Durchblutungsstörungen des Herzens sind eine häufige Todesursache. Der Statistik zufolge sterben von 100 000 Bürgern Sachsen-Anhalts 220 an einem solchen Herzleiden. Über die Möglichkeiten, diesem Schicksal zu entgehen, informierten viele Leser sich gestern im Volksstimme-Telefonforum. Uwe Seidenfaden stellte eine Auswahl von Fragen und Antworten zusammen

Frage: Meine Mutter (64) hatte vor rund fünf Wochen einen leichten Herzinfarkt. Sie hatte das nicht einmal bemerkt. Zum Arzt ging sie nur deshalb, weil ihr Bein etwas geschwollen war. Kann man einen Herzinfarkt haben, ohne es zu bemerken?

Antwort: Das ist möglich und insbesondere bei Frauen und Diabetikern gar nicht selten. Das typische Symptom eines Herzinfarktes sind drückende oder brennende Schmerzen hinter dem Brustbein – im Bereich der Speiseröhre. Etwa die Hälfte der Menschen mit einem akuten Herzinfarkt haben jedoch keine eindeutigen Symptome. Begleiterscheinungen eines Infarktes können unter anderem auch Druckschmerzen im Oberbauch, Nacken- und Rückenschmerzen. Schwellungen der Beine und Füße können auf einen Blutrückstau an der rechten Herzkammer hinweisen. Dadurch wird die Wassereinlagerung im Gewebe begünstigt und es bilden sich Ödeme. In jedem Fall ist es ratsam, einen Arzt zu rufen.

Frage: Ich bin 55 Jahre alt und fühle mich eigentlich noch ganz fit. Nachdenklich macht mich, dass mein Vater in diesem Alter ganz plötzlich an einem Infarkt verstarb. Lässt sich feststellen, ob auch ich ein erhöhtes Infarktrisiko habe?

Antwort: Sie können Ihr individuelles Infarktrisiko im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung beim Hausarzt testen lassen. Die Kosten der Grunduntersuchungen – z. B. auf Vorliegen von Risikofaktoren wie Bluthochdruck, erhöhte LDLCholesterinwerte oder Diabetes mellitus – werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Zu berücksichtigen sind zudem weitere Risikofaktoren wie das Rauchen, das Schnarchen mit vorübergehenden Atemaussetzern sowie eine erbliche Vorbelastung (Herztod oder Schlaganfall von Eltern bzw. Großeltern in einem Alter von unter 65 Jahren). Eine Kontrolle des Blutdrucks und der elektrischen Herzströme unter Belastung auf einem Fahrrad-Ergometer liefert Hinweise auf die Funktion des Herzens. Gegebenenfalls kann der Arzt eine Untraschalluntersuchung und weiterführende Herzkatheter-Untersuchungen veranlassen.

Frage: Was kann man selbst tun, um sein Herz gesund zu halten?

Antwort: Auf das Rauchen verzichten, mit Bewegung und ggf. mit Medikamenten einen optimalen Blutdruck anstreben (120/80) sowie ein Normalgewicht/gute Cholesterinwerte durch ausgewogenes Essen und Bewegung erreichen.

Frage: Warum ist Bewegung auch für Herzkranke so wichtig?

Antwort: Krankhafte Veränderungen der Herzkranzgefäße (Arteriosklerose), die durch das Rauchen und schlechte Blutfettwerte begünstigt werden, führen zu einer Minderdurchblutung des Herzmuskels. In der Folge kann es zu Gefäßverschlüssen (Infarkte) kommen. Dabei sterben Herzmuskelzellen ab. Überlebt der Patient den Infarkt, entsteht eine Narbe im Herzen. Sie besteht aus Bindegewebszellen, die nicht zur Pumpfunktion des Herzmuskels beitragen. Dadurch wird das Herz schwächer, die körperliche Leistungsfähigkeit sinkt. Dieses Risiko ist umso größer, je weniger der Herzmuskel durch Bewegung trainiert wird. Für Menschen, die bereits eine Herzschwäche haben, können selbst kleine Aktivitäten die Lebensqualität verbessern und das Risiko eines erneuten Infarktes senken. In welchem Umfang Sie sich noch körperlich belasten können, sollte Sie im Gespräch mit Ihrem behandelnden Arzt erörteren.

Frage: Wenn ich mich im Bett auf die linke Seite drehe, höre ich mein Herz ganz deutlich schlagen. Oftmals werde ich davon wach. Ist es eigentlich für Herzkranke gefährlich, in der Seitenlage zu schlafen?

Antwort: Wenn man sich im Bett auf die linke Seite dreht, wird das Herz etwas näher an die Brustwand gedrückt. Dadurch spürt man die eigenen Herzschläge stärker. Gesundheitlich riskant ist das Linksschlafen aber nicht.

Frage: Vor einem halben Jahr hatte ich einen Infarkt. Dabei wurde festgestellt, dass ich erhöhten Blutdruck und Diabetes habe. Dagegen nehme ich jetzt Tabletten.

Ist es möglich, dass ich irgendwann einmal wieder ohne Tabletten auskommen kann? Das Rauchen habe ich schon aufgegeben.

Antwort: Blutdruck und Diabetes erhöhen das Infarktrisiko. Die von Ihrem Arzt verordneten Tabletten zur Blutdrucksenkung und Optimierung der Blutzuckerwerte senken die Gefahr eines erneuten Infarktes. In der Regel müssen Patienten mit einem deutlich erhöhten Infarktrisiko ihr Leben lang Medikamente einnehmen. Sie können jedoch die Menge und die Dosis durch eine gesunde Lebensführung positiv beeinflussen. Dazu gehört zweifellos der Verzicht auf das Rauchen, aber auch körperliche Betätigung und eine gesunde, vollwertige Ernährung. Bei Ihrer Krankenkasse können Sie sich nach speziellen Ernährungsschulungen und Sportkursen für Herzkranke erkundigen, deren Teilnahme von den Kassen bezuschusst wird.

Frage: Im Entlassungsschreiben meines Mannes aus der Klinik steht etwas von einer "dilatativen Kardiomyopathie". Was ist das und wie konnte es dazu kommen ?

Antwort: Eine dilatative Kardiomyopathie ist eine Vergrößerung der linken Herzkammer mit der Folge einer eingeschränkten Pumpfunktion. Dazu kann es z. B nach einem Herzinfarkt, durch Bluthochdruck, einen Herzklappenfehler oder nach einer Herzmuskelentzündung kommen. Ein vergrößertes Herz und ein verdickter Herzmuskel geht mit der Abnahme der Kontraktionskraft des Herzens einher. Die Schwächung der Kontraktionskraft versucht das Herz mit einer Steigerung der Schlagfrequenz auszugleichen. Ohne medizinische Behandlung droht ein weiterer Verlust an Pumpleistung und schließlich Herzversagen.