Etwas lauter als bei Volksstimme-Telefonforen üblich ging es bei der gestrigen Telefonaktion zu. Das mag am Thema gelegen haben : Hörstörungen. Im Volksstimme-Telefonforum beantworteten Ärzte des Magdeburger Universitätsklinikums zahlreiche Fragen von Lesern zu modernen Behandlungsmöglichkeiten verschiedener Hörstörungen.

Frage : Mein Mann ist 69 Jahre alt. Er kann immer schlechter hören, aber einen Hörtest will er noch nicht machen lassen. Was sollten wir tun ?

Antwort : Hörprobleme machen sich meist schleichend bemerkbar. Oftmals wollen Betroffene es zunächst gar nicht wahrhaben, dass sie eine Hörhilfe brauchen. Wenn aber ein Hörgerät erst nach vielen Jahren schlechten Hörens eingesetzt wird, muss das Gehör erst wieder für die neue Tonumgebung geschult werden. Dieser Lernprozess kann für ältere Menschen zu einem Problem werden. Je früher man sich für ein Hörgerät entscheidet, desto besser kommt man damit zurecht.

Frage : Ich habe seit etwa zwei Jahren ein Rauschen im Ohr. Gingko-Präparate haben mir nicht geholfen. Was kann man noch tun und was kann die Ursache sein ?

Antwort : Ohrgeräusche ( Tinnitus ) sind ein Problem, das viele Menschen haben. Es kann verschiedene Ursachen haben. Das kann zum Beispiel eine Störung im Bereich des Innenohres sein, die durch einen Hörsturz oder ein Knalltrauma ausgelöst wurde. Als weitere mögliche Ursachen können Gefäßmissbildungen oder Störungen der Halswirbelsäule bzw. des Kiefergelenks sein. Gegen akute Tinnitusbeschwerden kann man etwas tun, wenn man die Ursache gefunden hat. Bei chronischem Ohrensausen kann man Techniken erlernen, um die Aufmerksamkeit für das Ohrgeräusch zu mindern. Sie sollten dann auch eine psychologische Beratung in Betracht ziehen. Unterstützung bietet Ihnen ebenfalls die Tinnitus Liga – ein bundesweiter Selbsthilfeverein ( Beratungstelefon : ( 0202 ) 2 46 52 74, Mo ., Di. und Do. 10 bis 12 Uhr, Di. 16 bis 18 Uhr, Internet : www. tinnitusliga. de ).

Frage : Seit einigen Wochen kann ich immer schlechter hören. Ist das schon die Altersschwerhörigkeit und benötige ich ein Hörgerät ? Ich bin 62 Jahre.

Antwort : Mit zunehmendem Alter verschlechtert sich das Hörvermögen. Langjährige Lärmeinwirkungen beschleunigen diesen Prozess. Aber auch ein Pfropfen, der den Gehörgang verstopft, kann zu einer Verschlechterung des Hörvermögens führen. Der Ohrenarzt kann ihn mühelos entfernen. Gehen Sie zum HNO-Arzt. Er kann den Gehörgang untersuchen und das Hörvermögen testen.

Frage : Mein Mann hatte vor einem halben Jahr einen Hörsturz. Er hatte plötzlich ganz schlecht gehört, Drehschwindel und Übelkeit gehabt. Wie konnte es dazu kommen ?

Antwort : Ein Hörsturz kann verschiedene Ursachen haben. Das können zum Beispiel Infektionen, ein Tumor ( Akustikus-Neurinom ) oder Durchblutungsstörungen sein. Starker Stress und Aufregung begünstigen die Entstehung. Wichtig ist es, die Ursache des Hörsturzes herauszufinden.

Frage : Ich kann auch sehr leise Geräusche noch gut wahrnehmen. Aber wenn ich in Gesellschaft bin, dann habe ich Probleme, dem Inhalt der Gespräche zu folgen. Kann man mir helfen ?

Antwort : Wahrscheinlich handelt es sich um eine zentrale Verarbeitungsstörung des Hörens. Wichtig ist es, dass Sie zum HNO-Arzt gehen und eine Hördiagnostik auf Töne und Sprache machen lassen. Möglicherweise kann man Ihnen mit einem Hörgerät helfen.

