Auskunft zum richtigen Anlageverhalten in Zeiten der Bankenkrise gaben gestern am Volksstimme-Telefon Daniela Mann von der Stadtsparkasse Magdeburg. Thomas Lippold vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft sowie Peter Klipp von der Redaktion " Finanztest " bei der Stiftung Warentest. Hier eine Auswahl von Fragen und Antworten.

Frage : Ich habe seit 1995 eine Lebensversicherung, die nächstes Jahr ausgezahlt wird. Ist dann darauf Abgeltungsteuer zu zahlen ?

Antwort : Nein – Versicherungen sind in der Regel nicht von der Abgeltungsteuer betroffen. Das gilt insbesondere für Verträge, die wie in Ihrem Fall vor 2005 geschlossen wurden. Kapitalzahlungen daraus sind steuerfrei – vorausgesetzt, der Vertrag lief mindestens zwölf Jahre und es wurden wenigstens regelmäßig fünf Jahre lang Beiträge eingezahlt.

Frage : Ich habe bei der Sparkasse 15 000 Euro angelegt. Muss ich darauf komplett Abgeltungsteuer zahlen oder gibt es da auch Freibeträge ?

Antwort : Ja, die gibt es. Ab Januar 2009 zahlen Sie 25 Prozent Abgeltungsteuer – ebenfalls plus Solizuschlag und eventuell Kirchensteuer. Aber auch dann gibt es einen sogenannten Sparerpauschbetrag : 801 Euro pro Jahr für Alleinstehende, 1602 Euro für Verheiratete. Die neue Steuer wird erst abgeführt, wenn es über den Betrag von 801 / 1602 Euro pro Jahr hinausgeht.

Frage : Ich zahle monatlich in Aktienfonds ein, die jetzt extrem an Wert verloren haben. Lohnt sich jetzt noch ein Weiterzahlen ?

Antwort : Wenn Sie jetzt kündigen, machen Sie nur Verlust. Unsere Empfehlung : Halten Sie durch ! Fondssparen sollte man ohnehin nur mit langem Anlagehorizont betreiben. Für Aktiensfonds gilt wie bei Aktien : Die Steuerfreiheit der Kursgewinne und das Halbeinkünfteverfahren bei den Dividenden fallen 2009 weg. Wer noch in diesem Jahr in Fonds einzahlt, kann die Kursgewinne daraus steuerfrei realisieren, wenn er den Fonds länger als ein Jahr hält.

Frage : Ich habe über meinen Anlageberater bei einer großen deutschen Bank eine Sparanlage. Wie sicher ist mein Geld – und bis zu welcher Höhe ?

Antwort : Per Gesetz sind Spareinlagen in Deutschland generell bis zu 20 000 Euro abgesichert. Fragen Sie Ihren Anlageberater, ob Ihre Bank am sogenannten Einlagensicherungsfonds beteiligt ist. Ist das der Fall, dann können Sie ganz beruhigt sein, weil dann weitaus höhere Beträge abgesichert sind. Die Sicherungsgrenze pro Anleger bei Ihrer Bank können Sie unter www. bdb. de heraus-• nden.

Frage : Ich bin zur Zeit arbeitslos. Noch habe ich eine Riester-Rente. Ist die sicher ? Kann ich auch weniger einzahlen ?

Antwort : Es gibt keine sicherere Anlageform für die Altersvorsorge als die Riester-Rente. Die hier angelegten Gelder sind absolut sicher. Je nach Anbieter greifen die Sicherungssysteme wie Einlagensicherungsfonds bei Banken oder Protektor für Versicherungen. Für Sie persönlich gilt : Der Riester-Vertrag ist Hartz-IV-sicher – und Ihr Anbieter muss Ihnen zum Beginn der Rentenzahlung Ihre eingezahlten Beiträge plus angesammelter Zulagen garantieren. Für die volle Förderung eines Riester-Vertrages muss man vier Prozent des sozialversicherungsp ichtigen Vorjahreseinkommens aufwenden. Zahlen Sie weniger ein, fällt auch die Förderung geringer aus.

