Völlegefühl, Verstopfungen oder Veränderungen des Stuhlgangs sind Probleme, mit denen sich viele Menschen plagen. Das zeigte das rege Interesse der Volksstimme-Leser am gestrigen Telefonforum. Uwe Seidenfaden stellte einige Fragen und Antworten zusammen.

Frage : Mein Arzt hat mir gesagt, dass ich mehrere kleine Darmtaschen habe. Von einer Operation rät er vorerst ab. Wann ist eine Operation erforderlich ?

Antwort : Kleine Ausstülpungen in der Dickdarmwand ( Darm-Divertikel ) kommen insbesondere bei älteren Menschen häufiger vor. Schmerzen können sie verursachen, wenn sich darin Stuhl verfängt und es zu Entzündungen kommt. In der Regel erfolgt die Behandlung entzündeter Divertikel mit Antibiotika und schmerzlindernden Medikamenten. Wenn es immer wieder zu Entzündungen kommt, ist eine chirurgische Entfernung der betroffenen Darmabschnitte ratsam - allerdings erst, nachdem die Entzündung abgeklungen ist.

Frage : Mir wurde vor knapp einem Jahr schon einmal ein Stück Darm entfernt, weil sich kleine Ausstülpungen ( Divertikel ) entzündet hatten. In anderen Teilen des Darmes befinden sich noch mehr Ausstülpungen, die bislang unbehandelt blieben. Wie kann ich unterscheiden, ob Schmerzen von einem entzündeten Darmdivertikel kommen oder z. B. von der Bandscheibe bzw. vom Blinddarm ?

Antwort : Entzündete Divertikel verursachen oftmals linksseitige Unterbauchschmerzen, weil der Stuhl im linken Teil des Dickdarms länger steht als im rechten. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sich dort vorhandene Divertikel entzünden. Die Beschwerden treten akut auf und werden oft von Fiberschüben, Erbrechen und Schüttelfrost begleitet. In diesem Fall sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Frage : Seit einigen Jahren leidet unsere Enkelin an spontan wiederkehrenden Durchfällen und heftigen Bauchschmerzen. Sie fühlt sich dann kraftlos und abgeschlagen. Die medizinische Diagnose lautet Colitis ulcercosa. Ich habe gelesen, dass eine zuckerarme Kost die Symptome bessern kann. Ist da etwas dran ?

Antwort : Die Colitis ulcerosa ist eine chronisch-entzündliche Dickdarmerkrankung. Die Art der Ernährung ist nicht der Auslöser der Erkrankungsschübe. Deshalb ist auch von einer Diät, die auf Zucker verzichtet, keine Verbesserung ihrer Lebenssituation zu erwarten. Ratsam ist eine ausgewogene, gesunde und vitaminreiche Ernährung.

Frage : Ich bin 70 Jahre alt und leide seit Jahren unter Darmträgkeit. Kann mir eine Operation helfen ? Was ist von einer Darmreinigung zu halten ?

Antwort : Bei einer Darmträgheit ist meist der gesamte Darm betroffen. Eine Operation kommt in diesem Fall nicht in Betracht. Auch eine Darmreinigung wird letztlich keinen Erfolg bringen. Wir empfehlen eine langfristige Nahrungsmittelumstellung,

d. h, eine ballaststoffreiche Kost ( z. B. Weizenkleie, Trockenpflaumen und Flosamen-Präparate ), ausreichend Flüssigkeit ( ein bis zwei Liter Mineralwasser oder Saftschorlen ) sowie tägliche Bewegung ( z. B. Verdauungsspaziergänge ).

Frage : Ich leide oft unter Blähungen und Völlegefühl. Was halten Sie von Blutuntersuchungen auf eine Nahrungsmittel-Allergie ?

Antwort : Nahrungsmittel-Allergien sind bei Erwachsenen eher selten der Auslöser von Verdauungsbeschwerden. Dafür könnte sprechen, wenn die Symptome regelmäßig nach dem Verzehr eines bestimmten Nahrungsmittels auftreten. Oftmals lässt sich jedoch kein direkter Zusammenhang feststellen. Häufiger als Allergien sind Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten

oder Nahrungsmittel-Intoleranzen. Mit einer allergologischen Untersuchung ( z. B. oraler Provokationstest unter doppelblinden klinischen Bedingungen ) sollte das abgeklärt werden.

Frage : Ich hatte vor einem halben Jahr eine komplette Darmspiegelung. Dabei wurden mehrere Polypen festgestellt. Der behandelnde Arzt konnte mir aber nicht sicher sagen, ob sie komplett abgetragen werden konnten. Jetzt mache ich mir natürlich Sorgen, dass ich doch noch Krebs bekomme. Wie sollte ich mich verhalten ?

Antwort : Darmpolypen gelten als eine Vorstufe von Darmkrebs. Deshalb müssen sie entfernt werden. Manchmal kann man nicht sicher feststellen, ob die Darmpolypen vollständig beseitigt wurden. Wenn das der Fall ist, wird eine Nachkontrolle nach einem Jahr empfohlen. Damit ist man auf der sicheren Seite.

Sollte bei der Nachkontrolle nichts gefunden werden, sind weitere Nachkontrollen erst nach fünf bis zehn Jahren notwendig.

Frage : Schon seit Jahren leide ich unter juckenden Hämorrhoiden und Hautentzündungen im Intimbereich. Was kann ich dagegen tun ?

Antwort : Schleimhautfalten bei Hämorrhoiden sind häuf g die Ursache von Juckreiz und Hautirritationen im Analbereich. Hauptgrund ist ein geringer aber kontinuierlicher Flüssigkeitsaustritt am After, wegen der unzureichenden Schließmuskelfunktion. Einerseits ist es wichtig, die Ursache, d. h. die krankhaft veränderten Hämorrhoiden, zu therapieren. Gleichzeitig ist zu empfehlen, die Haut im Analbereich mit Zink-Pasten und Stoffeinlagen trocken zu halten. Nicht immer ist der Juckreiz im Afterbereich tatsächlich auf Hämorrhoiden zurückzuführen. Deshalb sollte bei chronischen Entzündungen in der Analregion der Hautarzt aufgesucht werden, um Kontaktallergien, chronisch-entzündliche Erkrankungen, Tumoren oder Pilzinfektionen auszuschließen.

Frage : Mit welchen Magen-Darm-Beschwerden sollte man unbedingt einen Arzt aufsuchen ?

Antwort : Grundsätzlich sollten sich die Patienten immer dann sofort genau untersuchen lassen, wenn die Beschwerden sehr stark sind oder andere Alarmsymptome wie Blut im Stuhl, unerklärliche Gewichtsabnahme in den vergangenen drei Monaten, gelbliche Verfärbung der Augen oder Magenschmerzen bei regelmäßiger Einnahme von Medikamenten gegen Rheuma oder Schmerzen haben.