Auskunft zu Herzerkrankungen und ihrer Prävention gaben gestern am Volksstimme-Telefon die Hallenser Kardiologin Dr. Simone Heinemann, der Magdeburger Herzspezialist Prof. Dr. Christof Huth und Susanne Borchert als Leiterin der Herzkampagne. Hier eine Auswahl von Fragen und Antworten.

Frage : Ich habe viel zu niedrigen Blutdruck. Mein Arzt meint aber, dass ich keine Medikamente nehmen sollte. Ist das richtig ?

Antwort : Da hat Ihr behandelnder Arzt Sie völlig korrekt beraten. Niedriger Blutdruck ist keine Krankheit, da sind keine Tabletten nötig. Wenn Sie bei Hitze deshalb vermehrt Beschwerden wie Schwindelgefühl oder extreme Müdigkeit spüren, sollten Sie mehr als sonst trinken, sich im Gebäude aufhalten und auch einmal die Beine hoch legen.

Frage : Nach einem Herzinfarkt wurde mir gesagt, mein Herz sei nur noch zu 45 Prozent leistungsfähig. Ist es möglich, es durch Sport oder körperliche Bewegung wieder fi t zu machen ?

Antwort : Die Ihnen genannten 45 Prozent sollen sicher die Auswurfleistung des Herzens ausdrücken. Diese ist ab 55 bis 60 Prozent als normal zu bezeichnen. Sport gilt nach neuesten medizinischen Erkenntnissen als wesentlicher Bestandteil der Herzinsuffi zienz-Therapie. Durch den Sport verbessert sich die Sauerstoffaufnahme in der Muskulatur, was letztlich auch das Herz entlastet, denn ihm wird weniger Pumpleistung zur Aufrechterhaltung der Körperfunktionen abverlangt. Sport steigert zudem die Leistungsfähigkeit und das Selbstwertgefühl der Patienten und damit die Lebensqualität. Geeignet sind alle Ausdauersportarten wie Fahrradfahren und schnelles Gehen ( Walken ).

Egal, wofür man sich entscheidet, wichtig ist regelmäßige Bewegung. Körperliche Ausdaueraktivität schützt Herz und Blutgefäße, senkt Blutfette, Blutzucker und Blutdruck, erweitert die Gefäße, steigert die Leistungsreserven des Herzens, bremst den Appetit und hilft, überzählige Pfunde wieder loszuwerden.

Optimal sind aus medizinischer Sicht vier bis fünf Trainingseinheiten pro Woche von jeweils rund 30 Minuten. Lässt sich Ausdauersport in diesem Umfang nur schwer mit dem Alltag vereinbaren, sollte man sich zumindest zwei- bis dreimal pro Woche ausgiebig bewegen und möglichst oft zu Fuß gehen statt Auto oder Fahrstuhl zu benutzen.

Frage : Neulich hörte ich, dass auch Frauen einen Herzinfarkt erleiden können. Stimmt das ?

Antwort : Es ist ein noch weit verbreiteter Irrglaube, dass Herzinfarkt reine Männersache sei. Umfragen zufolge glauben fast zwei Drittel der Bevölkerung, dass an einem Herzinfarkt mehr Männer als Frauen sterben.

Die Realität sieht leider anders aus : Von allen durch Herzinfarkt bedingten Sterbefällen entfallen in Deutschland 52 Prozent auf Frauen. Wenig bekannt ist auch, dass schon 30- bis 40-J ährige einen Herzinfarkt erleiden können. Die dafür typischen Symptome werden von jüngeren Patienten oft aber nicht als solche gedeutet und der Arzt dann häufi g zu spät konsultiert.

Frage : Ich hatte vor wenigen Wochen einen Herzinfarkt, fühle mich aber wieder gut. Ich möchte draußen nun gern eine begonnene Mauer fertigstellen. Kann mir das schaden ?

Antwort : Wenn Sie sich wieder voll belastbar fühlen, schadet körperliche Bewegung aller Art keinesfalls. Ob Sie Sport treiben, einfach spazieren gehen oder in Haus und Garten werkeln, ist egal. Wichtig ist die Bewegung. Wenn allerdings wieder die vor dem Herzinfarkt bekannten Symptome auftreten, sollten Sie unverzüglich einen Arzt konsultieren.

Frage : Worauf soll ich als Frau besonders achten, um einen Herzinfarkt zu erkennen ?

Antwort : Speziell für Frauen haben Herzspezialisten die so genannte NAN-Regel etabliert. NAN steht für Nase-Arm-Nabel. Das heißt, alle plötzlich auftretenden Schmerzen zwischen Nase, Arm und Nabel, die nicht innerhalb von einer Viertelstunde wieder verschwinden, können Alarmzeichen für einen drohenden Infarkt sein. Dann zögern Sie nicht, zum Arzt zu gehen. Eine Untersuchung gibt schnell Klarheit und kann unter Umständen lebensrettend sein. Es gibt Frauen, die vor einem Infarkt gar keine Schmerzen im Brustbereich – das typische Symptom beim " männlichen Herzinfarkt " – haben. Akute Beschwerden vor einem " weiblichen Herzinfarkt " sind Kurzatmigkeit und Leistungsschwäche. Treten diese Befi ndlichkeitsstörungen zusammen auf, oft noch gepaart mit Übelkeit und Erbrechen, sprechen Mediziner vom so genannten weiblichen Symptomkomplex.

Frage : Welche Krankheiten erhöhen das Risiko für einen Herzinfarkt ?

Antwort : Besonders achtsam sollten Patienten und auch hierbei vor allem die weiblichen sein, die unter Bluthochdruck, erhöhtem Cholesterinspiegel oder Diabetes leiden. Bei Frauen gelten insbesondere Raucherinnen als gefährdet, vor allem wenn sie die Pille nehmen. Auch Stress oder eine erbliche Veranlagung erhöhen das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden. Gerade bei Diabetikern ist besondere Vorsicht geboten. Denn sie leiden oft unter Nervenschädigungen, die eine verminderte Schmerzempfindung zur Folge haben. Diabetiker sind immer Hochrisikopatienten.

Frage : Ich bin wegen Bluthochdruck unter ärztlicher Kontrolle. Nun soll ich abnehmen. Ich fühle mich aber wohl, so wie ich bin. Was raten Sie ?

Antwort : Übergewicht gehört zu den Risiken für Herz-Kreislauf-Leiden. Leider steigt auch in Sachsen-Anhalt die Zahl der Schwergewichte. Das durchschnittliche Körpergewicht unserer Patienten hat innerhalb weniger Jahre um acht Kilogramm zugenommen. Zu viel Körpergewicht weist auf ungesunde Ernährung und mangelnde Bewegung hin. Reduzieren Sie Ihr Gewicht durch gesunde Ernährung und viel Bewegung.