Krampfadern sind mehr als ein Schönheitsproblem. Sie können sich entzünden, Thrombosen bilden und zu Lungenembolien führen. Über die verschiedenen Therapien und Möglichkeiten zur Vorbeugung erkundigten sich viele Leser bei Magdeburger Ärzten, die gestern im Volksstimme-Telefonforum zu Gast waren. Uwe Seidenfaden notierte einige Fragen und Antworten.

Frage : Ähnlich wie meine Mutter habe auch ich an den Beinen Krampfadern. Wie kann es dazu kommen ?

Antwort : Die erbliche Veranlagung spielt bei der Erkrankung des Venensystems eine wichtige Rolle. In vielen Fällen liegt eine angeborene Venenwandschwäche vor. Sie führt dazu, dass kleine Schließklappen in den Blutgefäßen nicht mehr richtig schließen. Dadurch kann sich das Blut beim Rückfluss zum Herzen in den Beinen stauen. Zu langes Sitzen oder Stehen führen zu einer Verschlechterung des Blutrücktransports.

Frage : Ich habe zwar keine Krampfadern, dafür aber seit einigen Tagen stark geschwollene Beine und Fußknöchel, besonders auf der linken Seite. Was kann ich dagegen tun ?

Antwort : Sie sollten umgehend zum Arzt gehen und sich untersuchen lassen. Unter Umständen können die Symptomen auf eine Erkrankung des Herzens oder der Nieren hindeuten.

Frage : Bei mir wurde vor drei Wochen eine Verödung einer Beinvene durchgeführt. Ich habe noch immer Schmerzen in den Beinen. Wie kann ich den Heilungsprozess unterstützen ?

Antwort : Die Verödung der krankhaften Venen führt zu einer zeitweiligen Entzündung, die schmerzhaft sein kann. Die Kompressionsstrümpfe, die Sie nach dem Eingriff tragen sollten, lindern den Schmerz. Sie sollten auch die verordneten Blutverdünner nehmen, um eine Thrombose in den sich neu bildenden Gefäßen zu verhindern. Wichtig ist es für den Heilungsprozess, dass Sie sich viel bewegen. Schmerzmittel können den Schmerz während der Bewegung erträglich halten. Etwa acht bis zehn Wochen nach der Verödung sollten die Schmerzen besser werden.

In jedem Fall ist es danach ratsam, regelmäßig die Nachkontrollen beim Arzt wahrzunehmen. Auch operative Verfahren schließen nämlich nicht aus, dass erneut Venenprobleme auftreten. Wenn neue Beschwerden auftreten, sollte man nicht erst bis zum vereinbarten Arzt-Termin warten.

Frage : Ich habe schmerzende Beine beim Treppensteigen oder beim schnellen Gehen. Wenn ich stehen bleibe, lassen die Beschwerden wieder nach. Mein Arzt sprach von einer arteriellen Verschlusskrankheit und empfahl mir Gymnastik, Bewegungstraining und verordnete mir Medikamente zur Durchblutungsförderung.

Wenn all das nicht hilft, ist dann eine Operation notwendig ?

Antwort : Ihr Arzt hat eine Verengung der Arterien in den Beinen festgestellt. Die Arterien unterscheiden sich von den Venen darin, dass sie das Blut vom Herzen zu den anderen Organen und Geweben befördern. Die Venen sorgen für einen Rückfuss zum Herzen. Die Schmerzen, die Sie beim Gehen verspüren, sind ein Signal der Muskeln auf Grund der Mangeldurchblutung infolge verengter Arterien. Gelingt es nicht, die Arterienerkrankung zu stoppen, wird die Durchblutung immer weiter behindert. Es kann dann auch zu Schmerzen bei Ruhe und zu schlecht heilenden Wunden ( offenen Beinen ) kommen.

