Industrie angebotenen Milchpräparate sind hinsichtlich der Fett-, Kohlenhydratund Eiweißanteile der Muttermilch ziemlich gut angenähert.

Für manche Säuglinge ist das

Frage : Dass Säuglinge mit Säuglingsnahrung überfüttert werden können, ist ja bekannt. Nun habe ich von einer jungen Mutter gehört, die aufgefordert wurde, nicht so viel zu stillen, weil das Kind zu viel an Gewicht zulegte. Stimmt das ? Ich dachte immer, gestillte Kinder können nicht zu dick werden ?

Es antwortet Prof. Dr. Gerhard Jorch, Direktor der Universitätskinderklinik Magdeburg : Das habe ich auch gedacht und meinen Medizinstudenten so vermittelt – bis ich vor etwa 20 Jahren beim Unterricht am Krankenbett einen kräftigen Säugling als Negativbeispiel für vermutliche Flaschenfehlernährung präsentieren wollte und die voll stillende Mutter hinzukam und uns eines Besseren belehrte.

Nein, natürlich gibt es dünne und dicke Flaschenund Stillkinder. Gewichtszunahme resultiert schlicht und einfach aus der Differenz zwischen Kalorienverbrauch einerseits und dem Produkt aus Nahrungsmenge und Kaloriengehalt der Nahrung andererseits. So kann auch bei gestillten Kindern die Bilanz ausgesprochen positiv sein.

Durch Verwendung von Milch, deren Kohlenhydratund / oder Fettgehalt höher ist als der der Muttermilch, kann die Gewichtszunahme gesteigert werden. Solche Milch wird aber heute nicht mehr als Säuglingsmilch verkauft. Mindestens die für die ersten Lebensmonate von der Trinken an der Brust anstrengender als das Trinken aus der Flasche. In diesen Fällen mag Stillen Dickwerden erschweren. Das gilt aber längst nicht für alle Säuglinge und alle Brüste.

Bleibt die Frage, ob " Fettsucht an der Brust " gesundheitsschädlich ist. Ich weiß es nicht. Mir sind jedenfalls keine guten Daten bekannt, die diese Vermutung nachhaltig unterstützen.

Deshalb sehe ich als Kinderarzt in den ersten acht Lebensmonaten keinen Handlungsbedarf, wenn die Säuglinge gut an Gewicht zunehmen. Danach nämlich durchleben die meisten Säuglinge und Kleinkinder meistens eine Phase mit häufigen Virusinfekten. Diese Atemwegsinfekte und Darminfekte sind zwar nur selten bedrohlich, führen aber doch häufig zu einem ein- bis zweiwöchigen Appetitmangel und damit verbundenem Gewichtsstillstand. Dann ist es beruhigend, wenn genügend Fettpolster vorhanden sind.