Frage : Ich habe das Gefühl, als wäre der Kopf in Watte gepackt. Bei jedem Schlucken knackt es im Ohr. Wenn ich die Nase zuhalte und schlucke, ist es vorübergehend etwas besser. Was kann ich tun ?

Antwort : Die Symptome sprechen für eine Belüftungsstörung, z. B. als Folge eines Infektes. Dadurch kann das Trommelfell den Schall nicht mehr richtig zur Hörschnecke weiterleiten. Hilfe bringen abschwellende Nasentropfen, Meersalzlösungen und ein Training der Hörtrompete ( Nase zuhalten und Druck aufbauen, Kauen von Kaugummi ).

Frage : Ich kann oft nicht einschlafen, weil ich ein pulssynchrones Rauschen höre, sobald ich mich auf die Seite lege. Muss ich damit leben ?

Antwort : Die von Ihnen beschriebenen Symptome sprechen für einen pulssynchronen Tinnitus. Dazu kann es beispielsweise kommen, wenn die Schallübertragung im Ohr nicht optimal funktioniert. Die Körpergeräusche werden dann stärker wahrgenommen. Der HNO-Arzt sollte auch andere Ursachen, z. B. einen Gefäßtumor, ausschließen.

Frage : Unser vierjähriger Enkel hat ein " laufendes Ohr ". Die Ärztin hat einen Riss im Trommelfell festgestellt. Muss das operiert werden ?

Antwort : Wahrscheinlich entwickelte Ihr Enkel in Folge einer Erkältung eine akute Mittelohrentzündung. In der Folge kommt es oft zu einer Schwellung der Schleimhaut in dem schmalen Gang, der Mittelohr und Rachenraum verbindet. Schwillt er zu, können Flüssigkeit und Schleim nicht mehr abfließen und sammeln sich im Mittelohr an. Wird der Druck im Mittelohr zu hoch, kann ein Riss im Trommelfell entstehen. Die Flüssigkeit läuft dann nach außen ab und die Schmerzen werden gelindert. Ein solcher Riss im Trommelfell wächst normalerweise problemlos wieder zu. Dennoch ist bei Hinweisen auf einer akuten Mittelohrentzündung wie Ohrenschmerzen, Fieber und Schwellung der Ohrmuschel eine Vorstellung beim Kinder- oder HNO-Arzt ratsam, um eine Ausbreitung der Entzündung über das Mittelohr hinaus zu verhindern. Kleine Kinder können meistens nicht sagen, wo genau es weh tut. Sie klagen bei einer Mittelohrentzündung oft auch über Kopf- und Bauchschmerzen, sind plötzlich quengelig, appetitlos und haben Fieber.

Frage : Ich leide an einer chronischen Mittelohrentzündung. Mir steht jetzt eine mikrochirurgische Operation an Mittelohr bevor, bei der der Steigbügel durch eine künstliche Prothese ersetzt werden soll. Erfolgt dieser Eingriff in örtlicher Betäubung oder unter Vollnarkose ? Wie sind die Erfolgsaussichten ?

Antwort : Beides ist möglich. Welche Methode im Einzelfall zur Anwendung kommt, muss individuell entschieden werden. Ausschlaggebend sind hierbei das Lebensalter und die Ausdehnung der Mittelohrerkrankung sowie der Wunsch des Patienten. Dank moderner Verfahren der Therapieplanung, mikrochirurgischer Techniken und neuer Implantate sind die Chancen der Betroffenen, nach dem Eingriff wieder besser hören zu können, sehr gut.

Frage : Mir wurde 1998 ein neuer Steigbügel im Mittelohr eingesetzt. Anfangs habe ich dadurch wieder besser gehört. In den vergangenen zwei Jahren hat sich das Hörvermögen aber wieder verschlechtert. Kann man noch einmal operieren ?

Antwort : Möglicherweise ist die Prothese verrutscht. Dann kann man noch einmal operieren. Die Ursache der Hörstörung sollte vorab aber genau untersucht werden.