Frage : Lohnt es sich jetzt, wegen der Finanzkrise lieber in Gold zu investieren ?

Antwort : Gold als Geldanlage emp ehlt sich nicht. Einerseits wirft Gold keine Zinsen ab, zweitens schwankt der Goldkurs beträchtlich. Das ist eher etwas für Liebhaber oder zum Verschenken.

Frage : Meinem Sohn wurde ein Vertrag zur betrieblichen Altersversorgung angeboten. Was ist besser für ihn – dieser Vertrag oder eine Riester-Rente ?

Antwort : Das sind zwei völlig verschiedene Fördervarianten. Bei der Riester-Rente erhält Ihr Sohn staatliche Zulagen bis zu 154 Euro jährlich, entsprechende Einzahlungen vorausgesetzt. Außerdem kann er seine Beiträge über die Einkommensteuererklärung bis zu 2 100 Euro jährlich geltend machen. Bei der betrieblichen Altersversorgung kann Ihr Sohn im Rahmen der Entgeltumwandlung bis zu 252 Euro monatlich steuerfrei und ohne Beiträge zur Renten-, Kranken- und Arbeitslosenversicherung einzahlen. Das heißt : Zahlt er aus seinem Brutto monatlich 100 Euro ein, hat er rund 200 Euro Guthaben auf seinem Betriebsrentenkonto. Die Betriebsrente ist allerdings im Alter nicht nur wie die Riester-Rente voll steuerp ichtig, sondern es werden auch Beiträge zur Kranken- und P egekasse fällig.

Frage : Ich will für meinen zehn Wochen alten Enkel 3000 Euro als Festgeld anlegen. Ist es sinnvoll, wegen der Bankenkrise lieber eine kurzfristige Anlage von einem Jahr zu wählen und dann neu zu schauen ?

Antwort : Das ist im Gegenteil wenig sinnvoll. Denn allgemein wird wegen der kommenden Rezession mit sinkenden Zinsen gerechnet. Wenn Sie jetzt einen Anlagehorizont von fünf Jahren wählen, sichern Sie sich die heutige Zinshöhe.

Frage : Was passiert mit meiner Betriebsrente, wenn ich gekündigt werde ?

Antwort : Wenn Sie mit Zahlungen aus Ihrem Brutto diesen Vertrag nanzieren, sind Ihre bisher daraus erwachsenen Ansprüche unverfallbar. Ihr Vertrag ruht zunächst. Im günstigsten Fall können Sie ihn beim neuen Arbeitgeber weiterführen.

Ist das nicht möglich, ruht der Vertrag bis zum vereinbarten Ablauf weiter – und Sie bekommen dann Ihre Rente entsprechend der bis zur Kündigung eingezahlten Beiträge ausgezahlt.

Frage : Ich habe Aktien und Aktienfonds. Soll ich die jetzt wegen der Krise alle verkaufen ?

Antwort : Überstürztes Handeln bringt nichts. Dass Aktien mit Risiken verbunden sind, müsste jedem klar sein, der sie erwirbt. Mittel- und langfristig wird man mit Aktien auch wieder Gewinne erzielen. Setzen Sie sich noch vor Jahresende mit Ihrem Anlageberater zusammen und prüfen Sie, ob die Mischung Ihres Depots stimmt : Sind die vertretenen Unternehmen langfristig gut aufgestellt ? Wie haben sich die Fonds vor der Krise entwickelt ? Berücksichtigt werden muss auch, dass auf Kursgewinne von Aktien und Aktienfonds ab 2009 Abgeltungsteuer fällig wird.

Frage : Ich investiere in einen offenen Immobilienfonds, der jetzt geschlossen wird. Sollte ich sofort verkaufen, wenn er wieder geöffnet wird ?

Antwort : Offene Immobilienfonds sind gegenwärtig relativ sicher. Manche Fonds werden jetzt geschlossen, weil sich bestimmte Investoren zurückziehen. Aber da bei solchen Fonds in der Regel in Gewerbeimmobilien investiert wird und die Erträge aus langfristig geschlossenen Mietverträgen kommen, sollten Sie nicht übereilt aussteigen.