Atemstörungen standen im Mittelpunkt vieler Leserfragen während des gestrigen Telefonforums mit den Lungenfachärzten Privatdozent Dr. Jens Schreiber und Dr. Nadine Waldburg vom Uniklinikum sowie Dr. Karsten Thomas Schulz, Landesvorsitzender der Mitteldeutsche Gesellschaft für Pneumologie. Uwe Seidenfaden stellte einige Fragen und Antworten zusammen.

Frage: Ich muss bei leichten körperlichen Anstrengungen wie dem Treppensteigen nach Luft ringen. Es ist so, als ob jemand auf meinem Brustkorb sitzt. Kann es an der Lunge liegen?

Anwort: Atemnot kann viele Ursachen haben – von Asthma, Lungenentzündungen, neurologischen Störungen bis hin zu den Folgen jahrelangen Rauchens. Die von Ihnen geschilderten Beschwerden könnten auch auf eine Herzerkrankung hindeuten. Genaueres lässt sich erst nach einer ärztlichen Untersuchung sagen.

Frage: Bei mir wurde im Rahmen einer ärztlichen Untersuchung der Lunge eine Überblähung festgestellt. Wie konnte es dazu kommen und wie sind die Heilungschancen?

Antwort: Zu einer Überblähung der Lungenbläschen kommt es als Folge einer dauerhaften Engstellung der Bronchien. Eine Heilung ist zwar nicht möglich. Man kann allerdings durch regelmäßige Anwendung inhalativer Medikamente dazu beitragen, dass sich die Beschwerden nicht weiter verschechtern.

Frage: Immer am Vormittag muss ich stark husten und bekomme dann auch schlecht Luft. Kommt das von der Lunge oder vom Herz. Ein hoher Blutdruck ist bekannt und wird von mir mit Medikamenten behandelt.

Antwort: Beides ist prinzipiell möglich. Außerdem könnte es sein, dass bestimmte Blutdruckmedikamente (Beta-Blocker und ACE-Hemmer) die Beschwerden auslösen. Daran sollte man insbesondere dann denken, wenn die Beschwerden nach Einnahme der Blutdruckmedikamente auftreten. Besprechen Sie das mit Ihrem Arzt. Eventuell wird er eine Umstellung der Therapie vornehmen.

Frage: Mein zweijähriger Sohn hat Neurodermitis. Dazu kam in jüngster Zeit öfter mal eine starke akute Bronchitis, so dass wir den Notarzt rufen mussten. Ich mache mir Sorgen, dass sich ein allergisches Asthma entwickelt. Wie können wir vorbeugen?

Antwort: Sie sollten mit Ihrem Sohn einen Kinder-Lungenfacharzt aufsuchen. Mit einer guten Therapie, insbesondere regelmäßigen Inhalationen, kann man das gut in den Griff bekommen. Notfallmedikamente allein reichen nicht aus. Zudem sollte man auch das Umfeld nach möglichen Auslösern überprüfen und diese ausräumen. Das betrifft z. B. zu warme oder zu feuchte Räume bzw. Schimmelpilze.

Frage: Mein Mann ist Rentner und war im vergangenen Jahr für längere Zeit im Krankenhaus. Danach bekam er eine Lungenentzündung. Zum Glück überstand er auch das. In diesem Jahr empfahl unser Hausarzt meinem Mann und mir eine so genannte Schutzimpfung vor Lungenentzündungen. Muss sie, ähnlich wie die Grippeschutzimpfung, jährlich aufgefrischt werden?

Anwort: Nein. Der Impfschutz hält etwa fünf Jahre an. Zu empfehlen ist die so genannte Pneumokokken-Impfung insbesondere Menschen über 60 Jahren, die von einer Lungenentzündung stärker als gesunde jüngere Menschen gefährdet sind.

Frage: Selbst bei geringen körperlichen Anstrengungen habe ich Atemnot, Herzklopfen und Schwindelanfälle. Erst führten die Ärzte das auf mein Übergewicht zurück. Dann diagnostizierten sie eine pulmonale Hypertonie (Lungenhochdruck). Welche Belastung darf ich mir noch zumuten?

Anwort: Lungenhochdruck wirkt hauptsächlich in den Gefäßen des Lungenkreislaufs, so dass der Körper weniger Sauerstoff erhält. Damit unterscheidet er sich vom generellen Bluthochdruck. Das Herz versucht diesen Sauerstoffmangel auszugleichen, indem es das Blut mit einem höheren Druck durch die engen Gefäße pumpt. In der Folge dieser Dauerbelastung wird die rechte Herzkammer zunehmend größer, bis sie ihre Funktion nicht mehr erfüllen kann.

Ursache für den Lungenhochdruck sind u. a. angeborene Herzfehler, Erkrankungen des Bindegewebes, Lungenembolien bzw. chronisch-obstruktiveLungenerkrankungen. Auch Appetitzügler können zu Lungenhochdruck führen. Früher hieß es, dass Patienten mit Lungenhochdruck jede Form von körperlicher Belastung vermeiden sollten, um das Rechtsherzversagen zu vermeiden. Heute wird wohldosiertes Bewegungstraining mit Atemübungen, das unter ärztlicher Begleitung durchgeführt wird, durchaus empfohlen.

Frage: Mein Vater hat eine chronische Bronchitis und leidet unter Luftnot. Die Ärzte sagten, dass eine Lungentransplantation in seinem Fall zu riskant sei. Wie kann man ihm noch helfen? Ist eine Sauerstofftherapie ratsam?

Anwort: Lungentransplantationen sind große Eingriffe und kommen – nicht zuletzt wegen der begrenzten Verfügbarkeit der Organtransplantate – nur bei Aussicht auf gute Erfolgsschancen zum Einsatz.

Hilfreich ist auch in diesem Krankheitsstadium ein Rauchstopp. Er vermag die Geschwindigkeit, mit der die Lungenfunktion sich verschlechtert, zu verringern. Eine Sauerstofftherapie ist dann angebracht, wenn die Sauerstoffwerte sehr stark erniedrigt sind. Dann muss der Betroffene mindestens 16 Stunden pro Tag an die Sauerstoffversorgung angeschlossen sein.

Frage: In Stresssituationen bekomme ich oft Atemprobleme und Hustenanfälle. Ich habe das Gefühl, nicht richtig einatmen zu können. Eine Angsterkrankung wurde vom Neurologen ausgeschlossen. Ein Lungenfunktionstest brachte auch kein Ergebnis. Kann es sein, dass ich Luft in der Lunge habe?

Antwort: Die von Ihnen geschilderten Beschwerden könnten darauf hinweisen, dass Ihre Stimmbänder nicht richtig koordiniert funktionieren. Gehen Sie zum HNO-Arzt.