

Frage : Ich leide an einer chronischen Bronchitis. Würden Sie mir raten, mich gegen die saisonale Grippe und gegen die Schweinegrippe impfen zu lassen ?

Antwort : Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Asthma, chronische Bronchitis, Diabetes, COPD, Sarkoidose oder einem Lungenemphysem haben ein erhöhtes Risiko, als Folge einer Infektion schwer zu erkranken. Ihnen ist eine Grippeschutzimpfung zu empfehlen.

Frage : Ich fühle mich schon seit vielen Monaten durch Husten beeinträchtigt. Ich war schon beim Hausarzt, beim Kardiologen, Lungenspezialisten und einem Facharzt für Speiseröhren- und Magenerkrankungen ( Gastroenterologen ). Eine Ursache konnte nicht gefunden werden. Muss ich mir Sorgen machen ?

Antwort : Wenn mögliche organische Ursachen medizinisch abgeklärt wurden, sollten Sie sich keine Sorgen machen. Manche Menschen haben eine etwas herabgesetzte Hustenschwelle. Der Hustenreflex wird dann leichter als bei anderen Menschen ausgelöst, ohne dass eine Erkrankung vorliegt. Helfen können Ihnen zum Beispiel Entspannungstechniken und ein bewusst ruhiges Atmen.

Frage : Mein Mann weckt mich immer frühmorgens durch einen Hustenanfall. Es dauert oftmals länger als eine Viertelstunde, bis er den Schleim abgehustet hat. Kann das ein Rückfall zum Asthma sein, das er in seiner Jugend hatte ? Oder hängt es mit dem Rauchen zusammen ?

Antwort : Atemnot, Husten und Auswurf sind Symptome, die sowohl beim Asthma als auch bei einer chronisch obstruktiven Bronchitis ( COPD ) auftreten. Asthma beginnt oft schon im Kindesalter. COPD betrifft dagegen vor allem Menschen in mittleren und späteren Lebensjahren. Das Rauchen ist die Hauptursache von COPD, die zu einer schleichenden Verengung der Bronchien und feinen Lungenbläschen führt. Es beginnt mit einem allmorgendlichen Husten, auch Raucherhusten genannt, geht über Atemnot bei leichten Belastungen wie dem Gehen oder Treppensteigen und endet bei schweren Atembeschwerden in Ruhe.

Frage : Mein Vater hat jahrelang als Schweißer gearbeitet. Jetzt wurde bei ihm eine COPD festgestellt. Ist eine Heilung möglich ?

Antwort : Leider nein. Für den Gasaustausch benötigt die Lunge eine sehr große Oberfläche. Bei einem gesunden Erwachsenen ist sie etwa so groß wie ein Fußballfeld. Um diese große Fläche im Brustkorb zu schaffen, sind zahlreiche kleine Lungenbläschen erforderlich. Sie werden durch Entzündungsprozesse als Folge der eingeatmeten Schadstoffe dauerhaft zerstört. Die Bronchialmuskulatur verkrampft und die Bronchien werden verengt. Die Patienten können dann nicht mehr vollständig ausatmen. Die Folge ist, dass die Reinigungskraft der Lunge erlahmt und man häufiger husten muss. Mit Medikamenten zur Entzündungslinderung bzw. Erweiterung der Bronchien lässt sich das Fortschreiten der Erkrankung verzögern. Wichtig ist es, auf das Rauchen und auf andere Lungenreizstoffe ( z. B. Haarsprays ) zu verzichten.

Wichtig ist es auch, Erkältungs- und Grippe-Infektionen durch Hygiene und Schutzimpfungen vorzubeugen.

Frage : Ich habe einen zweijährigen Sohn, der seit seinem neunten Lebensmonat häufig unter obstruktiver Bronchtits leidet. Welche Therapie ist ratsam ?

Antwort : In den meisten Fällen sind Bronchitiden mit Verengungen der Luftwege im Kleinkindesalter durch Virusinfekte bedingt. Bei sehr häufigen Erkrankungen können vorbeugende Medikamente zum Einsatz kommen. Ausgesschlossen werden sollte eine Allergie.

Frage : Wegen eines Lungenemphysems hat mein Arzt mir eine Sauerstofftherapie empfohlen. Bringt das auch im Alter von 75 Jahren noch etwas ?

Antwort : Eine Sauerstofftherapie ist bei einer stark verringerten Sauerstoffsättigung des Blutes zu empfehlen, sofern die Behandlung mit Medikamenten ausgeschöpft ist. Altersabhängig ist die Sauerstofftherapie nicht. Sie sollte mindestens 16 Stunden am Tag durchgeführt werden.

Frage : Kann man durch Aufblasen von Luftballons die Lunge trainieren ? Ich habe COPD.

Antwort : Die Lunge selbst ist nicht trainierbar, wohl aber die Atemmuskulatur. Das Aufblasen von Luftballons bringt jedoch nichts. Besser sind Atemübungen wie die Lippenbremse. Man sollte sich entspannt hinsetzen und so langsam wie möglich gegen den Druck der locker geschlossenen Lippen ausatmen. Die Wangen blähen dann etwas auf, der Atemstrom wird abgebremst, während die Bronchien geöffnet bleiben. Hilfreich sein kann auch die sogenannte Torhüterhaltung. Man stützt die Hände auf die Beine und beugt sich leicht vor, um entspannter zu atmen.

Frage : Hilft eine Operation bei einem Lungenemphysem ?

Antwort : Für eine chirurgische Intervention kommen eher selten Emphysempatienten in Frage, wenn sie trotz medikamentöser Therapie durch die Atemnot in ihrem Alltag massiv beeinträchtigt sind und nicht mehr rauchen. Bei der Operation werden die überblähten Lungenbläschen entfernt, um den Rest der gesunden Lunge etwas mehr Platz zur Entfaltung zu lassen. Die operativen Eingriffe ermöglichen eine vorübergehende Verbesserung der Befindlichkeit und Verzögerung des Fortschreitens der Erkrankung.

Diese Wirkung ist unter bestimmten Voraussetzungen auch durch die Implantation von Ventilen in das Bronchialsystem oder eine Lungentransplantation zu erreichen.