Nürnberg/Berlin (dpa) l Wenn Josef Schatz vom Beruf des Industriemechanikers spricht, kommt er ins Schwärmen: „Nicht nur etwas in Gang zu bringen, sondern auch die Prozesse dahinter zu begreifen, das begeistert mich. Ich will nichts anderes machen.“ Seit knapp zwei Jahren ist der 29-Jährige im Teilqualifizierungsprojekt der Industrie- und Handelskammer Nürnberg. Bei einem Bildungsträger lernt Schatz in theoretischen Lernmodulen und Betriebspraktika die Arbeit des Industriemechanikers kennen. Noch bis Februar wird er täglich die Schulbank drücken und dann, so hofft er, endlich einen Berufsabschluss haben.

Berufliche Zukunft lange unklar

Die berufliche Zukunft, für Josef Schatz war sie lange unklar. Er absolvierte ein Berufsgrundbildungsjahr als Schreiner und als Zimmerer. Das handwerkliche Arbeiten lag ihm, doch ohne Führerschein und Auto konnte er die tägliche Strecke zu den Ausbildungsbetrieben nicht zurücklegen. Er ging zur Bundeswehr und begann danach eine Ausbildung zum Restaurantfachmann. „Ich mag den Kontakt zu Menschen, aber den technischen und handwerklichen Berufszweig habe ich nie wirklich abgelegt“, sagt er heute.

Es folgten berufliche Eingliederungsmaßnahmen des Jobcenters: Eine Trainingsmaßnahme zum Altenpfleger und dann zum Industriemechaniker. „Es hat ein bisschen lange gedauert, aber letzten Endes habe ich es dann hierher geschafft“, sagt Schatz. Hat er die Teilqualifizierung beendet, möchte er Berufserfahrung sammeln, dann eventuell eine Weiterbildung machen und seinen eigenen Betrieb gründen.

Wie Josef Schatz haben rund 2100 Personen bis März 2016 eine IHK-Teilqualifizierung begonnen. Das geht aus einer Datenerhebung des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) hervor. Am häufigsten waren Qualifizierungen zum Fachlagerist und Berufskraftfahrer vertreten, aber auch zum Verkäufer oder zur Servicekraft für Schutz und Sicherheit. „Es ist ein Qualifizierungsinstrument für Menschen, die es auf dem Arbeitsmarkt schwer haben“, erklärt Markus Kiss vom DIHK die Initiative. Die einzelnen Lernbausteine sind an klassische Ausbildungen angelehnt, meist aber deutlich kürzer.

Erwerbstätige absolvieren Bausteine

Teilqualifizierungen richten sich an Erwachsene über 25 Jahren, die keine oder eine veraltete Berufsausbildung abgeschlossen haben. Sie dienen der Eingliederung in den Arbeitsmarkt für arbeitslose und von Arbeitslosigkeit bedrohte Menschen und können beim nachträglichen Erwerb eines Berufsabschlusses helfen. Auch Flüchtlingen wolle man damit eine Möglichkeit geben, in den Arbeitsmarkt einzusteigen, erklärt Markus Kiss. „Wir wollen die klassischen Ausbildungen nicht konterkarieren. Es bleibt die Ausnahme, ist aber ein guter Weg, Menschen, die nicht so gut qualifiziert sind, fit zu machen und auf einen zukunftsträchtigen Weg zu schicken.“

Die Idee bei den Teilqualifizierungen: Erwerbstätige müssen nicht gleich eine zwei- oder dreijährige Ausbildung machen. Sondern sie absolvieren jeweils einzelne Bausteine. Nach jedem Baustein erwerben sie ein Zertifikat. Bestehen Arbeitnehmer alle Teilqualifizierungen, können sie sich zur Externenprüfung anmelden. Die Teilqualifizierungen werden allerdings nur für einige bestimmte Ausbildungen angeboten.

Weitere Wege ins Berufsleben kennt Aneta Schikora, Pressereferentin der Bundesagentur für Arbeit. Junge Erwachsene, die eine berufliche Ausbildung nachholen wollen, können dies zum Beispiel auch mit dem Programm Zukunftsstarter tun. Die Ausbildungsinitiative der Bundesagentur für Arbeit richtet sich insbesondere an Menschen zwischen 25 und 35 Jahren. Um finanziellen Pflichten und eventuell der Betreuung eigener Kinder gerecht zu werden, gibt es beispielsweise die Möglichkeit der Teilzeitausbildung oder einer finanziellen Unterstützung für bestandene Prüfungen.

Risiko, auf Dauer arbeitslos zu werden, sinkt

Wer hingegen schon länger als gering qualifizierter Helfer in einem Betrieb arbeitet, kann sich womöglich im Unternehmen selbst weiterbilden. Kosten für Lehrgänge und Zuschüsse für Arbeitsausfälle im Rahmen der Ausbildung übernimmt dann die Bundesagentur für Arbeit. „Das hat für beide Seiten Vorteile: Der Arbeitnehmer kann sich während der Beschäftigung qualifizieren, der Arbeitgeber bekommt im Idealfall eine Fachkraft, die schon eingearbeitet ist“, sagt Schikora. Umfassende Informationen zu allen Weiterbildungsmaßnahmen und eine persönliche Beratung kann aber nur die örtliche Arbeitsagentur bieten. „Deswegen sagen wir als Bundesagentur für Arbeit, kommen Sie zunächst zu uns“, so Schikora.

Den Weg zur Arbeitsagentur empfiehlt auch Martina Bandoly, Karriereberaterin bei der Deutschen Gesellschaft für Karriereberatung. Und Geringqualifizierte sollten sich klarmachen: Auf kurze Sicht scheint eine Ausbildung oder Teilqualifizierung womöglich erst einmal unattraktiv. Wer sich derzeit mit Gelegenheitsjobs über Wasser hält, verdient gar nicht so selten in der Ausbildung erst einmal weniger Geld. An einer Fort- oder Weiterbildung werde man auf Dauer häufig trotzdem nicht vorbeikommen. Denn sie reduziert die Wahrscheinlichkeit, auf Dauer arbeitslos zu werden und sie erhöht die Chancen, in der Betriebshierarchie aufzusteigen.