Um das Fortschreiten der Erkrankung zu stoppen, ist es wichtig, Risikofaktoren wie schlecht eingestellte Blutzuckerwerte bei Diabetes, das Rauchen und mangelhafte Bewegung zu vermeiden. Zusätzlich kann der Arzt Medikamente verordnen. Eine operative Erweiterung verengter Arterien oder die Verlegung eines Bypasses kommen in der Regel nur bei einer fortgeschrittenen arteriellen Verschlusskrankheit in Betracht.

Frage : In meinem Beruf als Verkäuferin muss ich tagsüber viel stehen. Am Abend habe ich dann schwere und geschwollene Beine. Mein Arzt hat mir zum Tragen von Kompressionsstrümpfen geraten. Welche weiteren Möglichkeiten habe ich, die Beschwerden zu lindern ?

Antwort : Kompressionsstrümpfe drücken die Venen zusammen und verbessern damit den Blutrückf uss zum Herzen. Bei Kompressionsstrümpfen ist es besonders wichtig, dass sie fest sitzen. Wichtig ist es außerdem, Beine und Füße so viel wie möglich zu bewegen. Sie können sich beispielsweise hin und wieder einmal auf die Zehen stellen oder Wippbewegungen mit den Füßen ausführen. Günstig wäre es auch, die Beine von Zeit zu Zeit hochzulagern. Als angenehm empfunden werden von vielen Menschen lauwarme oder kühle Wasserübergüsse vom Fuß aufwärts. Menschen, die häufg am Schreibtisch arbeiten, sollten darauf achten, dass sie nicht zu tief sitzen und die Beine möglichst auch nicht übereinanderschlagen.

Frage : Ich habe viele Krampfadern. Wann ist eine Verödung der Krampfadern oder ein Herausziehen der kranken Venen ratsam ?

Antwort : Wie die Behandlung im Einzelfall erfolgt, hängt vom Typ der Krampfadern, vom Ort und vom Ausmaß der Venenveränderungen und auch von den individuellen Beschwerden ab.

Einzelne Krampfadern können je nach Art und Größe verödet oder mittels Miniphlebektomie ( Häkchenmethode unter örtlicher Betäubung ) entfernt werden.

Neben den venenerhaltenden Verfahren gibt es das Venenstripping. Dabei wird in die krankhaft erweiterte Vene eine flexible Spezialsonde eingeführt, bis zu deren Ende vorgeschoben und dort wieder ausgeleitet. Die Vene wird dann oben und unten durchtrennt, auf der Sonde fixiert, und herausgezogen.

Frage : Ich habe eine Krampfader. Das Bein schmerzt, insbesondere nach Belastung und wenn es warm ist. Kann es sein, dass ich durch Radfahren meinen Venen schade ?

Antwort : Nein. Bewegung ist generell gut für die Venen. Wer eine Venenschwäche hat, der sollte dabei Kompressionsstrümpfe tragen. Gehen Sie zu Ihrem Arzt, der Sie zu einem Gefäßspezialisten überweisen kann.

Frage : Welche sportlichen Tätigkeiten würden Sie Menschen mit einer Venenschwäche empfehlen ?

Antwort : Günstig ist beispielsweise Gymnastik zur Stärkung der Bein-, Fuß- und Wadenmuskulatur. Empfehlenswert sind auch Laufsportarten wie Joggen und Walking einschließlich Wanderungen. Eine ideale Sportart für Venenpatienten ist auch das Schwimmen, wenn das Wasser nicht zu warm ist.

Frage : Bei mir wurde ein Lymphödem festgestellt. Wie bekomme ich das Wasser aus den Beinen ?

Antwort : Zu empfehlen ist eine Lymphdrainage, um den Lymphabfluss zum Herzen zu verbessern. Unmittelbar danach sollen Sie Kompressionsstrümpfe anziehen, um den Effekt zu erhalten.

Frage : Wie kommt man an einen Venen-Experten ?

Antwort : Sie benötigen eine Überweisung vom Hausarzt zu einem Phlebologen, Angiologen oder Gefäßspezialisten. Auskünfte über Fachärzte in Wohnnähe erhalten Sie auch bei der Kassenärztlichen Vereinigung.