Äpfel wollen jetzt wieder geerntet werden. Doch der Putzeimer und die ausziehbare Aluleiter sind dafür denkbar ungeeignet, teilweise sogar gefährlich. Mit solchen zweckentfremdeten Utensilien arbeiten nur Amateure, für die echten Gartenprofis gibt es eine Fülle von geeigneten Erntehilfen, mit denen die Ernte sicher und leicht von der Hand geht.

Neustadt ( ddp ). Als Klassiker bei der Obsternte gelten nach wie vor Leitern aus Holz, die leicht und schnell zu handhaben sind. Für die Ernte von mittelstark bis stark wachsenden Obstbäumen sind zweiholmige Holzleitern empfehlenswert. " Sie haben gegenüber Aluminiumleitern einen ganz entscheidenden Vorteil : Holzleitern sind elastisch und passen sich den Ästen und dem Gewicht des Pflückers sehr gut an ", erklärt Werner Ollig, Leiter der Gartenakademie Rheinland-Pfalz. Auch im Winter lasse sich Holz gut anfassen. Die starren Aluleitern mit breiten Holmen neigten dagegen dazu, in das Bauminnere durchzurutschen. " Außerdem sind Aluleitern aufgrund ihrer dicken Holme unhandlich, auch die Standfestigkeit ist im Gelände nicht immer gegeben ", sagt der Agraringenieur.

Erdspitzen verbessern die Standsicherheit

Gute Obstleitern sind mit sieben Zentimeter langen Erdspitzen ausgerüstet, damit die Leiter nicht wegrutschen kann. Die Holme sollten aus halbrunden oder runden Fichtenstangen, die Sprossen aus Esche hergestellt und gegebenenfalls mit Stützstange versehen sein, die für zusätzliche Stabilität sorgt. Traditionell handwerklich gefertigte Holzleitern werden nach Auskunft der Gartenakademie Rheinland-Pfalz ab etwa 200 Euro im Handel angeboten. Holzleitern müssen aber regelmäßig auf ihre Sicherheit überprüft werden. Wichtig ist es vor allem, sie an einem schattigen und trockenen Ort zu überwintern. Ob Aluminium- oder Holzleiter : Um optimale Standfestigkeit zu gewährleisten, sollte der Anstellwinkel an den Baum zirka 70 Grad betragen. Das Arbeiten mit Motorsägen oder ähnlichem auf Leitern ist übrigens verboten.

Doch auch " Einholmleitern " eignen sich für Obsternte, Obstbaumschnitt oder auch Nistkastenpflege. " In Deutschland werden die einholmigen Tiroler Steigtannen aus Holz und Aluminium von der Berufsgenossenschaft Gartenbau sogar empfohlen ", sagt Werner Ollig. Erhältlich sind diese TÜV-geprüften, auch " Loanen " genannten Einholmleitern in einer Länge von 2, 5 bis acht Metern. Ihr Vorteil liegt in dem beweglichen Fuß, der mit langen Spitzen sicheren Halt auch auf unebenem Boden bietet. Die einholmige Leiter wird immer in einer Astgabel angelegt und kann so nicht abrutschen.

Auch bei den Erntegefäßen gibt es professionelles Handwerkszeug, das das Pflücken erleichtert. Der Weidenkorb ist nur noch selten anzutreffen. " Das liegt zum einen daran, dass man heutzutage in der Regel Erntegefäße aus Plastik zu kaufen bekommt, andererseits ist die handwerkliche Kunst des Korbmachers bei uns fast ausgestorben ", erklärt Werner Ollig.

Dennoch gebe es einige interessante Alternativen, zum Beispiel Pflückbeutel aus Polyethylen ( PE ) oder Segeltuch, die mit Hilfe eines Seilzuges nach unten entleert werden. Diese Beutel kann man gut in den Baum hängen, sie sind leicht und fassen etwa acht bis zehn Kilogramm. Für größere Erntemengen bietet der Handel Pflückeimer aus Aluminium oder Polyethylen an, die mit zwei Schultergurten vor dem Bauch getragen werden. Auch hier kann der Eimer über einen Schlauch nach unten entleert werden. " Aus arbeitswirtschaftlicher Sicht ist der Pflückeimer am günstigsten zu bewerten.

Die Greifwege für die Arme sind immer gleich lang und das Gewicht wird ganz nah am Körper getragen ", erklärt Werner Ollig. Erfahrungsgemäß sei die Arbeit mit dem Pflückeimer zuerst etwas seltsam. Wer sich aber einmal daran gewöhnt habe, werde diese Erntehilfe nicht mehr missen wollen.